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Geldpolitik Auf diese vier Punkte kommt es bei der EZB-Sitzung an

Der Rat der Notenbank berät am Donnerstag über den weiteren geldpolitischen Kurs. Ein wichtiges Thema wird dabei die unliebsame Stärke des Euros sein.
10.09.2020 - 03:49 Uhr Kommentieren
Die EZB-Chefin könnte mit ihren Worten den Euro-Kurs beeinflussen. Quelle: Reuters
Christine Lagarde

Die EZB-Chefin könnte mit ihren Worten den Euro-Kurs beeinflussen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Christine Lagarde wird den jüngsten Anstieg des Euro-Wechselkurses sehr genau verfolgt haben. Seit Anfang Juni hat die europäische Gemeinschaftswährung um rund sechs Prozent im Vergleich zum US-Dollar aufgewertet. Für die Notenbank ist das ein Problem: Denn die Euro-Stärke macht einerseits Exporte aus Europa anderswo teurer, was tendenziell das Wachstum schwächt – andererseits macht sie Importe billiger und drückt damit die ohnehin niedrige Inflation im Euro-Raum noch weiter nach unten.

Auch wenn die EZB kein Wechselkursziel verfolgt, hat sich Lagardes Amtsvorgänger Mario Draghi öfter zum Euro-Kurs geäußert, wenn er Anlass zur Sorge sah. Investoren werden daher sehr genau hinhören, ob sich Christine Lagarde auf ihrer Pressekonferenz am Donnerstag dazu etwas entlocken lässt.

Neben dem starken Euro dürften auch die extrem niedrige Inflation und der Strategieschwenk der US-Notenbank Federal Reserve eine Rolle spielen. Außerdem legt die Notenbank neue Prognosen für das Wachstum und die Inflation im Euro-Raum vor. Auf folgende vier Themen kommt es an:

1. Drückt Christine Lagarde den Euro-Kurs?

Ein Mittel, um auf die Euro-Stärke zu reagieren, wäre eine verbale Intervention. Christine Lagarde könnte sagen, dass die abrupte Euro-Aufwertung Einfluss auf die Inflation und die Geldpolitik der EZB hat.

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    EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hat sich bereits in der vergangenen Woche geäußert, als der Euro kurzzeitig die Marke von 1,20 Dollar überschritten hatte. Lane betonte, dass der Wechselkurs des Euros „wichtig“ und „relevant für die Geldpolitik“ sei. Dies reichte aus, um den Euro-Kurs zumindest kurzzeitig zu schwächen.

    Ähnlich könnte sich nun auch Lagarde äußern. Die Frage ist allerdings, ob sich der Wechselkurs auf mittlere Sicht allein durch Worte beeinflussen lässt oder ob nicht irgendwann auch Taten folgen müssen.

    Als klassisches Instrument zur Beeinflussung des Wechselkurses gilt der Einlagenzins. Er liegt im Euro-Raum aktuell bei minus 0,5 Prozent. Auf diesem Niveau hat ihn die EZB selbst auf dem Höhepunkt der Coronakrise belassen. Lagarde könnte andeuten, dass die EZB zu weiteren Senkungen bereit ist. Dies würde den Euro-Kurs vermutlich drücken.

    Allerdings hat die EZB auf eine weitere Zinssenkung bislang unter anderem deshalb verzichtet, weil sie fürchtet, dass dies negative Nebenwirkungen für das Finanzsystem hätte. Denkbar wäre daher, dass sie in einem solchen Fall auch die Freibeträge für jene Einlagen der Banken ausweiten würde, die von den Minuszinsen ausgenommen sind. Auch die Andeutung einer weiteren Ausweitung der Anleihekäufe könnte den Euro-Kurs beeinflussen.

    2. Wie reagiert die EZB auf den Strategieschwenk der Fed?

    Ein Treiber für die Stärke des Euros und die Schwäche des Dollars war der jüngst angekündigte Strategieschwenk der US-Notenbank Federal Reserve. Die Fed will künftig eine höhere Inflation tolerieren, wenn diese zuvor länger unter zwei Prozent gelegen hat.

    Investoren sehen offenbar durchaus Chancen, dass die Fed dies auch erreicht. Zumindest sind die aus Marktpreisen abgeleiteten Inflationserwartungen nach der Ankündigung der neuen Strategie gestiegen. Zudem rechnen die Akteure an den Märkten damit, dass die Zinsen in den USA noch länger niedrig bleiben.

