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François Villeroy de Galhau Frankreichs Notenbankenchef kritisiert weitere Anleihekäufe der EZB

François Villeroy de Galhau positioniert sich für die Zeit nach Mario Draghi. In einer wichtigen Nuance widerspricht er dem scheidenden EZB-Chef.
24.09.2019 - 13:17 Uhr Kommentieren
Der französische Notenbankenchef befürchtet, dass die neuen Anleihe-Käufe die Ungleichheit verstärken könnten. Quelle: AFP
François Villeroy de Galhau

Der französische Notenbankenchef befürchtet, dass die neuen Anleihe-Käufe die Ungleichheit verstärken könnten.

(Foto: AFP)

Paris, Frankfurt Frankreichs Zentralbankgouverneur François Villeroy de Galhau hat die Auseinandersetzung um die künftige Ausrichtung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Ära nach Mario Draghi eröffnet: In einer Rede an der Paris School of Economics am Dienstag kritisierte er nicht nur die letzten Beschlüssen der Notenbank – insbesondere die Wiederaufnahme von Nettoankäufen von Wertpapieren. Er verlangte auch, die möglichen Risiken für die Finanzstabilität stärker in den Blick zu nehmen.

„Ich dachte, dass weitere Ankäufe zum jetzigen Zeitpunkt unnötig sind“, sagte Villeroy de Galhau in Paris über die jüngsten EZB-Beschlüsse. Die Notenbanker hatte in ihrer September-Sitzung eine Senkung des Zinses den Banken für Einlagen berechnet wird, auf von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt.

Um die Auswirkungen für die Banken zu mildern, bekamen diese zugleich gewisse Freibeträge eingeräumt, bis zu denen sie Einlagen zu Nullzins bei der EZB anlegen können – dieses System ist als „Tiering“ bekannt. Zusätzlich beschloss die Zentralbank, monatlich jeweils für rund 20 Milliarden Euro mehr Anleihen zu kaufen, als durch Auslaufen der Papiere zurückgezahlt werden. Vor allem diese Netto-Zukäufe stoßen auf Kritik.

Es ist das erste Mal, dass sich Villeroy de Galhau nach den letzten Beschlüssen der EZB kritisch äußert. Als die Notenbankchefs aus Deutschland, den Niederlanden und Österreich mit Kritik nach dem Zinsentscheid der EZB sofort an die Öffentlichkeit gingen, gab der Chef der Banque de France keinen Kommentar ab. Ähnlich wie sein Landsmann Benoit Coeuré, der Mitglied des EZB-Direktoriums ist.

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    Die beiden Franzosen hielten sich damit an eine Art inoffizieller Verabredung in der Notenbank, an die EZB-Präsident Mario Draghi am Montag noch einmal erinnerte: Meinungsverschiedenheiten sollen möglichst intern und nicht über die Öffentlichkeit auszutragen.

    Trotzdem drang nach außen, dass die beiden Franzosen, die zuvor weitgehend die Linie von EZB-Präsident Mario Draghi unterstützt hatten, ins Lager der Kritiker gewechselt sind. Eine bedeutende Gewichtsverlagerung: Mit Deutschland und Frankreich sind nun de facto die beiden größten Volkswirtschaften auf Anti-Draghi-Kurs. Deutschlands Vertreter, Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger, waren in der Vergangenheit schon auf Distanz gegangen.

    Große Leistungen der Ära Draghi

    In seiner Rede am Dienstag ging Villeroy de Galhau allerdings über die Betrachtung der Vergangenheit hinaus und stellte eine Forderung für die Zukunft auf: „Auf jeden Fall [...] sollten die Ankäufe privater Wertpapiere durch die Zentralbank minimal sein.“

    Übermäßig viele Papiere dieser Klasse zu kaufen, störe die Preissignale und damit die Signale für eine korrekte Risikobewertung. Der Franzose sprach deshalb eine klare Warnung aus: „Die heutige Verringerung der Risikoprämien und der Kreditaufschläge könnte bereits die Risiken für die Finanzstabilität erhöhen.“

    In einer nicht unwichtigen Nuance im Vergleich zu Draghi äußert Villeroy de Galhau, dass es nicht ausreiche, auf die Aufsicht zu vertrauen. Mögliche Stabilitätsrisiken müssten auch in der Gestaltung der Geldpolitik selbst ihren Niederschlag finden. „Ein Thema verdient besondere Beachtung: die möglichen Nebeneffekte unserer geldpolitischen Instrumente auf die Finanzstabilität, insbesondere die Effekte unserer nicht-konventionellen Geldpolitik.“ Damit meinte er den Ankauf von Wertpapieren.

    Schließlich sieht der Gouverneur der Banque de France auch Lücken in der wissenschaftlichen Basis der Geldpolitik. Die Forschung über die Wechselwirkung von Inflationserwartungen und Inflation müsse verstärkt werden, darüber wisse man zu wenig.

    Insgesamt bescheinigte Villeroy de Galhau der Geldpolitik in der Ära Draghi große Leistungen: „Unsere unkonventionellen Maßnahmen haben zwischen 2016 und 2020 schätzungsweise zu zwei Prozent mehr Wachstum und Inflation geführt.“ Aber die Geldpolitik könne nicht mehr alles leisten, sie solle nicht einmal der erste Alternative sein. Unsicherheiten wie die Handelskonflikte, die von Regierungen ausgehen, sollten auch von Regierungen gelöst werden.

    Mehr: Der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi appelliert bei seinem Abschiedsauftritt vor dem EU-Parlament an die Politik, sich stärker gegen den Konjunkturabschwung zu stemmen.

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