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Geldpolitik Die EZB will höhere Inflation geduldig beobachten

In Kürze wird die Notenbank ihre neue Strategie veröffentlichen. Eine Rede von EZB-Direktorin Isabel Schnabel zeigt, wohin die Reise gehen dürfte.
06.07.2021 - 16:21 Uhr 1 Kommentar
Die EZB hat kürzlich ihre Inflationsprognose für das neue Jahr auf 3,2 Prozent angehoben. Quelle: Reuters
Isabel Schnabel

Die EZB hat kürzlich ihre Inflationsprognose für das neue Jahr auf 3,2 Prozent angehoben.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre mit Spannung erwarteten Beschlüsse zur neuen geldpolitischen Strategie voraussichtlich schon in dieser Woche veröffentlichenfrüher als geplant.

Ein Kernthema wird die überarbeitete Definition des Inflationsziels sein. Als so gut wie sicher gilt, dass die Formulierung „unter, aber nahe an zwei Prozent“ durch ein präzises „zwei Prozent“ ersetzt wird; bis 2003 hieß es einfach „unter zwei Prozent“.

Schwieriger ist die Frage, wie viel Geduld die EZB bei einer Abweichung der tatsächlichen Inflation vom Ziel zeigen will. In den Jahren seit der Finanzkrise lag die Inflationsrate meist deutlich unter dem Idealwert, zurzeit liegt sie mit 2,3 Prozent knapp darüber. Gerade in Deutschland dürfte aber auf großes Interesse stoßen, wie lange eine zu hohe Inflation toleriert wird.

Die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat sich dazu vor Kurzem in einer Rede geäußert und einen deutlichen Hinweis gegeben, wo die Kompromisslinie verlaufen könnte. Sie führte zunächst aus, dass die Inflationsprognosen jahrelang zu niedrig lagen.

Daraus zog sie den Schluss: Es sollte eine höhere Dynamik in den Preissteigerungen schon sehr deutlich sichtbar werden, bevor sich die EZB zum Handeln veranlasst sieht sie forderte also Geduld.

Der entscheidende Satz lautete dann: „Diese Geduld könnte dazu führen, dass die Inflation im Ergebnis für eine gewisse Zeit oberhalb unseres Ziels liegt.“ Danach betonte Schnabel noch einmal, diese Zurückhaltung sei erforderlich, um aus der langen Phase einer eher zu niedrigen Inflation herauszukommen.

EZB-Strategie nahe am Fed-Konzept

Hier deutet sich ein Kompromiss zwischen zwei möglichen Standpunkten an. Die „Falken“, also die Verfechter einer straffen Geldpolitik mit recht engem Fokus auf die Stabilität der Währung – zu ihnen wird auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gezählt –, drängen im Zweifel eher dazu, höhere Inflation zeitig genug zu bekämpfen.

Die „Tauben“ hingegen, die für eine lockere und weiter gefasste geldpolitische Strategie stehen, würden eher abwarten und haben eine gewisse Sympathie für die Idee, dass auf eine lange Zeit mit zu niedriger Inflation eine entsprechende Phase mit zu hoher Inflation folgen sollte. Letzterem Konzept, das auch mit dem Ziel einer „durchschnittlichen Inflation“ umschrieben wird, sieht sich die US-Notenbank (Fed) verpflichtet.

Für die EZB gilt als wahrscheinlich, dass sie sich nicht explizit der Fed anschließt, sondern „auf mittlere Frist“ die Inflation immer wieder zur Zielmarke führen will. Dabei bleibt offen, wie lange diese mittlere Frist dauern darf.

Schnabels Kommentar lässt anklingen, dass die lange Zeit zu niedrige Inflation zu mehr Geduld bei höherer Inflation führen könnte: Das bleibt hinter dem US-Konzept zurück, nähert sich ihm aber ein Stück weit an.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte die Strategieüberprüfung schon kurz nach ihrem Amtsantritt im Herbst 2019 angekündigt.

Ein weiteres wichtiges Thema ist der Versuch, auch die Wohnkosten von Hauseigentümern in die Inflationsberechnung einzubeziehen. Bislang fließen in die offizielle Messung der Verbraucherpreise durch die Statistikbehörde Eurostat nur die Wohnungsmieten ein. Eine Ausweitung ist mit einigen methodischen Problemen behaftet , zudem ist die Notenbank auf die Zusammenarbeit mit der Statistikbehörde Eurostat angewiesen.

Mehr: Warum die Wohnkosten einbezogen werden sollten und wo die Probleme liegen

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1 Kommentar zu "Geldpolitik: Die EZB will höhere Inflation geduldig beobachten"

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  • Klar, wer freut sich denn nicht, wenn alles teurer wird?

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