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Geldpolitik Deutsche Inflation nimmt Druck von EZB

Am Donnerstag hat die EZB die Wende zu einer Normalisierung der Geldpolitik eingeleitet. Doch die aktuellen Inflationszahlen zeigen: Die Arbeit für Notenbankchef Mario Draghi und seine Kollegen bleibt schwierig.
28.09.2017 Update: 30.10.2017 - 15:12 Uhr 2 Kommentare
Noch haben der EZB-Präsident und seine Kollegen das eigene Inflationsziel nicht erreicht. Quelle: dpa
Mario Draghi

Noch haben der EZB-Präsident und seine Kollegen das eigene Inflationsziel nicht erreicht.

(Foto: dpa)

Frankfurt Am vergangenen Donnerstag hat Mario Draghi einen lang ersehnten Schritt getan. Auf der Ratssitzung beschlossen der Chef der Europäischen Zentralbank und seine Kollegen die Anleihekäufe der Notenbank ab Anfang 2018 auf 30 Milliarden Euro pro Monat für zunächst neun Monate zu halbieren. Damit ist ein Ende der extrem expansiven Geldpolitik absehbar. Allerdings gibt es vor allem in Deutschland viele Kritiker, die sich ein schnelleres Vorgehen gewünscht hätten.

Das wichtigste Ziel der ultralockeren Geldpolitik ist allerdings noch nicht erreicht. Die EZB strebt eine Inflationsrate von nahe zwei Prozent für den Euro-Raum an. Dieses Ziel ist jedoch nicht erreicht, darauf deuten zumindest die am heutigen Montag veröffentlichten Inflationszahlen für das wirtschaftlich größte Euro-Land Deutschland hin. Die Verbraucherpreise im Oktober lagen demnach um 1,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Montag anhand vorläufiger Berechnungen mitteilte.

Wo Verbraucher aktuell sparen können
Heizöl
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Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im August 2017 um 1,8 Prozent höher als im August 2016. Damit zog die Inflationsrate den dritten Monat in Folge leicht an. Im Vergleich zum Juli 2017 stieg der Verbraucherpreisindex im August um 0,1 Prozent an. Ein wesentlicher Grund für den erneuten Anstieg der Inflationsrate ist die Entwicklung der Energiepreise. So ist im Vergleich zum Vorjahr besonders leichtes Heizöl teurer geworden – um 10,4 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat haben sich die Preise um 1,9 Prozent. Hingegen verbilligte sich Gas im Vorjahresvergleich um 2,9 Prozent.

Quelle: Statistisches Bundesamt

(Foto: dpa)
Kraftstoffe
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Doch nicht nur Heizöl ist im Vergleich zum Vormonat teurer geworden – Kraftstoffe ebenso. Hier zogen die Preise um insgesamt 0,9 Prozent an (darunter Superbenzin: plus 0,7 Prozent; Dieselkraftstoff: plus 1,3 Prozent). Seit August 2016 haben sich die Kraftstoffpreise sogar um insgesamt 3,9 Prozent erhöht.

(Foto: dpa)
Bekleidung und Schuhe
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Bekleidung und Schuhe sind im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls teurer geworden. Im August 2017 zahlten Verbraucher fürs Outfit 2,7 Prozent mehr. Drastischer fällt die Preissteigerung im Vergleich zum Juli aus: Binnen eines Monats haben sich die Preise um 2,5 Prozent erhöht.

(Foto: dpa)
Pauschalreisen
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Um 1,3 Prozent günstiger geworden sind Pauschalreisen – zumindest im Vergleich zum Vormonat. Kein Wunder: Die Urlaubssaison neigt sich gen Ende. Im Vorjahresvergleich haben Pauschalreisen sich dagegen verteuert – um 2,5 Prozent.

(Foto: dpa)
Nahrungsmittel
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Bei Nahrungsmitteln fiel der Preisaufschlag mit drei Prozent besonders deutlich aus.

(Foto: dpa)
Gemüse
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Der leichte Rückgang der Nahrungsmittelpreise im Vormonatsvergleich lässt sich durch die Preisentwicklung des Gemüses erklären. Es wurde mit einem Minus von 2,2 Prozent deutlich günstiger. Im Vergleich zum August 2016 gingen die Preise sogar um 4,5 Prozent zurück. Ohne Berücksichtigung der Preise für Energie und Nahrungsmittel hätte die Inflationsrate im August 2017 bei 1,6 Prozent gelegen. 

(Foto: Jens Büdpa)
Speiseöle und -Fette
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Teurer als ein Jahr zuvor waren im August 2017 hingegen vor allem Speiseöle und -fette. Hier zogen die Preise um 28,1 Prozent an. Im Vergleich zum Vormonat verteuerten sich Speiseöle und -fette um 2,0 Prozent.

