Frankreich Französische Zentralbank zügelt Gier der Banken

Mit hohen Gebühren für finanzschwache Kunden verdienen die französischen Kredithäuser viel Geld. Die Zentralbank will die Praxis jetzt beenden.
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3,6 Millionen Franzosen gelten offiziell als „finanziell fragil“. Die Banken stellen ihnen jährlich trotzdem 320 Euro Kosten in Rechnung. Quelle: Bloomberg
Französische Zentralbank

3,6 Millionen Franzosen gelten offiziell als „finanziell fragil“. Die Banken stellen ihnen jährlich trotzdem 320 Euro Kosten in Rechnung.

(Foto: Bloomberg)

ParisDie Banque de France klopft den französischen Kreditinstituten auf die Finger, die Kunden in prekärer finanzieller Lage mit hohen Gebühren überziehen. 3,6 Millionen Franzosen gelten offiziell als „finanziell fragil“. Sie überziehen regelmäßig ihr Konto, haben ein äußerst niedriges Einkommen, oder ihre Kreditkarte wurde eingezogen. „Diesen Leuten stellen die Banken im Schnitt 320 Euro jährlich an Kosten in Rechnung, das ist völlig inakzeptabel“, wetterte am Montag François Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France.

Als Reaktion holt die Zentralbank in Zusammenarbeit mit dem Finanzministerium den dicken Knüppel heraus: „Wir deckeln die Kosten auf maximal 20 Euro im Monat und 200 Euro im Jahr“, gab Villeroy de Galhau jetzt bekannt. Die Entscheidung wurde von der „Beobachtungsstelle für Banken-Inklusion“ getroffen. Die leitet der Gouverneur, ihr gehören neben sechs Behördenvertretern ebenso viele von Kreditinstituten und von Verbraucherverbänden an.

Seit Langem zählen Schritte gegen Überschuldung von Privatpersonen zu den Dienstleistungen der Banque de France. Sie leistet Hilfestellung, indem sie Verfahren zur Entschuldung betreut, Konten für Menschen eröffnet, die keinen Zugang mehr zu Geldhäusern haben, oder indem sie Banken anweist, ihnen ein Konto einzurichten.

Seit 2013 hat der französische Staat das Instrumentarium zugunsten der Bürger in prekärer Finanzlage deutlich erweitert. Ein Gesetz, das in Europa als vorbildlich gelten kann, verpflichtet die Kreditinstitute, diese Menschen klar zu identifizieren. Dazu wurde ein Kriterienkatalog geschaffen.

Allen Bürgern, die sich in dieser heiklen Lage befinden, wurden konkrete Rechte eingeräumt: ein Konto für private Zwecke, mindestens zwei Schecks pro Monat, die Möglichkeit, seinen Kontostand im Internet abzufragen, eine Zahlkarte und Kontoführungsgebühren von maximal drei Euro im Monat.

„Aber dieses spezifische Angebot ist viel zu schwach entwickelt“, kritisiert Villeroy de Galhau. Nur zehn Prozent der als finanziell fragil geltenden Franzosen nutzten es. Die Geldhäuser informierten die anspruchsberechtigten Kunden einfach zu wenig, hält der Banque-de-France-Chef ihnen vor.

Warum das so ist, lässt sich leicht nachvollziehen: Bei speziellen Strafgebühren langen die Banken ordentlich zu. 80 Euro kassieren sie für jeden Überweisungsauftrag, den sie ablehnen, weil ein Konto überzogen ist. Strafgelder für nicht gedeckte Schecks sind die andere wichtige Komponente, die zum genannten Durchschnittsbetrag von 320 Euro jährlich führen.

Damit soll nun Schluss sein. Der Beschluss zur Deckelung wurde einvernehmlich mit den Banken gefasst. Das ist nicht alles: Innerhalb eines Jahres sollen statt heute zehn mindestens 30 Prozent der Finanzschwachen eines der gesetzlich vorgeschriebenen Sonderkonten haben. „Finanzielle Inklusion ist eine soziale Aufgabe der Banque de France“, begründet Villeroy de Galhau den Einsatz der Zentralbank.

Sollten die Geldhäuser nicht reagieren, droht er ihnen mit dem Pranger: „Wir werden Ross und Reiter nennen und veröffentlichen, wer seine Verpflichtungen missachtet.“

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