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Geldpolitik EZB dürfte Anleihenkäufe stoppen – aber nicht ganz

Die EZB wird wohl ihre Anleihenkäufe zum Jahresende auslaufen lassen. Ab Januar werden Gelder aus fällig gewordenen Anleihen in neue Titel gesteckt.
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Die EZB hat im Dezember ihre Anleihenkäufe weitestgehend gestoppt. Quelle: dpa
Europäische Zentralbank (Mitte)

Die EZB hat im Dezember ihre Anleihenkäufe weitestgehend gestoppt.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Europäische Zentralbank wird am Donnerstag aller Voraussicht nach ein wichtiges Mittel ihrer jahrelangen Krisenpolitik weitgehend einstellen. Trotz der jüngsten Konjunkturabschwächung erwarten Experten, dass die EZB ihre bislang rund 2,6 Billionen Euro schweren Anleihenkäufe zum Jahresende auslaufen lässt. Das heißt aber nicht, dass sie dann gar keine Wertpapiere mehr erwirbt. Ab Januar werden wohl noch Gelder aus fällig gewordenen Anleihen wieder in neue Titel gesteckt. Das dürften nach Schätzungen der Allianz 2019 immerhin 165 Milliarden Euro sein.

Die seit der Finanz- und Staatsschuldenkrise aufgeblähte Bilanz der EZB wächst dann zwar nicht mehr, sie wird aber auch nicht kleiner. Viele Details dazu sind noch offen. Investoren erhoffen sich daher nach der Zinssitzung Hinweise von EZB-Präsident Mario Draghi, wie die Maßnahmen 2019 konkret umgesetzt werden sollen.

Die jüngsten Konjunkturdaten zeigten, dass Europas Wirtschaft nicht von einer Klippe falle, sondern nur langsamer wachse, sagt Edgar Walk, Chefvolkswirt beim Bankhaus Metzler. Eine positive Überraschung war zuletzt zum Beispiel, dass Firmen in Frankreich ihre Produktion im Oktober kräftig hochgefahren haben. Auch erwischten die deutschen Exporteure einen unerwartet guten Start ins vierte Quartal. Konjunktursorgen hatten an den Börsen immer wieder für Unruhe gesorgt, nachdem die Wirtschaft im Euro-Raum im Sommer so schwach gewachsen war wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr.

Ein vorsichtiger Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik ist aus Sicht von Dirk Schumacher von der französischen Investmentbank Natixis noch immer gerechtfertigt. Die neuen EZB-Konjunkturprognosen dürften zwar etwas schwächer ausfallen. Doch der Ökonom ist sich sicher, dass die Projektionen nicht das mittelfristige Inflationsziel der EZB von knapp zwei Prozent infrage stellen. Seit Juni liegt die Teuerung bereits über dem angestrebten Niveau.

Die Euro-Hüter kaufen seit März 2015 Anleihen und andere Wertpapiere. Vor allem in Deutschland waren die Transaktionen immer besonders umstritten, weil Nebenwirkungen der lockeren Geldpolitik befürchtet werden – etwa eine Überhitzung auf dem Immobilienmarkt.

Mehr Spielraum – Aber kein konkretes Zeitfenster

Experten erwarten, dass die Euro-Wächter bei den Ersetzungskäufen künftig mehr Spielraum zulassen werden. „Um eine größere Flexibilität bei den Reinvestitionen zu erhalten, könnte die Notenbank den bislang gesteckten Zeitraum auf sechs Monate verlängern,“ sagt DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier. Aktuell sind drei Monate vorgesehen, wenn ein Titel ausläuft. Ab wann der riesige Anleihenbestand abgeschmolzen wird, dürfte Draghi noch offenhalten. „Wir gehen nicht davon aus, dass die EZB irgendeinen spezifischen Zeitrahmen einführt“, so die US-Investmentbank Morgan Stanley. Die Ökonomen der Commerzbank glauben, dass die EZB hier dem Beispiel der US-Notenbank Fed folgen wird. Diese hatte mit dem Abschmelzen ihrer Bilanz rund zwei Jahre gewartet.

An ihrem Zinsausblick dürfte die EZB festhalten. Danach will sie ihre Schlüsselzinsen noch bis mindestens über den Sommer 2019 hinaus nicht antasten. Die Berenberg Bank erwartet erst Anfang 2020 die erste Leitzinserhöhung seit 2011. Zuvor werde im vierten Quartal 2019 der sogenannte Einlagensatz erhöht. Dieser liegt aktuell bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. Der Leitsatz liegt seit Jahren bei 0,0 Prozent.

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