(Foto: dpa)

„Strukturelle Faktoren sorgen dafür, dass die Inflation in Deutschland in diesem Jahr und darüber hinaus deutlich unter zwei Prozent bleibt“, sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba. Als Beispiel nennt er den zunehmenden Wettbewerb im Dienstleistungssektor im Zuge der Digitalisierung und die geringe Lohndynamik durch Globalisierung und technischen Fortschritt. Da der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland weiter fortgeschritten ist als in den meisten anderen Euro-Ländern, spricht dies dafür, dass die Preisdynamik im gesamten Währungsraum schwach bleibt.

Kurzfristig lag der Hauptgrund für die niedrigere Inflation darin, dass sich vor allem der Anstieg der Energiepreise deutlich abschwächte. Das drückte die Inflation insgesamt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren im Oktober Haushaltsenergie und Kraftstoffe zwar um 1,2 Prozent teurer, im September hatte das Plus bei diesem wichtigen Posten aber noch 2,7 Prozent betragen. Für Nahrungsmittel indes mussten Verbraucher im Oktober 4,3 Prozent mehr zahlen als vor Jahresfrist, im September waren es noch 3,6 Prozent.

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    Die schwache Preisentwicklung dürfte im EZB-Rat denjenigen Argumente liefern, die für einen langsamen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik eintreten, wie etwa der belgische Notenbankchef und EZB-Rat Jan Smets. Dieser hatte im Interview mit dem Handelsblatt vor den Folgen einer dauerhaft niedrigen Inflation gewarnt. Es wär gefährlich, wenn sich „die Menschen an eine schwächere Preisentwicklung gewöhnt haben und zum Beispiel geringere Lohnerhöhungen fordern“, sagte er. Notenbanken könnten dann auf Schocks schwerer reagieren. „Deshalb dürfen wir uns nicht damit zufrieden geben, wenn die Inflation unter unserem Ziel von nahe zwei Prozent bleibt.“

    Smets verteidigte aus diesem Grund die Entscheidung der EZB vom vergangenen Donnerstag, kein festes Enddatum für Anleihekäufe zu setzen. Entscheidend hierfür sei die Frage, „ob es eine nachhaltige Anpassung der Inflation im Euroraum an unser Ziel der Preisstabilität gibt.“ Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte dagegen ein festes Enddatum gefordert.

    Smets verwies darauf, dass die Realwirtschaft nicht zuletzt dank der Geldpolitik deutlich besser laufe. Auf der anderen Seite sei man zu der Bewertung gekommen, „dass eine nachhaltige Anpassung der Inflation an unser Ziel der Preisstabilität nach wie vor von einem starken geldpolitischen Stimulus abhängt“.

    • jam
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    2 Kommentare zu "Geldpolitik: Deutsche Inflation nimmt Druck von EZB"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Das wichtigste Ziel der ultralockeren Geldpolitik ist allerdings noch nicht erreicht. Die EZB strebt eine Inflationsrate von nahe zwei Prozent für den Euro-Raum an."

      Die Begründung ist vorgeschoben, denn

      a) ist der Zusammenhang zwischen Brotpreisinfaltion und Gelddruckerei kein linearer. Insofern kann Draghi soviel heizen wie er will, wenn die Wärme in den falschen Raum zieht.

      b) der falsche Raum sind die Assetpreise. Hier haben wir bereits massive Infaltion. Derzeit muss ich in Berlin für dieselben qm an Immobilie mindestens das doppelte hinlegen, wie vor 5 Jahren. Faktisch wurde ich also schon zu 50% enteignet.

      c) Ist es an sich willkürlich und absurd aus dem Mandat einer Preisstabilität an eine Preisteigerung festzumachen

      d) schaffen die ganzen Blasen, die er mit seinem ungedeckten und in diesem Sinne Falschgeld erzeugt, zum Teil den Deflationsdruck, den er angeblich bekämpft.

      Ein Trauerspiel, dass seriöse Wirtschaftspresse, die Sprachbausteine der EZB 1:1 weiter in das Volk ventiliert.

    • Die EZB hat keine Wende zur Normalisierung der Geldpolitik eingeleitet. Erstens handelt es sich bei den Anleihkäufen nicht um Geldpolitik sondern um Staatsfinanzierung und zweitens wird immer noch mehr Geld in die Märkte gepumpt, als der jährliche Haushalt der Bundesrepublik Deutschland ausmacht. Eine Wende wäre gewesen, wenn die EZB den Ausstieg beschlossen hätte und diesen zeitlich festgelegt hätte. Aber Draghi denkt ja gar nicht daran. Vermutlich hat er die Höhe der Ankäufe nur reduziert, weil er keine Anleihen mehr findet. Die von ihm genannten Ziele kann er mit dem Ankaufsprogramm jedenfalls nicht erreichen.

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