Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Geldpolitik Auf diese drei Punkte kommt es heute bei der EZB-Sitzung an

Der Rat der Notenbank bespricht den weiteren Kurs. EZB-Chefin Lagarde äußert sich zur Wirtschaft und könnte insbesondere für die Banken positive Nachrichten haben.
16.07.2020 - 08:25 Uhr Kommentieren
Die EZB-Chefin hat sich in gewisser Weise dem Kommunikationsstil ihres Vorgängers angenähert. Quelle: dpa
Christine Lagarde

Die EZB-Chefin hat sich in gewisser Weise dem Kommunikationsstil ihres Vorgängers angenähert.

(Foto: dpa)

Frankfurt Als Christine Lagarde vor mehr als acht Monaten ihr Amt als EZB-Präsidentin antrat, wollte sie den Kommunikationsstil ändern und die Geldpolitik einer breiteren Öffentlichkeit nahebringen.

In einem Punkt ist sie ihrem Amtsvorgänger aber immer ähnlicher geworden: In den Pressekonferenzen wiederholt sie, ähnlich wie Mario Draghi, ständig einzelne Botschaften, auch wenn sie gar nicht danach gefragt wird.

„Lagarde wird sehr gut darin, schwierige Fragen zu umgehen, indem sie immer wieder dieselben Antworten wiederholt“, schrieb etwa der frühere EZB-Generaldirektor Francesco Papadia während ihrer letzten Pressekonferenz im Juni auf Twitter. Offenbar gehe es ihr hauptsächlich darum, Patzer zu vermeiden.

Dies dürfte auch an diesem Donnerstag gelten, wenn sie sich der Öffentlichkeit stellt. Auf einer früheren Pressekonferenz hatte Lagarde mit einer ungeschickten Bemerkung die Kurse italienischer Staatsanleihen unter Druck gesetzt. Seither ist sie extrem vorsichtig geworden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Chefvolkswirt der niederländischen Großbank ING in Deutschland, Carsten Brzeski, sieht die Sitzung denn auch vor allem als Test für Lagardes Kommunikationsfähigkeiten. „Was wird sie sagen, wenn es eigentlich nichts zu sagen gibt“, fragt er provokant.

    Es gibt aber auch inhaltliche Themen, zu denen Lagarde Neues verkünden könnte. Etwa zu möglichen weiteren Entlastungen für die Banken im Euro-Raum und zur wirtschaftlichen Entwicklung. Auf folgende drei Themen kommt es an.

    1. Gibt es weitere Entlastungen für die Banken?

    Die EZB war die erste große Notenbank weltweit, die Minuszinsen eingeführt hat. Erstmals senkte sie im Juni 2014 den entscheidenden Einlagenzins im Euro-Raum unter die Nullgrenze. Banken, die überschüssige Liquidität bei ihr halten, müssen dafür aktuell einen Minuszins von 0,5 Prozent zahlen. Kritiker argumentieren, dass dies kontraproduktiv sei, weil der Finanzsektor geschwächt werde.

    Im vergangenen Jahr hat die EZB Freibeträge eingeführt, um die Banken von den Minuszinsen teilweise zu entlasten. Seither ist das Sechsfache der Mindestreserven einer Bank von den Minuszinsen ausgenommen.

    Durch die starke Ausweitung der Anleihekäufe der EZB in diesem Jahr ist jedoch die überschüssige Liquidität der Banken im Euro-Raum deutlich gestiegen. Entsprechend stärker werden die Institute durch die Minuszinsen belastet, auch wenn sie an anderer Stelle, etwa durch besonders günstige Langfristkredite der EZB, entlastet wurden.

    Um den Banken in der Coronakrise noch stärker entgegenzukommen, könnte die EZB den Freibetrag der Banken ausweiten. Der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau hatte sich hierfür offen gezeigt. „Wenn wir den Freibetrag in Zukunft optimieren können, warum nicht?“, sagte er jüngst im Interview mit dem Handelsblatt.

