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Finanzstabilitätsbericht EZB warnt vor Risiken im Falle eines Abschwungs

Die Notenbank sieht vor allem Gefahren im Markt für Hochrisikokredite, der in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist.
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Notenbank: EZB warnt vor Risiken im Falle eines Abschwungs Quelle: dpa
Europäische Zentralbank

Die Zentralbank betrachtet den schwachen Bankensektor in Europa mit Sorge.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Europäische Zentralbank warnt in ihrem Finanzstabilitätsbericht vor Gefahren im Falle eines längeren wirtschaftlichen Abschwungs. „Wenn das Wachstum schwächer ausfällt, können Risiken für die Finanzstabilität entstehen,“ sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos.

Zuletzt habe die Unsicherheit über die globalen Wachstumsaussichten zu starken Schwankungen an den Finanzmärkten geführt. Ein schwächeres Wachstum sowie eine Eskalation des Handelskonflikts könnten zu einem weiteren Rückgang der Vermögenspreise führen.

Für besonders anfällig in einem solchen Fall hält die EZB den globalen Markt für Hochrisikokredite. Dieser sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Wenn sich die Unternehmensgewinne abschwächen, könnte es aus Sicht der Notenbank hier zu Problemen kommen.

Etwa ein Drittel dieser Unternehmenskredite in Europa und den USA sind in sogenannten CLOs (Collateralized Loan Obligations) gebündelt. Das Volumen der CLOs hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Zwar haben die meisten noch ein gutes Rating, die Kreditqualität und die Sicherheiten haben sich zuletzt aber verschlechtert.

Ein weiteres Problem ist die hohe Staatsverschuldung. Sollte es einen längeren Abschwung geben, würde das die Refinanzierung schwieriger machen, vor allem in Ländern mit hohen Haushaltsdefiziten und hoher Gesamtverschuldung. Der Notenbank-Chef mahnte das hochverschuldete Italien zur Einhaltung der europäischen Haushaltsregeln.

Ansonsten drohten dem Land höhere Finanzierungskosten, was die Wirtschaft noch mehr bremsen könnte, sagte Notenbank-Vizechef Luis de Guindos am Mittwoch in Frankfurt. Italien droht inzwischen wegen der steigenden Staatsverschuldung ein Strafverfahren der EU. Vize-Regierungschef Matteo Salvini kündigte nach dem Erfolg seiner rechtspopulistischen Lega bei der Europawahl an, mit „aller Kraft“ gegen die EU-Haushaltsregeln zu kämpfen.

Schwacher Bankensektor ist problematisch

Zudem verweist die EZB auf den schwachen Bankensektor in Europa. So habe die Eigenkapitalrendite der europäischen Banken in den vergangenen zwei bis drei Jahren bei etwa sechs Prozent gelegen – und damit deutlich unter den Erwartungen von Investoren. Nach wie vor hätten die Institute mit einer geringen Kosteneffizienz und Rechtsrisiken zu kämpfen sowie einer starken Abhängigkeit von einzelnen Ertragsquellen.

Wegen der geringen Profitabilität hätten viele Banken Probleme, Kapitalpuffer für Krisen aufzubauen. Die EZB hält es für richtig, dass einzelne Euro-Länder den sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer für Banken eingeführt haben.

Am Montag hatte der Ausschuss für Finanzstabilität, dem Vertreter von Bundesbank, der Finanzaufsicht Bafin und dem Bundesfinanzministerium angehören, dies auch für Deutschland beschlossen. Der Kapitalpuffer von 0,25 Prozent wird im Juli eingeführt, die Banken haben dann ein Jahr Zeit, um die neuen Anforderungen schrittweise umzusetzen.

Eine Kehrseite der Schwäche des Bankensektors ist das starke Wachstum des Nicht-Bankensektors, also etwa von Vermögensverwaltern. Anders als die Banken unterliegen sie oft einer schwächeren Regulierung. Hier sieht die EZB die Gefahr, dass diese Anbieter im Falle eines stärkeren Einbruchs der Vermögenspreise zu Notverkäufen gezwungen sein könnten.

Mehr: Die Währungsunion hat die Krise überstanden – doch hält an der Niedrigzinspolitik fest. Ökonomen kritisieren, dass sich die Zentralbank zu sehr an schwachen Euro-Ländern orientiert.

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1 Kommentar zu "Finanzstabilitätsbericht: EZB warnt vor Risiken im Falle eines Abschwungs"

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  • Die EZB-ler haben ein Brett vor dem Kopf. Dieses "Brett" ist vermutlich jedoch ein Großportrait von Robert Mundell über jedem Schreibtisch dort:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Mundell
    Man huldigt also der "Theorie optimaler Währungsräume" und kann oder will nicht erkennen, dass man gerade untergeht. Zentralplanungsbehörden wie eben auch die Zentralbanken sind jedoch IMMER dem Markt unterlegen - gerade, wenn sie einer falschen Ideologie huldigen.
    Mein früherer Nickname hier war nicht umsonst INFLATE OR DIE. Es gibt in diesem System keine andere Alternative. Dafür muss man allerdings wissen, dass Inflation eine Ausweitung der Geldmenge und Deflation eine Kontraktion der Geldmenge ist.
    Und wenn die europäischen Zentralplaner ein Mundell-Brett vorm Kopf haben, dann können sie das eben nicht erkennnen. Und dann heißt es eben: DIE.

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