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„Fragile Fünf“ Währungskrisen der Schwellenländer schüren Angst vor Ansteckung der Weltwirtschaft

Türkei, Argentinien, Brasilien, Indien, Indonesien: Die Währungskrisen der Schwellenländer spitzen sich zu. Top-Ökonomen warnen vor weitreichenden Folgen.
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Deutsche-Bank-CEO Sewing erwartet, dass neben Argentinien weitere Länder Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen werden. Quelle: AP
Schwache Schwellenländer

Deutsche-Bank-CEO Sewing erwartet, dass neben Argentinien weitere Länder Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen werden.

(Foto: AP)

FrankfurtDie Währungskrisen in Argentinien und der Türkei werden zunehmend zu einer Bedrohung für die Weltkonjunktur. So seien bereits jetzt „Ansteckungseffekte auf andere Schwellenländer sichtbar“, sagte die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel dem Handelsblatt. „Sollte es zu einer breiten Schwellenländerkrise kommen, hätte dies deutliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und damit auch für Deutschland“, warnte sie.

Der Ausverkauf hat die Aktienmärkte der Schwellenländer erfasst und lässt die Risikoaufschläge für Anleihen in die Höhe schießen. Besonders anfällig sind Länder, die mehr importieren als exportieren und in denen sich Staat oder Firmen stark in Dollar verschuldet haben.

Wertet die eigene Währung ab, steigt die Last der Dollar-Schulden. Im Vergleich mit Argentinien ist für Deutschland die Türkei das größere Problem, sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest. „Man kann davon ausgehen, dass die deutschen Exporte in die Türkei deutlich zurückgehen werden.“ 2017 exportierte Deutschland Waren im Wert von über 21 Milliarden Euro in die Türkei – das Land lag damit unter den Abnehmern deutscher Waren weltweit auf dem sechzehnten Platz.

Zudem haben deutsche Firmen in den vergangenen Jahren kräftig in die Türkei investiert, 2016 lag der Bestand deutscher Direktinvestitionen dort bei etwa 9,1 Milliarden Euro. Rutscht die Türkei in die Krise, drohen Abschreibungen darauf.

Für noch gefährlicher hält Fuest jedoch mögliche Auswirkungen der Türkeikrise. „Da vor allem Banken in Spanien und Italien betroffen sind, könnte dies die ohnehin fragile finanzielle Stabilität in diesen Ländern beeinträchtigen und den Aufschwung dort gefährden“, fürchtet er. Dadurch allein werde die Euro-Krise zwar nicht zurückkehren, aber in Kombination mit anderen Faktoren wie der Unsicherheit über die künftige Finanzpolitik Italiens sei dies ein Risiko.

Das Thema Türkeikrise beschäftigt die Finanzbranche – auch den Chef von Deutschlands größter Bank. Auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts in Frankfurt sagte Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing: „Die instabile Lage in der Türkei führt zu neuen Fragezeichen hinsichtlich der Stabilität anderer Schwellenländer – von Argentinien über Südafrika bis Indonesien.“ Aus seiner Sicht ist die Krise der Schwellenländer noch längst nicht ausgestanden.

Er erwartet, dass neben Argentinien weitere Länder Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen werden. „Ich wage die These, dass bald die Zeit großer IWF-Programme zurückkehren könnte“, sagte Sewing.
Diese These teilen offenbar immer mehr Investoren: Seit Jahresbeginn leiden die Schwellenländer unter einer drastischen Verkaufswelle.

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So hat der „MSCI Emerging Market Currency Index“, der die Entwicklung der Währungen von Schwellenländern im Vergleich zum Dollar abbildet, seit seinem Jahreshoch Ende Januar rund acht Prozent verloren. Am härtesten traf es den argentinischen Peso – mit einer Abwertung von mehr als 50 Prozent zum Dollar. Mit mehr als 40 Prozent Verlust seit Jahresbeginn hat auch die türkische Lira enorm an Wert verloren.

Der brasilianische Real, der südafrikanische Rand und der russische Rubel haben ebenfalls zweistellig eingebüßt, auch die indische Rupie und die indonesische Rupiah stehen deutlich unter Druck.

Auch Paul Greer, Fondsmanager für Schwellenländer bei Fidelity International, warnt: „Das Rückschlagpotenzial in den Schwellenländern schwebt wie ein Damoklesschwert über den Märkten.“

Jedes Land mit akuten ökonomischen Ungleichgewichten gerate in den Fokus der Investoren.

