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Geldpolitik Die EZB sucht einen krisenfesten Nachfolger für Mario Draghi

Die Spekulationen zur Nachfolge von EZB-Chef Mario Draghi überschlagen sich. Dabei spielt nicht nur der ökonomische Sachverstand eine Rolle.
4 Kommentare
EZB sucht einen krisenfesten Nachfolger für Mario Draghi Quelle: AP
Christine Lagarde und Mario Draghi

Die IWF-Chefin gilt als eine mögliche Nachfolgerin für den EZB-Chef.

(Foto: AP)

Frankfurt Zum letzten Mal leitet Mario Draghi die traditionelle Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra. Mit seiner Rede, in der er eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht stellte, bewegte er am Dienstag die Märkte. Immer mehr Kapriolen schlagen auch die Spekulationen über seinen möglichen Nachfolger. Denn gegen Ende der Woche verhandeln die leitenden Politiker der Europäischen Union (EU) über die Besetzung mehrerer wichtiger Positionen, darunter auch die des EU-Präsidenten.

Dabei könnten Vorentscheidungen getroffen werden, die Rückschlüsse auf Draghis Nachfolge zulassen. Denn diese Position ist Teil eines großen Postengeschachers, bei dem es mindestens ebenso sehr um nationale Interessen wie um persönliche Kompetenzen geht.

Im Spiel sind dabei eine ganze Reihe von Namen. Der „Economist“ gab eine Empfehlung für Erkki Liikanen ab. Der ehemalige Chef der finnischen Notenbank gilt als sehr kompetent und ist politisch auch für Anhänger einer großzügigeren Geldpolitik annehmbar. Auf der anderen Seite steht Finnland für Stabilität, was in den nördlichen Ländern einschließlich Deutschland auf Wohlwollen stößt. Manchmal wird auch der – konservativere – heutige Notenbankchef Olli Rehn als Kandidat genannt.

Die Frage ist in beiden Fällen, ob die entscheidenden Politiker einen EZB-Chef aus einem kleineren Land wollen. In Krisensituationen kann es sehr hilfreich sein, wenn der Notenbankchef die Rückendeckung der Regierung eines großen Landes hat.

Das gilt als ein Pluspunkt von Bundesbank-Chef Jens Weidmann, der einer der heißen Anwärter auf Draghis Nachfolge ist. Zudem hat er einen Ruf als ausgezeichneter Ökonom. Von ihm erwarten die Märkte und Ökonomen aber ein klares Bekenntnis dazu, in Krisensituationen entschlossen zu handeln.

Was Weidmann zum unsicheren Kandidaten macht

Weil Weidmann sich öffentlich gegen das sogenannte OMT-Programm ausgesprochen hat, das 2012 ins Leben gerufen wurde und für den Notfall Ankäufe von Staatsanleihen vorsieht, gilt er in dem Punkt als unsicherer Kandidat.

Zum Teil ist das auch innerhalb von Deutschland so: Die bekannte Wirtschaftsweise Isabel Schnabel hat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg ein klares Bekenntnis gefordert, OMT im Zweifel auch einzusetzen; bisher war das übrigens noch nie nötig. Falls Weidmann im Personalgeschacher ausscheidet, macht sich der niederländische Notenbankchef Klaas Knot Hoffnungen, mit deutschem Rückenwind zum Erfolg zu kommen.

Die Liste der möglichen Anwärter ist lang. Auch der Chef der Banque de France, François Villeroy de Galhau, ist ein wichtiger Aspirant. Er gilt als überzeugter Europäer, ist aber in den Augen mancher Ökonomen eher ein Politiker als ein Ökonom. Allseits geschätzt ist sein Landsmann Benoît Georges Cœuré, der aber aus rechtlichen Gründen wenig Chancen hat, weil seine Amtszeit als EZB-Direktor abläuft und ein erneutes Amt im EZB-Spitzengremium nicht vorgesehen ist.

Je länger die Ungewissheit, desto mehr Namen kommen ins Spiel. Zuletzt wurde auch der Franzose Olivier Blanchard genannt. Der Ex-Chefvolkswirt beim Internationalen Währungsfonds (IWF) ist international, auch in den USA, sehr bekannt. Ob sich europäische Politiker für ihn erwärmen, ist nicht abzusehen.

Hin und wieder gilt auch die IWF-Chefin Christine Lagarde als mögliche Nachfolgerin. Sie hatte bei der IWF-Tagung 2008, damals als französische Finanzministerin, in der Finanzkrise mit einem starken Auftritt die blanken Nerven der angereisten Banker beruhigt. Da sie politisch versiert und gut vernetzt ist, wäre sie sicherlich eine gute Chefin, wenn es brennt.

Mehr: Auf der EZB-Konferenz in Sintra spricht Notenbankchef Draghi über eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Lesen Sie hier, warum das bei US Präsident Donald Trump gar nicht gut ankommt.

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4 Kommentare zu "Geldpolitik: Die EZB sucht einen krisenfesten Nachfolger für Mario Draghi"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Tja was D. Trump mit der Ernennung des EZB-Chefs zu tun haben soll erschließt sich nur Kleingeistern.
    Aber zu Frau Lagarde: In der Affäre um eine Millionen-Zahlung (400 Mio Euro) an den Unternehmer Bernard Tapie ist IWF-Chefin Christine Lagarde von einem französischen Gericht schuldig gesprochen worden.
    Eine Strafe wurde auf politischen Druck nicht ausgesprochen, damit sie den IWF-Chef-Posten annehmen konnte, was sonst nicht möglich gewesen wäre. Ja das sind unsere so tugendhaften, korrekten politischen "Eliten" denen wir vertrauensfoll die EZB anvertrauen können. Da passt doch eher der Metzgershund auf die Wurst auf, also wie bereits gesagt: Der größte Gauner wird Chef, damit er die anderen Gauner in Schach hält.

  • @ Helmut da Silva
    "Diese EU ist noch korrupter als die FIFA und glänzt nur durch Postengeschachere."

    Vor der eigenen Türe liegt der größte Haufen Mist, aber besserwisserisch und oberleherhaft sind - natürlich - mal wieder nur die anderern böse:
    https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-ohne-skrupel-und-tabus-trumps-staerkste-waffe-ist-sein-charakter-/24471696.html

  • Frau Lagarde als Kandidatin auf den EZB-Chefsessel das schlägt dem Fass den Boden aus.
    Frau Lagarde, die heutige IWF-Chefin, sagte ungeniert: „Wir mussten die Verträge brechen, um den Euro retten zu können.“
    Eine Rechtsbrecherin zur EZB-Chefin. Jetzt verstehe ich das System, der größte Gauner wird Chef, damit er die anderen Gauner in Schach hält.
    Diese EU ist noch korrupter als die FIFA und glänzt nur durch Postengeschachere.

  • Warum nicht Herr Weidmann? - Ich denke: in schwierigen Situationen wird er auf jeden Fall das Richtige tun, ohne zu große Risiken für den Euro zuzulassen. - Das halte ich für wichtiger, als wenn Herr Weber Nachfolger von Herrn Juncker wird. Frau Lagarde sollte es nicht werden, da sie als Französische Politikern schon nicht immer seriös wirkte.

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