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Geldpolitik EZB hält Einlagenzins bei minus 0,5 Prozent – und kündigt neues Kreditprogramm an

Die Notenbank der Euro-Zone hat sich zu ihren geldpolitischen Plänen angesichts der Coronakrise geäußert. Sie will weitere Anleihen kaufen.
12.03.2020 Update: 12.03.2020 - 16:32 Uhr 4 Kommentare
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank warnte kürzlich vor den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus. Quelle: dpa
Christine Lagarde

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank warnte kürzlich vor den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Einlagenzins im Euro-Raum soll vorerst bei minus 0,5 Prozent bleiben. Das entschied der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag, wie die EZB in einer Mitteilung bekanntgab. Der Leitzins bleibt demnach auf dem Rekordtief von null Prozent. Die Bank will jedoch bis Ende des Jahres zusätzliche Anleihenkäufe im Volumen von 120 Milliarden Euro tätigen.

Außerdem stockt die EZB wie erwartet ihr Programm längerfristiger Kredite an Geschäftsbanken auf und verbessert zum Teil auch deren Konditionen. So wird ab Juni ein neues Programm unter dem Kürzel TLTRO III in Kraft treten, das besonders kleinen und mittleren Unternehmen helfen soll.

Dabei kann im günstigsten Fall der Zinssatz sogar ein Viertel Prozentpunkt unter dem Satz liegen, den die Banken für ihre Einlagen bei der EZB als Minuszinsen berechnet kommen. Das heißt: Die Banken bekommen bis zu 0,75 Prozent Zinsen von der EZB, wenn sie die Kredite annehmen und an ihre Kunden weiterreichen.

Vor Reportern betonte die EZB-Chefin Christine Lagarde, es müsse von finanzpolitischer Seite eine „ambitionierte und abgestimmte“ Antwort auf die Coronakrise geben. Die Pandemie sei ein großer Schock für die Wirtschaft und werde entsprechend einen starken Einfluss auf die Konjunktur haben.

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    Die nun beschlossenen Maßnahmen bezeichnete Lagarde als die effizienteste Antwort auf die Marktprobleme, die es momentan gebe. Da für die zusätzlichen Anleihenkäufe keine monatlichen Raten festgelegt seien, könne man flexibel auf die jeweils aktuelle Wirtschaftssituation reagieren.

    Anleger hatten von der EZB aber offenbar mehr erwartet: Nach der Ankündigung der Maßnahmen rutschte das Börsenbarometer bis zu 10 Prozent ins Minus auf einen Stand von nur noch 9452 Punkten.

    Reaktionen auf das Maßnahmenpaket

    Die Reaktionen von Anlagestrategen und Ökonomen fielen unterschiedlich aus: Felix Hermann, Anlagestratege Deutschland beim US-Fondsanbieter Blackrock, sagte: „Wir erleben einen historischen Tag, an dem die gemeinsame Aktion der EZB und der Europäische Bankenaufsicht EBA auf die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit des Bankensystems und der Finanzierung der Privatwirtschaft abzielt.“ Außerdem sagte er: „Die Zeiten von Zinssenkungen in der Euro-Zone sind nun vorbei.“

    Der EZB sei sich bewusst, dass sie in Zeiten eines Angebotsschocks wie diesem nicht so viel ausrichten könne. „Mit der Ausweitung des Kreditprogramms TLTRO und der Ausweitung der Anleiheankäufe hat die EZB das getan, wozu sie noch imstande war.“
    Dazu passe die ausdrückliche Forderung Christine Lagardes nach europäischer finanzpolitischer Unterstützung.

    Stefan Schneider, Deutschland-Chefökonom der Deutschen Bank, urteilte: „Die Maßnahmen sollten Wirkung zeigen – besonders die langfristige Refinanzierungsgeschäfte zu extrem günstigen Bedingungen. Auch die zusätzlichen 120 Milliarden Euro an Anleihekäufen sind ganz erheblich. Zusätzlich werden die Banken regulatorisch etwas von der Leine gelassen. Das alles zusammen sollte etwas helfen. Mehr kann die EZB derzeit realistischerweise wohl auch nicht leisten.

    Viele dieser Maßnahmen gehen über das Bankensystem an die Unternehmen. Ob die Banken ihre Kreditvergabe erhöhen, nur weil ihre Kosten bei der Refinanzierung sinken, muss man abwarten. Denn gleichzeitig sind die Kreditrisiken in den stark betroffenen Sektoren wie der Reisebranche gestiegen. Hier könnte der Staat mit Kreditgarantien wirkungsvoller helfen.“

    Christian Kopf, Anleihechef bei Union Investment, findet es zwar richtig, dass die EZB den Einlagensatz unverändert bei minus 0,5 Prozent belassen hat. „Stärkere Negativzinsen würden die Banken, Versorgungswerke und Versicherungen im Euro-Raum um noch mehr belasten, während sie kaum zu höherer Wirtschaftsaktivität oder höherer Inflation beitragen“, sagt er.

