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Fonds Warum es bei Schwellenländer-Investments große Unterschiede und damit Risiken gibt

Welche Aktien der Schwellenländer-Staaten ins Depot kommen, hängt stark vom Einfluss der Indexanbieter ab. Anleger sollten prüfen, worauf sie setzen.
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Zu den BRIC-Staaten gehören Brasilien, Russland, Indien und China. Für die vier Schwellenländer wurde der sogenannte BRIC-Fonds aufgelegt. Quelle: Visual China Group/Getty Images
Schwellenländer-Anlagen

Zu den BRIC-Staaten gehören Brasilien, Russland, Indien und China. Für die vier Schwellenländer wurde der sogenannte BRIC-Fonds aufgelegt.

(Foto: Visual China Group/Getty Images)

Frankfurt Einst hatte ein Ökonom eine clevere Anlageidee: Er verpasste vier beliebten Schwellenländern eine markige Abkürzung mit vier Buchstaben. Aktien aus den Staaten gelangten dann in einen Investmentfonds. So in etwa erfand Terence James, genannt „Jim“, O’Neill Ende 2001 die Gruppe der BRIC-Staaten: Brasilien, Russland, Indien und China. Und Goldman Sachs, dessen Chefvolkswirt O’Neill war, legte den ersten BRIC-Fonds auf.

Die Vermarktungsstrategie war extrem erfolgreich. Viele Fondsanbieter folgten dem Trend und brachten eigene BRIC-Fonds auf den Markt. Doch die Performance enttäuschte auf längere Sicht: 14 Jahre nach Auflage beerdigte Goldman Sachs seinen BRIC-Fonds. Das verwaltete Vermögen des Fonds war seit 2010 um 88 Prozent gesunken. Und auch hier folgten viele Großinvestoren der Entscheidung von Goldman Sachs, das einst beliebte Segment hat sich am Ende nicht bewährt.

Anleger investieren ihr Geld inzwischen breiter in Länder mit aufstrebendem Wachstum. Unter dem Sammelbegriff Emerging Markets (EM) kaufen sie allerdings Papiere aus den unterschiedlichsten Ländern, was ihren Depots mitunter hohe Renditechancen, aber auch schwer abschätzbare Risiken beschert.

„Mit BRIC-Fonds beschränkten sich Anleger unnötigerweise auf lediglich vier Volkswirtschaften“, bestätigt Michael Altintzoglou, Portfoliomanager bei Flossbach von Storch. Problematisch ist, dass diese Märkte auf globale Ereignisse oftmals völlig anders reagieren, was die Investments schwerer vorhersehbar machte. Nun aber setzen immer mehr Investoren statt auf BRIC-Fonds auf länder- und regionenspezifische sowie globale Fonds der Emerging Markets.

War der Marketing-Coup von Jim O’Neill also ein Türöffner für Anleger, um auf Schwellenländer aufmerksam zu werden? Gut möglich. Manche Experten bemängeln allerdings, dass sie mit ihren heutigen Schwellenländer-Anlagen das Grundproblem der BRIC-Fonds im Depot behalten. „Die Bandbreite unter den Staaten, die gemeinhin als Schwellenländer bezeichnet werden, ist extrem“, sagt Daniel Lösche, Anlagestratege beim Fondshaus Schroders.

„Sie unterscheiden sich stark hinsichtlich wirtschaftlicher Entwicklungsstufen und Phasen innerhalb des Konjunkturzyklus“, betont er. Zudem variierten sie in Bezug auf ihre Sensitivität zu anderen Märkten wie Öl und ihre Abhängigkeit vom US-Dollar oder von Handelskonflikten. „Manche Staaten stecken wirtschaftlich noch in den Kinderschuhen, andere sind dagegen schon fast Industrienationen“, ergänzt Altintzoglou.

Doch Anleger sollten sich damit beschäftigen: Denn 57 Prozent der aktiven Schwellenländer-Fonds nehmen laut dem Analysehaus Morningstar allein den globalen EM-Index des Finanzdienstleisters MSCI als Benchmark. Der Indexanbieter aus den USA gilt als Marktführer und vereint im globalen EM-Index Aktien aus 26 Staaten, verteilt auf fünf Kontinente.

Der Index repräsentiert 85 Prozent des Börsenwerts aller Aktien aus Schwellenländern. Verstärkt wird der Trend zu solchen breiten Investments durch die wachsende Beliebtheit von Passivfonds, die zu 66 Prozent den globalen Schwellenländer-Index nachbilden. Immerhin schon 623 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen folgen dem Weg des Indexanbieters.

