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Geldpolitik Die Rede von Fed-Chef Powell birgt Überraschungspotenzial

Der Chef der US-Notenbank redet am Donnerstag auf dem virtuellen Jackson-Hole-Symposium. Dabei könnte er Hinweise auf ihren künftigen Kurs geben.
27.08.2020 - 03:46 Uhr Kommentieren
Fed-Chef Jerome Powell spricht über die Strategie der US-Notenbank  Quelle: Reuters
Jerome Powell

Die Märkte warten gespannt auf die Rede des Notenbankers am Donnerstag.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Wenn sich die wichtigsten Notenbanker der Welt treffen, ist für Anleger stets Vorsicht geboten. In dieser Zeit kommt es oft zu größeren Ausschlägen an den Märkten. Im vergangenen Jahr war das zum Beispiel während der Notenbank-Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra der Fall. Auch während der jährlichen Konferenz der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in Jackson Hole sind starke Ausschläge nicht unüblich.

Investoren werden daher sehr genau zuhören, wenn Jerome Powell am Donnerstag auf der Konferenz spricht – dieses Jahr allerdings online. Der Fed-Chef wird sich in einer Rede zu der seit November 2018 laufenden Strategieüberprüfung der Fed äußern, die bald abgeschlossen werden soll.

Dabei geht es um die Ziele, Instrumente und die Kommunikation der Fed auf längere Sicht. Wegen ihrer Schlüsselstellung für das globale Finanzsystem hat die künftige Strategie der Fed Folgen für die ganze Welt. Offen ist zum Beispiel, welches Inflationsziel die Fed künftig anstrebt.

„Die Botschaft von Powell muss sein, dass die Gefahr einer geringen Inflation noch immer bedeutsamer ist als die Gefahr einer steigenden Teuerung“, sagt Jack McIntyre, Portfoliomanager der US-Investmentfirma Brandywine Global. Sonst sieht er die Gefahr, dass die Märkte einen Großteil der geldpolitischen Euphorie wieder auspreisen, die sie in den vergangenen Monaten gestützt hat.

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    Auch der Ökonom der US-Großbank Citi, Ebrahim Rahbari, hält die Powell-Rede für „sehr sehenswert“. Aus seiner Sicht kommt es vor allem darauf an, was der Fed-Chef sagen könnte, nicht, was er wahrscheinlich sagen wird.

    Das wichtigste Thema bei der künftigen Strategie ist das Inflationsziel der Fed. Bislang strebt sie eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Dieses Ziel hat sie in den vergangenen Jahren jedoch häufig verfehlt. Daher haben viele hochrangige Notenbankvertreter Sympathie für ein durchschnittliches Inflationsziel geäußert.

    Viele Details sind ungewiss

    Dabei würde sie nicht mehr einen Punktwert anstreben. Grob gesprochen hieße das: Wenn die Inflation in einem Jahr unter dem Ziel der Fed bleibt, würde sie später ein höheres Preisniveau anstreben, bis die Verfehlungen aus der Vergangenheit wieder aufgeholt sind.

    Die ökonomische Folge wäre, dass die Zinsen in den USA tendenziell länger niedrig bleiben. Viele Experten rechnen mit einer solchen Strategie, aber viele Details sind ungewiss. Zum Beispiel die Frage, welches Inflationsniveau die Fed für die nächsten Jahre anstrebt und toleriert. Wichtig ist außerdem, auf welche Instrumente sie zur Umsetzung ihrer Geldpolitik zurückgreift.

    Ein umstrittenes Mittel ist zum Beispiel die sogenannte Kontrolle der Zinskurve, wie sie die japanische Notenbank seit Längerem praktiziert. Damit ist eine neue Form der Zinspolitik gemeint, bei der die Notenbank nicht nur die sehr kurzfristigen Leitzinsen festsetzt. Stattdessen wird die gesamte Zinskurve, also das Niveau der Renditen von Staatsanleihen über alle Laufzeiten hinweg, in einem engen Korridor gehalten. Citi-Ökonom Rahbari erwartet, dass die Fed dies als Teil ihres Instrumentariums benennen wird.

    Ein weiteres aktuelles Thema ist die Forward Guidance der Fed, also die Orientierung über ihre künftige Geldpolitik. Die Notenbank diskutiert seit Längerem, ob sie den Märkten noch klarer kommunizieren soll, unter welchen Kriterien sie ihre aktuellen Anleihekäufe beenden und die Zinsen anheben würde. Auch hierzu soll es bald eine Entscheidung geben. Da die Fed im September tagt, ist aber offen, wie detailliert sich Powell dazu schon im Vorfeld in seiner Konferenzrede äußert.

    Stützt Powell den Dollar?

    „Wir erwarten, dass sich Powell zur Strategieüberprüfung und ihren Auswirkungen auf das Mandat, die Instrumente und die Kommunikation äußert“, sagt Rahbari. Er erwartet außerdem, dass der Fed-Chef die Vorzüge bestehender Elemente bestätigt, wie zum Beispiel der groß angelegten Wertpapierkäufe. „Zudem glauben wir, dass Powell seine jüngsten Aussagen wiederholen könnte, dass einige Überlegungen, die Teil der Überprüfung sind, schon die aktuelle Geldpolitik beeinflusst haben.“

    Angesichts der vielen offenen Fragen über den weiteren geldpolitischen Kurs der Fed, gibt es für Powell in seiner Konferenzrede viel Potenzial, um die Märkte zu überraschen. Relevant könnte das zum Beispiel für den Dollar-Kurs sein. Er hat in den vergangenen Wochen gegenüber dem Euro stark abgewertet. Gibt Powell Signale für eine weitere Lockerung des geldpolitischen Kurses, könnte der Euro-Kurs bald über die Marke von 1,20 US-Dollar steigen – deutet er hingegen eher einen strafferen Kurs an, dürfte das den Dollar stützen.

    Neben Powell werden auf der Konferenz auch der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Philip Lane, und der neue Gouverneur der Bank von England, Andrew Bailey, sprechen. Lane wird einen Ausblick auf die Geldpolitik der EZB geben – Bailey könnte sich über mögliche Minuszinsen in Großbritannien äußern.

    Mehr: Der starke Euro wird zum Problem

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