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Geldpolitik Entsetzen bei deutschen Banken über EZB: Die Erträge schwinden dahin

Die Profitabilität vieler deutscher Institute lässt zu Wünschen übrig. Dazu schmälern noch die sinkenden Notenbankzinsen die Einnahmen der Banken.
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Die Zinspolitik der EZB belastet die Ertragslage der Banken. Quelle: dpa
Banken in Deutschland

Die Zinspolitik der EZB belastet die Ertragslage der Banken.

(Foto: dpa)

Frankfurt Ein Verlierer der sinkenden Notenbankzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB): die deutschen Banken. „Die Aussagen des EZB-Präsidenten haben uns erschreckt“, sagte Hans-Walter Peters, Präsident des Verbandes der privaten Banken (BdB). Und Marja Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, befürchtet eine „spürbare Belastung der Ertragslage der Banken“. Der Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, warnt bereits, dass im Falle weiterer Zinssenkungen mehr Banken vom Markt verschwinden oder fusionieren.

Die Geldpolitik der EZB ist gerade für deutsche Institute ein Problem. Die Profitabilität vieler Institute lässt mehr als zu wünschen übrig. Die Deutsche Bank befindet sich nach wie vor in einer Umbauphase, die Commerzbank hat den Umbau zwar hinter sich, verdient aber dennoch nicht richtig Geld. Wirklich rentabel sind vor allem Spezialinstitute wie Autobanken oder Online-Institute wie die ING, die kein umfangreiches Filialnetz unterhalten müssen.

Die Geldpolitik lässt die Einnahmen der Institute da schwinden, wo es sie besonders schmerzt: im Zinsgeschäft. Das liegt zum einen am Minuszins. Parkt ein Institut Geld bei der EZB, wird eine Gebühr von 0,4 Prozent fällig. Da die Ersparnisse der Kunden deutscher Banken relativ hoch sind, müssen die Institute häufig Geld bei der Notenbank parken. Der private Bankenverband rechnete die Belastungen aus: jährlich rund 2,3 Milliarden Euro. Sinkt der Zins auf minus 0,5 Prozent, steigen die Zinskosten um 600 Millionen Euro.

Ein weiterer Punkt kommt erschwerend hinzu: Das Kreditgeschäft ist für die deutschen Institute enorm wichtig: Der Zinsüberschuss, also die Erträge aus dem Kredit- und Einlagengeschäft, macht den wichtigsten Teil der Einnahmen für deutsche Banken aus. Das gilt insbesondere für die weitverbreiteten Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Etwa drei Viertel ihrer Einnahmen stammen aus Zinsgeschäften, zeigen Daten der Bundesbank.

Das wird Jahr für Jahr ein größeres Problem für die Branche: Kunden tilgen alte Kredite, die den Banken noch etwas höhere Zinsen einbrachten. Die neuen Kredite sind für den Verbraucher deutlich günstiger – und für die Bank ein immer schlechteres Geschäft. Die Unternehmensberatung Bain hat ausgerechnet, dass jede zwölfte Bank in Deutschland aktuell nicht ihre Eigenkapitalkosten verdienen kann.

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Die Lage dürfte sich noch verschärfen: Vor zwei Jahren untersuchten die Finanzaufsicht Bafin und die Bundesbank die Auswirkungen der niedrigen Zinsen auf die kleineren deutschen Banken, die nicht unter der Oberaufsicht der EZB stehen. Das Resultat: Selbst bei konstanten Zinsen befürchteten die Institute damals, dass ihr Jahresüberschuss bis 2021 um neun Prozent sinken würde und die Gesamtrentabilität – also der Vorsteuergewinn in Relation zur Bilanzsumme - um 16 Prozent.

Diesem Szenario lagen allerdings zum Teil Annahmen zugrunde, die sich zumindest bislang nicht bewahrheiteten. Die Institute nahmen zum Beispiel an, dass sie wegfallende Zinseinnahmen durch höhere Provisionserträge ausgleichen könnten. Das ist nicht unbedingt realistisch, schließlich versuchen die Banken seit einiger Zeit, sich unabhängiger vom Zinsgeschäft zu machen.

Mit überschaubarem Erfolg: Der Zinsanteil an den Erträgen, der 2013 bei Sparkassen und Volksbanken noch rund 80 Prozent betrug, ist seither nur auf etwa 75 Prozent gesunken. Die Konkurrenz ist im hart umkämpften Privatkundengeschäft in Deutschland einfach zu groß.

Eine weitere Strategie gegen schrumpfende Zinsmargen ist die Ausweitung des Kreditgeschäfts. Zwar verdienen die Banken pro Kredit weniger, doch das soll mehr Masse ausgleichen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken etwa haben ihr Kreditgeschäft in den vergangenen Jahren stetig ausgeweitet, ebenso in Deutschland aktive Auslandsbanken. Doch auch die Wachstumsstrategie hat längst ihre Grenzen erreicht: Die Kreditbonanza ist den Bankenaufsehern seit Längerem suspekt.

Sie befürchten, dass sich die Institute durch ihr forsches Vorgehen künftige Risiken in die Bilanzen holen, etwa wenn sie ihre Kreditkonditionen immer weiter lockern. Längst haben die Bankenaufseher eine umfassende Prüfung der Kreditvergabepraxis der Institute angeordnet. Sie wollen wissen, ob die Geldhäuser ungesund hohe Risiken eingehen, die sich in einem wirtschaftlichen Abschwung rächen könnten.

Doch die Banken sind zuletzt auch von sich aus vorsichtiger geworden: Angesichts der sich eintrübenden Wirtschaftslage in Deutschland üben Banken mittlerweile mehr Zurückhaltung bei der Kreditvergabe, zeigen Daten von Bundesbank und KfW. Die neue Vorsicht der Banken könnte sie in einer Krise vor Schlimmerem bewahren. Die Darlehen, die die Banken in jüngster Zeit fast schon sorglos ausreichten, könnten im Abschwung ohnehin noch Bürde genug werden.

Faule Kredite könnten die Ertragslage der deutschen Banken schlagartig verschlimmern. In den vergangenen Jahren haben die Institute davon profitiert, dass dank des Wirtschaftsbooms kaum ein deutsches Unternehmen pleiteging. Seit Jahren ist die Risikovorsorge, also das Geld, das deutsche Banken für geplatzte Darlehen beiseitelegen müssen, ungewöhnlich niedrig. Es spricht Bände über die problematische Lage der Branche, dass ihre Profitabilität dennoch verhältnismäßig gering war.

Für einen wirtschaftlichen Abschwung sind deutsche Banken also eher schlecht gerüstet. Bricht die Konjunktur ein, müssen viele Institute Abschreibungen vornehmen und die Risikovorsorge für geplatzte Kreditengagements deutlich erhöhen. Bislang war das kein Problem – nicht zuletzt, weil das billige Geld der EZB noch so manche Firmenpleite verhindert hat.

Mehr: Die Europäische Zentralbank wird ihre Geldpolitik weiter lockern. Noch niedrigere Zinsen bringen aber auch noch schädlichere Nebenwirkungen mit sich.

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