    Der Stratege des Schweizer Vermögensverwalters Pictet, Frederik Ducrozet, plädiert für eine Erhöhung des Freibetrags auf das Achtfache der Mindestreserven der Banken.

    Der Devisenexperte der US-Großbank Citigroup, Ebrahim Rahbari, hält einen solchen Schritt für möglich. Sollte es so kommen, würde dies aus seiner Sicht die kurzfristigen Zinsen im Euro-Raum etwas erhöhen und den Euro-Kurs stützen. Ausgemacht ist dies aber nicht. Die EZB könnte mit einem solchen Schritt auch noch warten.

    2. Reichen die Anleihekäufe aus?

    Ein weiteres Thema, das in der Pressekonferenz zur Sprache kommen dürfte, ist die Frage, ob die EZB ihre Anleihekäufe noch einmal ausweiten wird. Erst auf der letzten Sitzung im Juni hatte der EZB-Rat beschlossen, das Kaufprogramm in der Coronakrise, genannt PEPP, um um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro zu erhöhen.

    Für einen weiteren Schritt in diese Richtung ist es daher noch zu früh. Dass aber viele Experten mit einer weiteren Ausweitung rechnen, zeigte vor Kurzem eine Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter Ökonomen. Mehr als die Hälfte der Befragten prognostizierte darin eine weitere Ausweitung bis Dezember.

    Auf der anderen Seite hat beispielsweise der niederländische Notenbankchef Klaas Knot kürzlich darauf verwiesen, dass das gesamte Volumen des PEPP-Programms vielleicht gar nicht nötig sei. Ende Juni hat die EZB innerhalb einer Woche so wenig Anleihen über PEPP gekauft wie nie seit Start des Programms.

    Berenberg-Ökonom Florian Hense hält Spekulationen über ein niedrigeres Kaufvolumen für kontraproduktiv. „Ironischerweise muss die EZB, je offener sie über solche Dinge nachdenkt, ihre Käufe möglicherweise wieder beschleunigen“, schreibt er in einer Analyse. Seine Empfehlung an die EZB: Sie sollte „einen proaktiven Ansatz verfolgen, um die Erholung zu unterstützen“.

    3. Welche Entwicklung erwartet die EZB für die Wirtschaft?

    Zudem wird sich Lagarde zu den weiteren Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung und Inflation äußern. Viele Ökonomen erwarten dabei einen etwas optimistischeren Zungenschlag als in der Vergangenheit.

    Lagarde werde „in Bezug auf die kurzfristigen Wachstumsaussichten etwas weniger pessimistisch klingen“, erwartet Citi-Experte Rahbari. Er geht jedoch davon aus, dass sie vorsichtiger sein werde als zuletzt etwa EZB-Chefvolkswirt Philip Lane.

    Dieser hatte im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters angedeutet, dass die EZB nach den massiven Stützungsschritten zur Eindämmung der Coronakrise womöglich zunächst einmal ihre Füße stillhalten wird.

    Berenberg-Ökonom Hense verweist auf Äußerungen des EZB-Vizepräsidenten Luis de Guindos, wonach die Wirtschaft im Euro-Raum im zweiten Quartal geringer geschrumpft sei als von der EZB zuletzt erwartet.

    Auch die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte sich jüngst etwas optimistischer zur Wirtschaft geäußert und gesagt, dass es Anzeichen gebe, dass die Rezession in der Euro-Zone milder ausfallen könnte als befürchtet. Die EZB und auch die EU-Kommission erwarten, dass die Wirtschaft der Euro-Zone dieses Jahr um 8,7 Prozent einbrechen wird, sich in der zweiten Jahreshälfte aber erholen dürfte.

    Mehr: Notenbanken könnten bald zu ihrem letzten Mittel greifen

    Startseite
    Mehr zu: Geldpolitik - Auf diese drei Punkte kommt es heute bei der EZB-Sitzung an
    0 Kommentare zu "Geldpolitik: Auf diese drei Punkte kommt es heute bei der EZB-Sitzung an"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%