Anleger sollten sich dessen bewusst sein: Breit gültig ist die Legende vom aufstrebenden Schwellenland längst nicht mehr. Schwellenländer unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihres wirtschaftlichen Entwicklungsstands, sondern damit auch in ihren Chancen und Risiken an den Aktienmärkten.

Das bestätigte sich wieder am vergangenen Wochenende, als US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping nach ihrem Treffen beim G20-Gipfel in Osaka sich auf eine Wiederaufnahme in den Handelsgesprächen einigten. Der chinesische Leitindex Shanghai Composite sprang Anfang der Woche um mehr als ein Prozent in die Höhe, ebenfalls legte der Hongkonger Hangseng-Index zu.

Unbeeindruckt hingegen zeigten sich die brasilianischen Investoren: Der Leitindex Bovespa drehte ins Minus. Indiens Sensex blieb mehr oder weniger unbewegt.

Unterschiedliche Abhängigkeiten

Die Diversifikation in den Emerging Markets hat zwei zentrale Ursachen. Die erste ist organisch: Je nachdem, wie stark die Volkswirtschaft eines Schwellenlands nach außen orientiert ist, hängt ihre Entwicklung mehr oder weniger vom Handel ab. Und viele Länder haben die Bindung ihrer Währung an den US-Dollar aufgehoben und ihre Abhängigkeit von auf US-Dollar lautenden Schulden verringert. Das macht die Entwicklung der heimischen Währung für sie wichtiger.

Die zweite Ursache sind die Indexanbieter, insbesondere der mächtige Marktführer MSCI. Über eine Billion Dollar groß ist das Vermögen, das weltweit in EM-Fonds investiert ist, die Indizes von MSCI als Benchmark nehmen. Das sind laut Morningstar 37 Prozent aller Anlagen in Schwellenländern.

Die Vermögensverwalter übernehmen damit die Kriterien, die der Indexanbieter für die Definition eines Schwellenlands vorgibt „Wir halten uns da an MSCI, weil der Kunde wissen will, was er kauft“, erklärt Felix Hermann, Kapitalmarktstratege bei Blackrock.Halbjährlich wird die Zusammensetzung angepasst.

Nach welchen Kriterien das US-Unternehmen exakt ein Schwellenland als solches definiert, ist ein gut gehütetes Geheimnis, berichtet Claus Born. „Das ist fast so wie eine Blackbox“, sagt der Lateinamerika-Experte vom Fondshaus Franklin Templeton. Von MSCI heißt es selbst nur, dass man sich auf Aktien von Unternehmen mit Sitz oder wesentlicher Geschäftstätigkeit in den Emerging Markets konzentriere.

Bekannt ist, dass es MSCI weniger um die wirtschaftlichen Entwicklungsaussichten eines Staates als um die Zugangsmöglichkeiten zu den Kapitalmärkten geht. Bestes Beispiel ist Südkorea. Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf ist der Halbinselstaat wahrlich kein Schwellenland, taucht in der Rangliste kurz hinter Frankreich und noch vor Neuseeland und Spanien auf. „Es gibt viele Aspekte, die zeigen, dass Südkorea eigentlich kein Schwellenland mehr ist“, sagt Hermann.

Weil etwa die südkoreanische Währung, der Won, nur im Inland handelbar ist, zählt MSCI das Land trotzdem zu den Schwellenländern und gewichtet es mit über zwölf Prozent im globalen EM-Fonds. Von aufstrebenden Märkten kann hinsichtlich der dortigen Aktienmärkte aber keine Rede sein. Der wichtige südkoreanische Index Kospi, der die Entwicklung des gesamten südkoreanischen Aktienmarkts widerspiegelt, notiert derzeit auf dem gleichen Niveau wie 2011.

Demgegenüber steht der brasilianische Leitindex Bovespa, der in den letzten fünf Jahren ein Plus von 91 Prozent hinlegte, seit 2008 um über 200 Prozent. „Brasilien ist anders als China oder Korea deutlich weniger abhängig von globalen Verflechtungen“, sagt Lateinamerika-Experte Born über das mit etwa acht Prozent im MSCI-Fonds gewichtete Land.

Allein die globalen Rohstoffpreise spielten eine wichtige Rolle, weil Brasilien ein großer Exporteur von landwirtschaftlichen Produkten, Eisenerz und Öl ist. Die hohe chinesische Nachfrage beflügelt seit Jahren die Kurse brasilianischer Exportunternehmen. „Ansonsten ist die Volkswirtschaft relativ geschlossen und die inländische Nachfrage entscheidend“, so Born.

