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Gefährliche Dollar-Schulden Für türkische Banken kommt das größte Problem erst noch

Die Senkung des türkischen Leitzinses dürfte den Banken des Landes helfen. Das fehlende Vertrauen in die Lira könnte jedoch zum Problem werden.
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Türken sparen immer häufiger in Auslandswährungen wie dem Dollar. Quelle: imago/Lars Berg
Geldautomaten vor der Yeni-Cami-Moschee in Istanbul

Türken sparen immer häufiger in Auslandswährungen wie dem Dollar.

(Foto: imago/Lars Berg)

Istanbul Der Blick auf die reinen Zahlen kann manchmal erhellend sein, manchmal aber auch andere Wahrheiten verdecken. So ist es derzeit bei den türkischen Banken. Die Geldhäuser des Landes stehen offiziell gut da. Sie verfügen über ein hohes Kapitalpolster – teils sogar noch größer als das der meisten europäischen Banken.

Auch die jüngste Entscheidung der türkischen Zentralbank, den Leitzins in der Türkei um 425 Basispunkte (also 4,25 Prozentpunkte) zu senken, dürfte schon bald das Wirtschaftswachstum ankurbeln, sind viele Beobachter überzeugt. Finanzminister Berat Albayrak kündigte in dieser Woche vorsorglich an, dass die Zinsen für Kredite für Konsumenten, Hausbauer und Unternehmer schon bald sinken werden.

Das wäre ein Vorbote dafür, dass bald in der Türkei wieder mehr Kredite nachgefragt würden, die Banken also mehr Umsatz machten. All das scheint sich in den Erwartungen vieler Aktionäre widerzuspiegeln. Bankaktien gehörten zu den besten Werten im türkischen Hauptindex ISE100 in diesem Jahr.

Die Kurse der Garanti Bank legten um 27 Prozent zu, Aktien der Akbank stiegen seit Januar um 35 Prozent, die von Yapi Kredi um mehr als 70 Prozent. Anteilscheine der staatlichen Halkbank fielen zwar um elf Prozent. Im Schnitt entwickelten sich Bankaktien deutlich besser als der restliche Markt: Die Papiere stiegen durchschnittlich um 25 Prozent, der Gesamtindex legte im Vergleich nur um 15 Prozent zu.

Hohe Dollar-Schulden

Allerdings sind die Zahlen trügerisch, den Banken dürfte kaum ein goldenes Jahr bevorstehen. Die größte Hürde ist, dass türkische Unternehmen über 200 Milliarden US-Dollar Schulden in Fremdwährung angehäuft haben. Firmen aus allen Sektoren, von Energie über Konsum bis hin zu Profi-Fußballvereinen, können einen Teil davon nicht zurückzahlen – und müssen mit den Banken über eine Restrukturierung sprechen.

So verhandelt die Yildiz Holding, zu der der Nahrungsmittelgigant Ülker gehört, derzeit über die Restrukturierung von Schulden in Höhe von 5,5 Milliarden US-Dollar. Beim Telekomanbieter Türk Telekom geht es um 4,75 Milliarden Dollar, bei der Baufirma Cukurova um 1,6 Milliarden US-Dollar. Alleine die türkischen Spitzen-Fußballklubs können 28 Milliarden US-Dollar an Schulden zu den ursprünglich ausgehandelten Konditionen nicht zurückzahlen.

Die Anzahl fauler Kredite in den Bilanzen der großen Geldhäuser legte deshalb bereits deutlich zu. Nach Angaben der türkischen Bankenaufsicht Brsa lag der Anteil der Kredite mit Zahlungsschwierigkeiten (non-performing loans, NPL) Mitte Juli bei 4,46 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist das nach Angaben der Deniz Bank ein Anstieg um 84,8 Prozent.

Ein weiteres Problem: Türken sparen immer häufiger in Auslandswährung wie dem Dollar. Sie haben Angst davor, dass die heimische Währung weiter abwertet und die Preise steigen. Im März stieg das Geldvolumen in Fremdwährungskonten erstmals stärker als das in Lira-Konten.

Dieser Trend setzt sich seitdem fort – und ist teuer für die türkischen Banken: Sie müssen für ihre Kunden immer mehr Dollar beiseitelegen und können das Geld nicht für andere Investments nutzen.

Schwindende Einnahmen der Banken

Gülce Deniz, Analystin bei der türkischen Oyak Securities, rechnet mit einem Dämpfer bei der anstehenden Quartalsberichterstattung türkischer Finanzinstitute. Sie geht davon aus, dass alleine die sechs größten Banken rund ein Viertel weniger einnehmen werden als im Vorjahresquartal. Und das, obwohl die Lira sich seit Mai stabilisiert hat und zum Dollar sogar fast zehn Prozent an Wert gewann.

„Trotz der stabilen Konditionen dürften höhere Handelsverluste und die gestiegenen Finanzierungskosten die unter dem Strich erzielten Ergebnisse unter Druck setzen“, ist Oyak-Analystin Deniz überzeugt. Aus Sicht der Regierung lautet der Schlüssel zur Lösung aller wirtschaftlichen Probleme: mehr Kredite.

Die Türkei erwirtschaftete in den vergangenen Jahren den Großteil ihres Wachstums mit bankfinanzierten Großprojekten. Doch das Wachstum auf Pump kann nicht ewig weitergehen. „Der Grenznutzen einer immer größeren Anzahl an Krediten nimmt ab“, sagt ein Analyst dem Handelsblatt. „Die Wirtschaft ist zunehmend gesättigt.“

Mehr: Der Pay-TV-Sender Digitürk erwägt den Stopp von Live-Übertragungen der Süper Lig. Der Grund: Der Fußballverband will in US-Dollar bezahlt werden.

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