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Geldpolitik Die EZB-Ratssitzung wird heute einen Schritt wagen müssen

Langfristkredite für Banken, Ausblicke auf Inflations- und Wachstumszahlen und der Zins: Bei zwei dieser drei Themen wird die EZB heute wohl konkreter werden.
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EZB-Ausblick: Auf welche Punkte es bei der EZB-Sitzung ankommt Quelle: Reuters
Mario Draghi vor der Sitzung

Langfristkredite werden eines der wichtigsten Themen sein.

(Foto: Reuters)

FrankfurtAn den Märkten sind die Erwartungen groß, geweckt von führenden Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) schon im Vorfeld der Ratssitzung an diesem Donnerstag. Sowohl Chefvolkswirt Peter Praet als auch sein Direktoriumskollege Benoît Coeuré haben deutliche Signale gegeben, dass der Rat sich bald mit weiteren Langfristkrediten für die Banken beschäftigen könnte.

Beide Notenbanker haben auch Sorgen über die aktuelle Konjunktur im Euro-Raum geäußert. „Länger und tiefgreifender als bisher erwartet“ sei die Abschwächung der Wirtschaft, sagte Coeuré. Und das hat in der Regel auch Folgen für die Geldpolitik. Der Rat dürfte daher intensiv über neue Langfristkredite für die Banken im Euro-Raum diskutieren. Doch das ist längst nicht das einzige wichtige Thema bei der Ratssitzung. Auf drei Themen kommt es besonders an.

1. Langfristkredite

Da wären eben die Langfristkredite: Es wird erwartet, dass die EZB zumindest ein klares Signal gibt, dass sie das Thema überhaupt anpackt und einen Plan hat. Chefvolkswirt Praet hatte jüngst gesagt, dass Klarheit für den Bankensektor wichtig sei, aber es noch dauern könne, bis die genauen Parameter feststünden.

„Ich denke, es wird einen Hinweis geben, um negative Marktreaktionen zu vermeiden“, sagt Frederik Ducrozet, Stratege bei Pictet und Mitglied im EZB-Schattenrat, in dem 15 Topökonomen auf Einladung des Handelsblatts regelmäßig über die Politik der Notenbank debattieren. Katharina Utermöhl, Europa-Volkswirtin der Allianz und ebenfalls Mitglied im Schattenrat, glaubt, dass der EZB-Rat im März ein Zwischenfazit zu Langfristkrediten zieht und die im April verkündet.

Die entscheidende Frage bei der Ausgestaltung der Langfristkredite ist, welches Ziel der Rat mit dem Instrument verfolgt. Ein Aspekt ist, dass im Jahr 2020 bestehende Langfristkredite für Banken, die TLTROs, auslaufen.

Die Kredite werden von der Bankenaufsicht nur dann als langfristige Finanzierungen gewertet, wenn sie noch mindestens ein Jahr laufen. Daher werden ab Mitte 2019 nach der Maßgabe der Finanzaufsicht viele Banken plötzlich weniger stabile Finanzierungen zur Verfügung haben. An den Märkten wird das Klippeneffekt genannt. .

Mit einem neuen Langfristkredit könnte die EZB die Lücke, die sich wegen der auslaufenden Finanzierungen auftut, verringern. Der geldpolitische Zweck wäre, eine unerwünschte Straffung der Finanzierungsbedingungen zu vermeiden. Die EZB könnte jedoch auch versuchen, durch Langfristkredite einen stärkeren wirtschaftlichen Impuls zu geben.

Wichtig im Hinblick auf die Wirkung der Kredite sind vor allem die Konditionen, mit denen sie verbunden sind. Andrew Bosomworth von Pimco, ebenfalls Mitglied des Schattenrats, spricht sich dafür aus, die Zinsen variabel zu gestalten und die Laufzeit auf 18 bis 24 Monate zu verkürzen.

2. Zinsausblick

Neben Andeutungen zu den Langfristkrediten warten Investoren auch auf Signale zur „Forward Guidance“ der EZB, also ihrer Orientierung über die künftige Zinspolitik. Derzeit lautet die offizielle Sprachregelung der Notenbank, dass die Zinsen im Euro-Raum mindestens über den Sommer dieses Jahres hinaus auf ihrem bisherigen Niveau von minus 0,4 Prozent für den Einlagenzins und null Prozent für den Leitzins bleiben. Die Märkte aber rechnen inzwischen erst Ende 2020 mit einer ersten Zinserhöhung.

Aus Sicht von Elga Bartsch, leitende Ökonomin von Blackrock, sollte die EZB angesichts der schwachen Konjunktur und Inflation bereits auf ihrer Sitzung am Donnerstag den Ausblick anpassen und eine Zinserhöhung erst für Mitte 2020 in Aussicht stellen. Andere Experten sind vorsichtiger. Sie verweisen auf die hohe wirtschaftliche Unsicherheit. Daher sei es für die Notenbank derzeit noch zu früh, sich stärker festzulegen.

3. Prognosen

Mit Spannung warten Investoren außerdem auf die neuen Projektionen der EZB zur Wachstums- und Inflationsentwicklung im Euro-Raum. Experten erwarten, dass sie deutlich schwächer ausfallen als noch im Dezember. Die Ökonomen aus dem Schattenrat erwarten für 2019 nur noch ein Wachstum von 1,3 Prozent – wohingegen die EZB im Dezember noch von 1,7 Prozent ausgegangen ist.

Auch für die 2020 und 2021 liegen die Prognosen des Schattenrats deutlich unter den EZB-Prognosen. Das Gleiche gilt für die Inflation, bei der der Schattenrat für 2019 einen Wert von 1,4 Prozent erwartet und die EZB-Prognose im Dezember noch bei 1,6 Prozent lag.

Für die Geldpolitik entscheidend wird aus Sicht vieler Volkswirte sein, ob es sich bei der momentanen Wachstumsschwäche nur um eine temporäre Delle handelt oder um eine anhaltende Abkühlung der Konjunktur, die auch die mittelfristigen Inflationsaussichten dämpfen würde.

Das dürfte ein zentrales Thema bei der Pressekonferenz mit EZB-Chef Mario Draghi sein. „Der Notenbankchef muss sich sicherlich kritischen Fragen stellen, inwieweit der EZB in Anbetracht eines nach unten revidierten Konjunkturausblicks überhaupt noch eine Normalisierung der Geldpolitik gelingen kann“, sagt Christian Reicherter, Zinsexperte der DZ-Bank.

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