    Für die EZB birgt das Gefahren: Gehen die Märkte davon aus, dass die Geldpolitik in den USA künftig lockerer sein wird als im Euro-Raum, droht eine weitere Aufwertung des Euros und eine Abwertung des Dollars. Daher könnte Lagarde diesem Eindruck entgegentreten.

    Die EZB selbst will die Überprüfung ihrer Strategie Mitte 2021 abschließen. Allerdings betont sie bereits seit vergangenem Jahr, dass ihr Inflationsziel von „unter, aber nahe zwei Prozent“ symmetrisch ist. Gemeint ist damit, dass eine zu niedrige Inflation genauso bekämpft wird wie eine zu hohe Inflation.

    Vorher wurde das Ziel oft eher als eine Art Obergrenze verstanden. Im Prinzip geht die EZB damit in eine ähnliche Richtung wie die Fed.

    3. Weitet die EZB ihre Anleihekäufe aus?

    Das wichtigste Instrument der EZB in der aktuellen Situation sind ihre Anleihekäufe. Erst im Juni hat sie dafür ihr Krisenprogramm in der Corona-Pandemie, genannt PEPP, um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro aufgestockt.

    Bisher wurden vom Volumen erst 500 Milliarden Euro ausgeschöpft. Die Notenbank hat also noch viel Spielraum. Im August hat sie für netto gerade einmal 60 Milliarden Euro zusätzliche Anleihen über das Programm erworben.

    Allerdings sind die Käufe in den Sommermonaten normalerweise immer etwas niedriger – wegen der geringeren Liquidität an den Märkten. Zuletzt hatte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel in einem Interview gesagt, dass sie das Volumen des PEPP-Programms derzeit für „angemessen“ halte und dass die EZB die wöchentlichen Kaufvolumina auch wegen der entspannteren Lage an den Finanzmärkten etwas reduziert hat.

    Die meisten Ökonomen rechnen daher nicht damit, dass die Notenbank ihre Käufe jetzt schon ausweitet. Elga Bartsch von der Fondsgesellschaft Blackrock und Mitglied des EZB-Schattenrats, eines vom Handelsblatt moderierten Expertenteams, plädiert dennoch für eine Ausweitung der Käufe um 500 Milliarden Euro auf der aktuellen Sitzung. Sie argumentiert, dass die EZB schon jetzt ein klares Zeichen setzen sollte.

    Neben dem starken Euro-Kurs sind auch die Inflationszahlen für den Euro-Raum extrem niedrig ausgefallen. Im August fielen die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent, und die um besonders schwankungsanfällige Preise bereinigte Kernrate fiel auf ein Rekordtief von 0,4 Prozent.

    Der Analyst des Schweizer Vermögensverwalters Pictet, Frederik Ducrozet, der ebenfalls Mitglied des Schattenrats ist, erwartet von Lagarde zumindest ein klares Zeichen, dass abhängig von den Daten eine weitere Lockerung der Geldpolitik möglich ist. Er rechnet damit, dass die Anleihekäufe dann im Dezember um 500 Milliarden Euro ausgeweitet werden.

    4. Welche Entwicklung erwartet die EZB für Wachstum und Inflation?

    Auf ihrer Pressekonferenz wird Christine Lagarde auch die neuesten Prognosen der EZB für das Wachstum und die Inflation im Euro-Raum vorstellen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Inflation.

    Die EZB strebt einen Wert von knapp unter zwei Prozent an, den sie als optimal für die Wirtschaft ansieht. Dieses Ziel verfehlt sie jedoch seit Langem. Im Juni hatte die EZB prognostiziert, dass die Inflation bis 2022 auf 1,3 Prozent steigt. Das entspricht auch der Prognose des Schattenrats.

    Beim Wachstum ging die EZB im Juni davon aus, dass die Wirtschaft im Euro-Raum in diesem Jahr um 8,7 Prozent schrumpft. Ab kommendem Jahr soll sie wieder wachsen: 2021 um 5,2 Prozent, 2022 um 3,3 Prozent. Der Schattenrat sagt für dieses Jahr einen geringeren Rückgang von 7,9 Prozent voraus sowie für 2021 ein Wachstum von 5,4 Prozent und für 2022 von 2,0 Prozent.

    Mehr: Warum der Euro ein Gewinner der Coronakrise werden kann

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