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Gebäude der Bank of Japan

Mit vorsichtigen Schritten bewegt sich die japanische Notenbank auf höhere Zinsen zu.

(Foto: Reuters)

Geldpolitik Anleger spekulieren auf baldige Zinswende in Japan

Am Dienstag steht die nächste geldpolitischen Entscheidung der japanischen Notenbank an. Schon jetzt reagiert der Aktienmarkt.
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Tokio Sie gilt als Pionierin von Nullzinspolitik und Anleihekaufprogrammen – und hält seit Jahren an dieser geldpolitischen Strategie fest. Doch am Dienstag, so wird spekuliert, könnte die Bank von Japan erstmals von ihrem Kurs abweichen. Nach Medienberichten wetten Anleger überraschend darauf, dass die Notenbank womöglich schon in diesem Monat eine Zinswende einleitet.

In der Folge sprang am vergangenen Montag der Zins für zehnjährige japanische Staatsanleihen (JGBs) um sechs Basispunkte auf 0,09 Prozent in die Höhe – der stärkste Ausschlag seit zwei Jahren. Auslöser war ein Bericht der Nachrichtenagentur Jiji, dem zufolge die Zentralbankgouverneure eine Anhebung des Zinskorridors für zehnjährige japanische Staatsanleihen erwägen. Die Nachrichtenagentur Reuters verstärkte die Spekulationen noch mit dem Bericht, dass die Diskussion um die Nebeneffekte der Politik des ultralockeren Geldes lebhafter als sonst geführt werde.

Seit September 2016 gibt die Notenbank nicht nur den Umfang des Anleihekaufprogramms vor, sondern kontrolliert auch die Renditen über verschiedene Laufzeiten, darunter die für zehnjährige JGBs. Bei dieser „Zinskurvenkontrolle“ genannten geldpolitischen Methode drückt sie die Renditen für kurzfristigere Anleihen ins Minus, um die Wirtschaft stärker anzukurbeln. Gleichzeitig lässt sie die Renditen für längerfristige Anleihen deutlich über null Prozent steigen, um Pensionsfonds und Lebensversicherern noch Anlagemöglichkeiten zu lassen. Zehnjährige JGBs hält sie im Bereich zwischen null und 0,1 Prozent.

Die Nebenwirkungen dieser insgesamt ultralockeren Geldpolitik werden immer spürbarer. Durch die JGB-Kaufprogramme, die bereits 2001 begannen, hat Japans Notenbank schon jetzt etwa 40 Prozent der zehnjährigen Staatsanleihen in ihre Bilanz übernommen. Banken und Lebensversicherern fehlt damit eine klassische Anlage, ihre Gewinne stehen unter Druck.

Konjunktur scheint abzukühlen

Bisher galt allerdings die Ansage von Notenbankchef Haruhiko Kuroda, dass an der ultralockeren Geldpolitik nicht gerüttelt wird, solange die Inflationsrate nicht auf zwei Prozent steigt. Davon ist Japan noch weit entfernt. Die Kerninflationsrate ohne leicht verderbliche Lebensmittel betrug im Juni nur ein Prozent.

Rechnet man noch die Energiepreise heraus, strebt der Preistrend seit ein paar Monaten wieder Richtung null Prozent. Die Konjunktur scheint sich ebenfalls abzukühlen. Es wäre daher eine Überraschung, wenn die Bank von Japan am Dienstag in ihrer Inflationsprognose die Erwartungen für die kommenden Jahre nicht absenkt.

Wie Anleger auf eine Zinswende reagieren würden, zeigte sich in der vergangenen Woche bereits am Devisen- und Aktienmarkt. Der Yen wurde stärker und riss im Gegenzug die Aktienpreise in den Keller. Denn ein stärkerer Yen drückt tendenziell die Gewinne der Exportindustrie.

Zuerst schüttelten viele Analysten und Strategen in Japan den Kopf über die plötzliche Hektik. Zwar wissen sie auch darum, dass intensiv über die negativen Folgen von zwei Jahrzehnten Null- und jetzt Minuszinspolitik auf Banken und Lebensversicherer geredet wird. Aber angesichts der Inflationstrends erscheinen die Berichte über ein Handeln im Juli „merkwürdig“, urteilte Takeshi Yamaguchi von Morgan Stanley MUFG Securities. 

Denn Notenbankchef Kuroda trat im April 2013 sein Amt mit dem Versprechen an, Japan mit einer drastischen Ausdehnung der Geldmenge aus der Deflation zu führen. Immer wieder versicherte er seither, die Geldschwemme nicht eher zu drosseln, bis die Inflationsrate zwei Prozent erreicht habe. Nur kann davon noch nicht die Rede sein.

Neben der niedrigen Inflationsrate sprechen politische Gründe gegen eine Straffung der Geldpolitik zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Im September finden nämlich die Präsidentschaftswahlen in der regierenden Liberaldemokratischen Partei statt. Und so fest Ministerpräsident Shinzo Abe die Partei auch im Griff zu haben scheint, so sicher will er vermeiden, dass hausgemachte Turbulenzen am Aktienmarkt seine erneute Inthronisierung überschatten.

Kurskorrekturen möglich

Beobachter wollen nicht ausschließen, dass die Bank von Japan in ihrem Dilemma Kurskorrekturen von geringerer Tragweite vornimmt. Tobias Harris vom Risikoberater Teneo Intelligence unkt, dass die Bank von Japan ihr Kaufziel für JGBs von derzeit 80 Billionen Yen (620 Milliarden Euro) pro Jahr senken könnte.

Notenbank-Experte Yamaguchi wiederum glaubt nun, dass die Bank von Japan zwar weiterhin verbal am Ziel festhalten wird, den Zins bei null Prozent zu halten; doch sie werde eine größere Flexibilität zeigen und damit einen Anstieg der Zinsen über 0,11 Prozent tolerieren.

John Vail, der globale Stratege des japanischen Vermögensverwalters Nikko Asset Management, rechnet damit, dass die Notenbank das Renditeziel zehnjähriger JGBs um 20 Basispunkte im vierten Quartal dieses Jahres anheben wird. Das wiederum dürfte die Renditen europäischer Anleihen um zehn Basispunkte erhöhen, spekuliert der Stratege.

Der tatsächliche Wandel wäre zwar nur klein. Denn die Bank von Japan wird bis auf Weiteres eine sehr expansive Geldpolitik betreiben. „Aber der psychologische Effekt könnte ungleich größer sein“, warnt Vail. „Denn wenn das globale Umfeld eine mögliche Neuausrichtung der seit langer Zeit zementierten japanischen Geldpolitik zulässt, bedeutet das eine einschneidende Wende.“

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