Enormes Gewicht Chinas

Anders steht es um Russland, ebenfalls ein Schwellenland laut MSCI und mit rund vier Prozent Anteil im Fonds. Die Energiewirtschaft hat für die Wirtschaft Russlands eine herausragende Bedeutung. Unter den zehn größten Titeln im RTS-Index, der als wichtigste Benchmark für den russischen Wertpapierhandel gilt, kommen sechs Unternehmen aus der Öl- beziehungsweise Gasbranche. Auch die Entwicklung der weiteren Unternehmen ist eng mit der des Ölpreises korreliert.

Kaum ein Land widerlegt so wie Russland den Mythos vom florierenden Schwellenland. Seit 2014 dauert die Krise dort mittlerweile an. Schuld daran ist vor allem der Preisverfall bei den wichtigsten Exportgütern Öl und Gas. Der RTS-Index hatte im Mai 2008 seinen Höchststand und notierte damals rund doppelt so hoch wie aktuell.

Und dann wäre da noch China. Der steile wirtschaftliche Aufstieg des Landes hat auch seine Spuren in den globalen Aktienfonds hinterlassen. In den wenigen BRIC-Fonds, die es noch gibt, machen chinesische Titel heute in der Regel rund 60 Prozent aus. Als die BRIC-Fonds in Mode kamen, hatte die Gewichtung Chinas noch ähnliche Ausmaße wie diejenige von Russland, Indien und Brasilien – BRIC ist sozusagen zu BRICCC geworden.

Ähnlich sieht das beim globalen EM-Index von MSCI aus: China liegt mittlerweile bei einer Gewichtung von 31 Prozent. Und MSCI steigert in diesem Jahr die Gewichtung chinesischer Inlandsaktien im EM-Index noch weiter. Dass diese gestiegene Abhängigkeit ein Risiko ist, zeigen nicht zuletzt die Reaktionen der chinesischen Aktienmärkte auf den Handelsstreit.

„Eine höhere Gewichtung Chinas im Index und der Handelsstreit bedeuten für Anleger natürlich mehr Risiko“, sagt Grant Cheng, Fondsmanager bei Allianz Global Investors, der China deshalb untergewichtet. Chinesische Inlandstitel sind Treiber für die Volatilität von globalen EM-Fonds. Der Volatilitätswert des Shanghai Composite Index liegt je nach Zeithorizont zehn bis 15 Prozentpunkte über dem Wert des EM-Fonds von MSCI.

An der MSCI-Gefolgschaft gibt es Kritik. „Viele Investoren gehen davon aus, dass die Indizes fast gottgegeben sind und damit problemlos. Meistens sind sie es nicht“, klagt Mohamed El-Erian, Berater des Versicherers Allianz. Das gilt für betroffene Staaten, die bei Aufnahme oder Verlassen der Indizes mit Kapitalbewegungen in mehrstelliger Milliardenhöhe bedacht werden.

Gepaart mit der Intransparenz der Indexanbieter kann das zu Veränderungen des Risikos für Anleger führen, ohne dass sie das überhaupt wahrnehmen. „Die zunehmende Macht der Indexanbieter hält Altintzoglou von Flossbach für „eine gefährliche Entwicklung“. Für Anleger kann es deshalb klüger sein, auf regionenspezifische Schwellenländer-Fonds zu setzen, was zwar mehr Risiko, aber eben auch mehr Transparenz bedeuten kann.

Und wenn es doch ein globaler EM-Fonds sein soll, sollte man genau auf die Details achten. Allianz Global Investors etwa gewichtet die Tencent-Aktie wegen der hohen Bewertung unter und setzt dafür auf Naspers. Der südafrikanische Medienkonzern ist Großaktionär bei Tencent und dadurch eng mit den Titeln der Chinesen korreliert.

Flossbach von Storch vertraut auf Unilever und Heineken, weil deren Tochtergesellschaften in den Schwellenländern als zu hoch bewertet eingeschätzt werden. Ein Blick in die Details kann sich bei allen EM-Fonds lohnen – denn Pauschalisierung und Schwellenländer, das passt nicht mehr zusammen.

Mehr: Das US-Defizit im Warenhandel mit China ist weiter angestiegen. Es vergrößert sich um 12,2 Prozent. US-Präsident Trump ist das Defizit ein Dorn im Auge.

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