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Geldpolitik Banken stecken in der Zinsfalle

Die letzten zwei Wochen von Mario Draghi könnten deutsche Banken empfindlich treffen, wenn die Geldpolitik der EZB weiter gelockert wird.
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Banken fürchten eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Quelle: imago/Michael Weber
Bankenviertel Frankfurt

Banken fürchten eine weitere Lockerung der Geldpolitik.

(Foto: imago/Michael Weber)

Frankfurt Nur noch knapp zwei Monate ist Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), im Amt. Aber diese Zeit könnten er und seine Kollegen für eine historische Weichenstellung nutzen.

Bei seiner Sitzung im September wird der Rat der Notenbank noch einmal über eine weitreichende Lockerung seiner Geldpolitik beraten. Dabei strebt die EZB offensichtlich ein großes Paket verschiedener Maßnahmen an, um die Inflation in der Euro-Zone endlich in Richtung ihres Zielwerts von um die zwei Prozent zu hieven.

Für die deutschen Banken ist das eine Horrorvorstellung. Denn statt der erwarteten Normalisierung der Geldpolitik droht jetzt eine weitere Lockerung. Für die Banken dürfte das noch höhere Strafzinsen für ihre Einlagen bei der Notenbank bedeuten. Bislang müssen die Institute 0,4 Prozent Zinsen bezahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Experten gehen davon aus, dass dieser Satz auf 0,5 Prozent steigen wird.

Seit Draghi die Märkte auf die geldpolitische Rolle rückwärts vorbereitet hat, ist in Deutschland eine ebenso hitzige wie emotionale Diskussion darüber entbrannt, wie die Banken mit der noch höheren Zinslast umgehen sollen. Vertreter von Privatbanken, Genossenschaftsinstituten und Sparkassen warnen, dass die Geldhäuser die Belastungen auch auf breiter Basis an ihre Privatkunden weitergeben könnten, entweder als Minuszinsen oder durch höhere Gebühren.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will negative Zinsen für Sparer verbieten, und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) prüft zumindest, ob das rechtlich möglich ist. Bislang fordern die Banken vor allem von Unternehmen und Finanzdienstleistern Minuszinsen für Einlagen. Einzelne Geldhäuser bitten auch bereits vermögende Privatkunden zur Kasse.

Milliardenbelastung

Der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) hat ausgerechnet, dass der Minuszins von 0,4 Prozent die deutschen Banken jährlich rund 2,3 Milliarden Euro kostet, bei einer weiteren Zinssenkung würden noch einmal 600 Millionen Euro fällig.

Die EZB sollte auf die von ihr ins Auge gefasste geldpolitische Lockerung verzichten, fordert deshalb der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. BdB-Präsident Hans-Walter Peters plädiert für eine Entlastung der Banken durch eine Art Staffelzins, solche Freibeträge existieren beispielsweise bereits in der Schweiz.

Welche Dimension das Problem hat, macht Michael Rüdiger, Chef des Wertpapierdienstleisters der Sparkassen, Dekabank, klar. Er geht davon aus, dass „positive Zinsen bei der vorherrschenden Geldpolitik in der ersten Hälfte der 2020er-Jahre so gut wie ausgeschlossen sind, wenn nicht für die gesamte kommende Dekade“.

Mehr: Deutschlands Volks- und Raiffeisenbanken fordern die EZB auf, keine neuen geldpolitischen Lockerungen zu beschließen. Diese brächten „schädliche Nebenwirkungen“.

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