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Geldpolitik Bundesbank-Präsident Weidmann fordert neuen Ansatz bei der Inflationsmessung

Die Kosten für Wohnen steigen vor allem in Städten. In der Inflationsmessung werden sie aber kaum berücksichtigt. Bundesbank-Präsident Weidmann will das ändern.
03.02.2020 Update: 03.02.2020 - 23:54 Uhr Kommentieren
Bundesbank: Weidmann fordert neuen Ansatz bei Inflationsmessung Quelle: Reuters
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann

„Inflation trifft die Schwächsten in der Gesellschaft besonders hart.“

(Foto: Reuters)

Eschborn Steigenden Wohnkosten sind ein Aufregerthema. Vor allem in großen Städten sind die Wohnungspreise und Mieten zuletzt deutlich gestiegen. Kritiker bemängeln, dass die Kosten für Wohnen nicht ausreichend in der Inflationsberechnung berücksichtigt werden. So fließen die Kosten für das Wohnen in der eigenen Immobilie nicht in den für die Europäische Zentralbank (EZB) maßgeblichen Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) ein.

Wenn es nach Bundesbank-Präsident Jens Weidmann geht, soll sich das bald ändern. Er führt das Fehlen des selbst genutzten Wohneigentums im Preisindex auf technische und methodische Gründe zurück. „Für mich wäre aber der eine oder andere Abstrich bei der Methodik hinnehmbar, wenn wir dafür der Lebenswirklichkeit der Menschen näherkämen,“ sagte er auf dem Jahresempfang der Deutschen Börse in Eschborn bei Frankfurt. „Dann können wir unserem Auftrag besser gerecht werden, Preisstabilität im Euroraum zu sichern.“

Aktuell überprüft die EZB ihre geldpolitische Strategie. Hierfür gab EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor kurzem den Startschuss. Dabei geht es zum Beispiel um das Inflationsziel der EZB und die Messung der Inflation.

Anders als in den USA berücksichtigen die Statistiker im Euroraum bei der Berechnung des für die Geldpolitik maßgeblichen Preisindex lediglich Mieten, nicht aber die Kosten für das Wohnen in der eigenen Immobilie. Zum Teil wird argumentiert, dass die Inflation durch die Einbeziehung der Kosten für das Wohnen in der eigenen Immobilie deutlich höher ausfallen würde und die EZB dann die Geldpolitik nicht so stark lockern müsste wie aktuell.

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    Weidmann verwies allerdings darauf, dass die Auswirkungen eines veränderten Maßstabs nicht besonders groß wären. Experten der EZB hätten berechnet, dass eine Einbeziehung in der Vergangenheit einen Effekt von maximal 0,2 Prozentpunkten auf die Inflation gehabt hätte. Entscheidendes Argument ist aus Sicht von Weidmann, dass viele Menschen in ihrer eigenen Wohnung leben und dies daher besser ihre Lebensrealität widerspiegelt.

    Weidmann gegen Anhebung des Inflationsziels

    Weidmann plädierte in seiner Rede auch gegen eine deutliche Anhebung des Inflationsziels. „Der Zugewinn an Handlungsfähigkeit könnte kleiner sein als erhofft“, sagte er. Bei einer kräftigen Zielanhebung könnten zudem die Inflationserwartungen aus dem Ruder laufen, warnte er. Auch habe eine höhere Inflation Kosten für die Menschen. „Und: Inflation trifft die Schwächsten in der Gesellschaft besonders hart“, sagte er. „Meines Erachtens sollten wir unser geldpolitisches Ziel so formulieren, dass es verständlich, vorwärtsgerichtet und realistisch ist.“

    Einige Währungshüter sind bereits mit Ideen vorgeprescht. Der Notenbank-Chef der Niederlande, Klaas Knot, und Estlands Notenbank-Gouverneur Madis Müller hatten sich für mehr Flexibilität beim Inflationsziel ausgesprochen. Aus Sicht des im Dezember aus dem Amt geschiedenen EZB-Direktors Benoit Coeure sollte die EZB mittelfristig zwei Prozent Teuerung anstreben und dies mit einem Toleranzband versehen. Aktuell strebt die europäische Notenbank eine Inflation von „unter, aber nahe zwei Prozent“ auf mittlere Sicht an. Diese verklausulierte Formulierung ist aber nicht leicht zu verstehen.

    Weidmann forderte, dass die Zieldefinition begreifbar und ihre Sinnhaftigkeit nachvollziehbar sein müsse. „‘Vorwärtsgerichtet’ heißt, dass wir Preisstabilität in der mittleren Frist, also mit Blick nach vorn, gewährleisten sollten.“ Und realistisch besage, dass die Formulierung bei den Menschen keine Illusionen wecken sollte. „Wir sollten dem Eindruck und dem Anspruch entgegenwirken, dass wir die Inflation auf die Nachkommastelle genau feinsteuern könnten. Denn das können wir nicht.“ Ähnlich hatte bereits Coeure argumentiert.

    Aus Sicht von Weidmann gilt das auch für den Zeithorizont „Wir sollten nicht aufs Quartal genau vorab festlegen, bis wann wir unser Ziel erreichen wollen.“ Es sei wichtig, flexibel zu bleiben. „Eine realistische und vorwärtsgerichtete Zieldefinition erlaubt der Geldpolitik zu warten, wenn es gute Gründe dafür gibt, und nicht hektisch auf jede Änderung im Datenkranz zu reagieren.“

    Bei der Veranstaltung gehörte auch die neue EZB-Chefin Lagarde zu den Gästen. Nach Weidmann sprach der Chef der Deutschen Börse, Theodor Weimer. Er kritisierte die Geldpolitik der EZB scharf. Die Sparer würden dadurch Milliardenbeträge verlieren und „die Banken leiden wie ein Hund.“ Weimer begrüßte, dass die EZB ihre Strategie auf den Prüfstand stellen will.

    Gleichzeitig kündigte Weimar an, dass auch die Deutsche Börse an einer neuen Strategie arbeitet. „Für uns, die Deutsche Börse, ist es wichtig, unseren eigenen Weg zu gehen“, sagte er. Wie dieser Weg für die nächsten drei Jahre aussehen soll, werde er den Investoren auf dem Kapitalmarkttag am 28. Mai präsentieren.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum sich die EZB ein Inflationsziel setzt.

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