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Geldpolitik Analysten erwarten ersten Zinsschritt der EZB im Jahr 2024

In einer neuen Umfrage befasst sich die EZB mit den Erwartungen der Märkte zur Geldpolitik. Dabei geht es unter anderem um die Entwicklung von Anleihekäufen und Zinsen.
18.06.2021 - 19:01 Uhr Kommentieren
In einer neuen Umfrage befasst sich die Notenbank mit den Erwartungen der Markt-Akteure zur Geldpolitik. Quelle: AFP
EZB-Zentrale in Frankfurt

In einer neuen Umfrage befasst sich die Notenbank mit den Erwartungen der Markt-Akteure zur Geldpolitik.

(Foto: AFP)

Frankfurt Die Leitzinsen im Euroraum haben sich in den vergangenen Jahren stets in eine Richtung entwickelt: nach unten. In der Amtszeit des früheren EZB-Präsidenten Mario Draghi gab es keine einzige Zinserhöhung. Der letzte Schritt nach oben liegt etwa zehn Jahre zurück.

Dies könnte sich in der Amtszeit von EZB-Präsidentin Christine Lagarde ändern. Das zumindest erwarten Markt-Experten. Laut einer neuen Umfrage der EZB rechnen sie damit, dass die Notenbank den entscheidenden Einlagenzins erstmals im Mai 2024 anheben wird. Das ergibt sich aus dem Median ihrer Prognosen, also dem Wert in der Mitte einer der Größe nach geordneten Datenreihe. Die neue Umfrage führt die EZB alle sechs Wochen im Vorfeld ihrer Ratssitzungen durch. An ihr nehmen Marktteilnehmer aus verschiedenen Ländern des Euroraums teil. Abgefragt werden die Erwartungen zur Entwicklung von Anleihekäufen und Zinsen sowie von Wachstum und Inflation.

Hinsichtlich des Umfangs der Zinserhöhung erwarten die Teilnehmer einen kleinen Schritt beim Einlagenzins in Höhe von zehn Basispunkten, also 0,1 Prozentpunkt. Aktuell liegt der Einlagenzins bei minus 0,5 Prozent. Das heißt: Banken, die überschüssige Liquidität bei der EZB halten, müssen dafür einen Zins von 0,5 Prozent zahlen. Eine erste Anhebung des offiziellen Leitzinses von zurzeit Null Prozent wird erst für Dezember 2024 erwartet. Er spielt zurzeit eine untergeordnete Rolle, weil es ein Kreditzins ist und die Banken eher zu viel als zu wenig Liquidität haben. 

Eine wichtige Frage ist außerdem, wie viel Spielraum die EZB bei den Zinsen nach unten hätte, falls sie, was zurzeit nicht absehbar ist, die Geldpolitik noch weiter lockern müsste. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass es einen Punkt gibt, ab dem eine weitere Senkung die wirtschaftliche Entwicklung eher bremst als fördert. Zum Beispiel, weil Bankkunden im Falle von Minuszinsen, welche von den Instituten an sie weitergegeben werden, irgendwann ihr Geld abheben und Bargeld in den Tresor stecken. Laut der EZB-Umfrage sehen die Befragten diese Zinsuntergrenze für den Einlagenzins im Median bei minus 0,8 Prozent.

Das derzeit wichtigste Instrument der EZB sind ihre Anleihekäufe über das Notprogramm in der Corona-Pandemie mit dem Kürzel PEPP. Sie haben ein Volumen von insgesamt 1,85 Billionen Euro und sollen bis mindestens März 2022 laufen. Damit will die EZB während der Pandemie für günstige Finanzierungsbedingungen sorgen.

Laut der Umfrage gehen die Befragten im Median davon aus, dass die Käufe wie derzeit anvisiert im März 2022 auslaufen. Sie erwarten zudem, dass sie sich bis dahin auf 1,792 Billionen Euro summieren. Damit würde das Programm nicht ganz ausgeschöpft. 

Abgesehen von PEPP kauft die EZB aber auch über das ältere APP-Programm Anleihen, aktuell für monatlich 20 Milliarden Euro. Diese Käufe werden aus Sicht der Befragten noch länger auf diesem Niveau beibehalten. Sie erwarten im Median, dass die Käufe bis Dezember 2023 laufen. Manche Analysten hatten es zuletzt für wahrscheinlich gehalten, dass die EZB ihr älteres Programm aufstockt, wenn sie ihre PEPP-Käufe auslaufen lässt. Damit rechnen die Befragten aber nicht.

Zeitweise höhere Inflation erwartet

Außer um Geldpolitik geht es in der Umfrage auch um die Erwartungen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Die Befragten sehen vor allem im laufenden Jahr kräftiges Wachstum voraus. Im Median erwarten sie für das zweite Quartal ein reales Wachstum von 1,4 Prozent, sowie von 2,4 Prozent im dritten und 1,3 Prozent im vierten Quartal.

Die Arbeitslosigkeit im Währungsraum wird ihren Erwartungen zufolge noch lange über dem Niveau vor der Corona-Pandemie bleiben. Ende 2019 lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im Euroraum bei 7,4 Prozent. Auf diesen Wert wird sie laut den Erwartungen der Befragten erst im dritten Quartal 2023 wieder absinken.

Für die Inflation erwarten die Befragten für den Euroraum im Median einen Wert von 2,1 Prozent im dritten Quartal 2021 und 2,3 Prozent im vierten Quartal. Danach gehen sie von einer deutlichen Abschwächung aus und erwarten im ersten Quartal 2022 nur noch 1,4 Prozent.

An der Umfrage nahmen 26 Personen hauptsächlich von internationalen Großbanken im Zeitraum vom 25. bis 28. Mai teil. Die EZB führt sie alle sechs Wochen im Vorfeld ihrer Ratssitzungen durch. An ihr nehmen Marktteilnehmer aus verschiedenen Ländern des Euroraums teil.

Mehr: Weidmann fordert baldiges Ende der Krisen-Hilfen

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