Folgenreiche Zinswende

Als wichtiger Grund für die derzeitigen Turbulenzen vieler Schwellenländer-Währungen gilt die Geldpolitik in den USA. Anders als zu Jahresbeginn erwartet hat die US-Notenbank Federal Reserve zuletzt signalisiert, dass sie die Zinsen schneller anheben will. Inzwischen geht sie von vier Erhöhungen in diesem Jahr aus – Anfang 2018 hatten viele Ökonomen nur mit zwei bis drei Zinsschritten gerechnet.

Durch die höheren Renditen in den USA wird es für Anleger attraktiver, dort in Zinspapiere zu investieren. Das bewirkt, dass mehr Kapital aus Schwellenländern in die USA fließt und ihre Währungen gegenüber dem Dollar abwerten.

Einen plötzlichen Kurssturz bei Währungen wichtiger Schwellenländer gab es zuletzt um die Jahreswende 2013/2014. Damals spielte die Geldpolitik ebenfalls eine wichtige Rolle. Der frühere US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte ein vorzeitiges Ende der Anleihekäufe in den USA in Aussicht gestellt und damit einen Kapitalabfluss aus den Schwellenländern ausgelöst.

„Die aktuellen Probleme in den Schwellenländern sind durchaus mit der Situation Anfang 2014 vergleichbar“, sagt Klaus-Jürgen Gern, Schwellenländer-Experte am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

Die Investoren prägten seinerzeit ein Schlagwort für die am meisten gefährdeten Staaten: Indien, Indonesien, die Türkei, Brasilien und Südafrika wurden als die „Fragilen Fünf“ bezeichnet. Es sind beinahe die gleichen Staaten, die auch dieses Mal wieder im Zentrum der Krise stehen – wenn auch mit Abstufungen. Während die Lage in der Türkei besonders dramatisch ist, hat Brasilien seither seine Handelsbilanz verbessern können.

IfW-Experte Gern befürchtet jedoch, dass es die Schwellenländer diesmal noch härter treffen könnte. Damals seien die Zinsen in den USA nach 2014 noch lange niedrig geblieben. „Im Unterschied dazu könnten sie jetzt tatsächlich stärker steigen“, sagt Gern. Damit könnte deutlich mehr Kapital als 2014 aus den Schwellenländern abfließen. „Außerdem ist die Verschuldung in den Schwellenländern in der Zwischenzeit spürbar gestiegen. Einige sind deutlich stärker exponiert als damals.“

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Die größten Marktverwerfungen erwartet der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sollte die Krise der Schwellenländer auch China erfassen. Dort hätten „politische Eingriffe zu großen wirtschaftlichen Ungleichgewichten geführt“, warnt er. „Die Risiken im Finanzsystem Chinas sind enorm gewachsen.“

Gerade der wirtschaftliche Aufholprozess, in dem das Land stecke, sei mit Gefahren verbunden: „Fakt ist, dass noch nie ein Schwellenland den Aufstieg zur Industrienation ohne mindestens eine große Finanzkrise geschafft hat.“

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1 Kommentar zu "„Fragile Fünf“: Währungskrisen der Schwellenländer schüren Angst vor Ansteckung der Weltwirtschaft"

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  • Dieser Artikel missachtet Grundsätze seriösen Journalismus. Wenn man sich die "Grafiken" der Währungskurse ansieht, wird das klar: völlig unterschiedliche Maßstäbe sorgen dafür, dass ein Kursverlust von 20% genauso dramatisch daherkommt wie einer von 50%.
    Das ist unterste Schublade "Lügen mit Statistik" für Anfänger!

    Weiterhin berücksichtigt die Rechnung keineswegs die Veränderung der Kaufkraftparitäten. Für 1€ bekam ich schon 2009 zeitweise ~17.000 IDR, ungefähr wie heute. Nur dass ich die Preise in Indonesien seither mehr als doppelt so schnell entwickelt haben, wenn man die offiziellen Inflationsraten nimmt. Im Bereich der gefühlten Inflation ist das Verhältnis noch greller.

    IMHO ist eher 1:20.000 angemessen. Aber derartige Erwägungen gibt es in dem Artikel natürlich nicht.

    Statt dessen werden sehr unterschiedliceh Kulturen und Volkswirtschaften marktschreierisch über einen Kamm geschoren.

    Vor 40 Jahren habe ich gelernt: der Mensch ahmt den mächtigeren Menschen nach.
    Ich appeliere an die redaktion, den Verstand nicht auf Trump-Niveau zu nivellieren.

    N.B.: Wenn Sie mit der Diktion Probleme haben, kaufen Sie im Antiquariat einen mindestens 20 Jahre alten Fremdwörterduden. Der aktuelle hat vor allem Hicks, grumpf und schubsen und ähnlichen Dünnpfiff.

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