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Geldpolitik Chinesische Zentralbank senkt überraschend Zinsen

Chinas Notenbank hat die geldpolitische Strategie gelockert. So will sie das durch schlechte Wirtschaftszahlen angeschlagene Anlegervertrauen stärken.
18.11.2019 - 10:41 Uhr Kommentieren
Die Notenbank lockert die Geldpolitik – wenn auch schwach. Quelle: dpa
Sitz der chinesischen Zentralbank

Die Notenbank lockert die Geldpolitik – wenn auch schwach.

(Foto: dpa)

Peking Die chinesische Zentralbank (PBOC) hat am Montag die Anleger überrascht und einen wichtigen Zinssatz herab gesetzt. Auf ihrer Webseite teilte die chinesische Zentralbank mit, dass sie die siebentägige Reverse-Repurchase-Rate von 2,55 Prozent auf 2,50 Prozent gesenkt habe.

Bei diesem Instrument handelt es sich um kurzfristige Kredite der PBOC an die Geschäftsbanken, der entsprechende Zinssatz wurde jetzt zum ersten Mal seit 2015 gesenkt. Zudem leiteten die Behörden rund 26 Milliarden Dollar ins Finanzsystem, um ein spürbares Liquiditätsproblem im Finanzsektor zu lindern.

Erst in der vergangenen Woche hatte die Zentralbank 29 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Zwei Wochen zuvor wurden die Kreditkosten für mittelfristigen Darlehen an Finanzinstitutionen (MLF) um 0,05 Prozentpunkte gesenkt.

Die PBOC arbeitet in der Geldpolitik mit einer ganzen Reihen verschiedener Instrumente. Als offizieller Leitzins gilt seit dem Sommer die Loan Prime Rate (LPR) über ein Jahr. Der Zinssatz für diesen Kredit liegt unverändert bei 4,2 Prozent. Chinesische Geschäftsbanken lehnen zum Teil ihre eigenen Konditionen, etwa für Immobiliendarlehen, an diesen Satz an.

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    Die Absenkung des Reverse-Repurchase-Zinssatzes weckt Spekulationen, LRP könnte auch in absehbarer Zeit gelockert werden. In der Hoffnung auf Rückenwind für die chinesische Wirtschaft decken sich Anleger mit asiatischen Aktienwerten ein.

    Commerzbank-Analyst Zhou Hao warnt allerdings davor, die Zinssenkung überzubewerten. Ziel sei es vielmehr, das Anlegervertrauen nach einer Reihe von schlechten Wirtschaftsdaten zu stärken. „Hier geht es mehr um eine psychologische Massage und darum, die Ertragskurve zu senken. Die tatsächlichen Auswirkungen auf den Markt sind begrenzt“, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg.

    Daten für die chinesische Wirtschaft im Oktober, die am Freitag veröffentlicht wurden, fielen nach Einschätzung der US-Bank J.P. Morgan „etwas enttäuschend“ aus. Während die Produktion solide lief, zeigte sich die Nachfrage der Verbraucher schwäche als erwartet.

    Die Anpassung des Zinssatzes, den die Banken für die Aufnahme von Krediten bei der Zentralbank zahlen, signalisiert eine Fortsetzung der verhaltenen Konjunkturpolitik, für die sich China entschieden hat – und das, obwohl es Anzeichen dafür gibt, dass das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr auf unter sechs Prozent sinken wird.

    Am Samstag hatte die chinesische Zentralbank in einem Quartalsbericht Wachstumsrisiken gewarnt, aber auch vor einer steigenden Inflation. Die Notenbank hatte darin auf den begrenzten Spielraum, den die Geldpolitik haben muss, verwiesen.

    Angesicht einer sich beschleunigenden Inflation und der Sorge über einen erneuten Schuldenaufbau hat die Zentralbank von aggressiveren Lockerungsmaßnahmen erst einmal abgesehen. Chinas politische Führung hat zudem wiederholt versprochen, bei der Geldpolitik ein „angemessenes“ Gleichgewicht zwischen Straffung und Lockerung zu finden.

    Der chinesische Anleihemarkt hat auf die Leizinssenkung reagiert. So sank die Rendite der zehnjährigen chinesischen Staatsanleihe um gut ein Prozent auf 3,23 Prozent.

    Mehr: Der Handelskonflikt mit den USA schwächt die chinesische Volkswirtschaft. Das Wachstum schwächelt. Die Ansteckungsgefahren für Deutschland sind enorm.

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