Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Geldpolitik Das Leitzins-Rätsel der EZB bleibt ungelöst

Bei einer EZB-Konferenz bleibt die entscheidende Frage nach der nächsten Zinserhöhung offen. Dafür gibt es eine Ladung Pessimismus von US-Ökonom Summers.
Update: 19.06.2018 - 11:22 Uhr 1 Kommentar
EZB: Das Leitzins-Rätsel bleibt ungelöst Quelle: dpa
EZB in Frankfurt

Wann erhöht die Europäische Zentralbank die Leitzinsen?

(Foto: dpa)

Sintra Was eigentlich heißt genau die Formulierung „through the summer“? Bei einer Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) in Sintra nahe Lissabon bleibt diese Frage offen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte in der vergangenen Woche angekündigt, mindestens bis dahin sollten die Leitzinsen in der Euro-Zone bei Null bleiben.

Aber bis wann genau? Offenbar war die Formulierung bewusst ungenau gewählt, um sich alle Optionen offen zu lassen.

Dies sei eine typisch amerikanische Formulierung, meinte ein Konferenzteilnehmer. Rein sprachlich sei damit eigentlich gemeint „bis Ende des Sommers“. Ein anderer fand, dann hätte es aber „throughout the summer“ heißen müssen. Offenbar hatte die EZB auch Mühe, diese Worte in andere Sprachen zu übersetzen. Klar ist nur so viel: Irgendwann im Sommer ist gemeint, eher gegen Ende, aber nicht unbedingt ganz am Ende.

Weil die EZB ansonsten relativ klar geäußert hat, was sie in der nächsten Zeit zu tun gedenkt, dürfte dieses Sommer-Rätsel noch eine Weile für Unterhaltung sorgen. Offenbar war in der EZB der eine oder andere überrascht, dass die Marktteilnehmer diese Formulierung sehr stark als Ausdruck einer weichen Geldpolitik auffassten – darauf deuteten die Reaktionen, etwa am Devisenmarkt, hin.

EZB-Präsident Mario Draghi sagte am Dienstag in Sintra zum Thema Zinserhöhung: „Wir werden geduldig bleiben, was die Bestimmung des Timings unserer ersten Zinserhöhung betrifft, und wir werden danach schrittweise vorgehen bei der Anpassung der Geldpolitik“.

Davon abgesehen wurde die Konferenz mit einer heftigen Ladung Pessimismus eingeleitet. Startgast Larry Summers, ein bekannter US-Ökonom, ließ es sich nicht nehmen zu sagen: „Es gibt Länder ohne Zentralbanken, aber nur eine Zentralbank ohne Land.“ Damit brachte er das bei angelsächsischen Ökonomen weit verbreitete Vorurteil zum Ausdruck, dass eine Währungsunion wie in Europa eigentlich gar nicht funktionieren könne.

Danach forderte er, die EZB solle ähnlich wie die US-Notenbank nicht nur die Preisstabilität anstreben, sondern auch nachhaltig niedrige Arbeitslosigkeit. Allein schon, um den grassierenden politischen Populismus nicht noch zu fördern.

Die massive Unterstützung der Konjunktur durch die Notenbanken verschleiere den realen Zinssatz der Wirtschaft, so der US-Ökonom. Quelle: Reuters
Larry Summers (Archivbild)

Die massive Unterstützung der Konjunktur durch die Notenbanken verschleiere den realen Zinssatz der Wirtschaft, so der US-Ökonom.

(Foto: Reuters)

Summers malte am Montagabend ein sehr pessimistisches Bild der Weltwirtschaft. Seiner Meinung nach ist das Wachstum der letzten Jahre auf eine sehr expansive Geldpolitik plus einer deutlich steigenden Staatsverschuldung zurückzuführen. Er hält es für grundsätzlich richtig, diese Mittel einzusetzen. „Kritiker dieser expansiven Politik müssten erst einmal erklären, woher sonst die Nachfrage kommen sollte“, sagte er.

Auf der anderen Seite glaubt er, dass diese massive Unterstützung der Konjunktur „verschleiert“ hat, dass der neutrale reale Zinssatz der Wirtschaft weltweit wahrscheinlich bei null Prozent oder noch darunter liege. Anders gesagt: Wenn die Notenbanken die Leitzinsen so erhöhen, dass sie abzüglich Inflation im positiven Bereich liegen, sind sie wahrscheinlich schon zu hoch.

Summers erläuterte zudem, dass zur Bekämpfung einer Rezession in der Vergangenheit in der Regel die Senkung der Leitzinsen um fünf Prozentpunkte angemessen gewesen sei, in Amerika ebenso wie in Europa. Und setzte hinzu: „Es ist nicht auszumachen, dass selbst in der Amtszeit von Mario Draghis Nachfolger jemals so viel Spielraum aufgebaut werden kann.“ Draghis achtjährige Zeit als EZB-Chef endet in gut einem Jahr, als ein Kandidat für die Nachfolge gilt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Summers Folgerung: „Die Welt ist sehr schlecht für die nächste Rezession gerüstet.“

Sparer hoffen auf Besserung – EZB wagt Kurswende

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Geldpolitik - Das Leitzins-Rätsel der EZB bleibt ungelöst

1 Kommentar zu "Geldpolitik: Das Leitzins-Rätsel der EZB bleibt ungelöst"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das war nichts anderes als typische "Forward Guidance" zwecks Beruhigung der Bondmärkte. Die haben es nämlich auch als Bluff interpretiert. Sonst wären nämlich insbesondere die Kurse der PIGS-Bonds bereits gekracht.
    Es ist nämlich absolut irrsinnig, dass z.B. ein Euro-Staat wie Spanien nur ca. 1,2% Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen bezahlen muss, eine Mega-Volkswirtschaft wie die USA, die zudem nun auch noch die eigene Exportindustrie stärken will, dagegen ca. 2,9%. Würde der GEWOHNHEITSDRUCKER Draghi tatsächlich eine Entziehungskur machen, und die EZB würde auch noch die Leitzinsen erhöhen, d.h. der Markt statt die sozialistischen Makroklempner würden den Zinssatz für die zehnjärige spanische Staatsanleihe festlegen, dann würde der grob geschätzt vermutlich so um die 7 bis 8% p.a. liegen. Ähnliches würde natürlich auch für Italien und Portugal gelten. Das hieße dann übersetzt: Bondcrash der Superlative.
    Aber wie bereits geschrieben: die Zentralbanken können nun nicht mehr gleichzeitig die Anleihen- UND die Aktienkurse stützen. Deflationieren sie und versenken die Aktienkurse, um die Anleihen zu stützen, dann versenken sie u.a. eben auch die Aktien der Systembanken mit. Die Zentralplaner haben also bald fertig - wobei "bald" natürlich relativ ist....

Serviceangebote