    Kopf wirft der EZB aber „mangelnde Kreativität“ vor. „Viele Unternehmen stehen aufgrund der Virusepidemie mit dem Rücken zur Wand und das unverschuldet“, sagt Kopf. Die EZB hätte ihr ihr Anleihekaufprogramm deutlicher ausweiten können und sie könnte beispielsweise auch Hochzinsanleihen kaufen.

    „Solange wir keine direkte und umfangreiche Erhöhung der Kredite an Unternehmen bekommen, wird die Wirtschaft diese Krise nur mit großen Schwierigkeiten bewältigen können.“ Dies könne entweder die EZB machen oder die Staaten mithilfe von Bürgschaften. Kopf geht davon aus, dass Bürgschaften kommen werden. „Aber auch die EZB muss mehr tun.“

    Die EZB hatte zuletzt wegen der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Konsequenzen durch die Corona-Pandemie unter Handlungsdruck gestanden, denn an den Märkten herrscht Panik. Bankenvertreter forderten zuletzt weitere Liquiditätshilfen sowie eine Senkung der Kapitalanforderung von der EZB.

    In den vergangenen Tagen hatten bereits andere Notenbanken Maßnahmen erlassen, um die Wirtschaft zu stützen. So hatten etwa die US-Notenbank Fed und die britische Zentralbank ihre Leitzinsen gesenkt.

    Die Europäische Zentralbank will im übrigen auch intern weiter Vorsorge gegen das Coronavirus treffen. „Wenn sich die Situation nicht sehr schnell zum Besseren entwickelt, ist es unwahrscheinlich, dass Sie uns beide bei der nächsten Pressekonferenz sehen werden“, sagte EZB-Präsidentin Christin Lagarde am Donnerstag mit Blick auf ihren neben ihr sitzenden Stellvertreter Luis de Guindos. Es werde an einer „Aufteilung der Teams“ gearbeitet, auch auf oberster Führungsebene.

    Zudem kündigte sie an, dass das nächste Treffen des EZB-Führungsgremiums online durchgeführt wird. „Unsere nächste EZB-Ratssitzung am 1. April wird tatsächlich vollständig online sein“, sagte Lagarde. Schon bei der Zinsentscheidung an diesem Donnerstag waren nicht alle Ratsmitglieder in Frankfurt, sondern einige online zugeschaltet.

    Mehr: Lesen Sie hier, wie die Pressekonferenz der EZB zu den neuen Maßnahmen verlief.

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    Mehr zu: Geldpolitik - EZB hält Einlagenzins bei minus 0,5 Prozent – und kündigt neues Kreditprogramm an
    4 Kommentare zu "Geldpolitik: EZB hält Einlagenzins bei minus 0,5 Prozent – und kündigt neues Kreditprogramm an"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • - Nachtrag -

      Die Fed hat hier noch mehr Möglichkeiten als die EZB, da sie die Zinsen noch stärker senken kann.
      Dann tut auch hier Trump genau das Richtige (auch wenn es von den Deutschen mal wieder niemand hören will): er plant offensichtlich die Aussetzung der Lohnsteuer. Das entlastet natürlich direkt. Die Fed muss zur Kompensation natürlich massiv drucken, aber dafür hat man ja die WelteiDwährung; und ist man großteils in der eigenen Währung verschuldet, dann kann man auch nicht pleite gehen.
      Die EZB dagegen sollte SOFORT ihre Bankenregulierungen aussetzen, insbesondere Basel III. (Das wird sie aber sicherlich nicht tun). Dann sollte sie sich komplett von Robert Mundell und seiner "Theorie optimaler Währungsräume" verabschieden. (Auch das wird sie sicherlich nicht tun.) Der Repomarkt ist zu stützen (das wird sie wohl machen, wie es auch die Fed macht).

    • Warum sitzen die Zentralbanken in der "Nullzinsfalle"?
      Da nur die Austrians eine konsistente Geld- / Zins- und Konjunkturtheorie haben, können auch nur sie das glasklar aufzeigen:
      "Sämtliche Zentralbankpolitik in der Nullzinsfalle ist darauf gerichtet, Liqidität in die Märkte zu bringen, ohne dass in der Folge weitere Liquidität abgezogen wird. Es ist eine Falle, weil dieses Paradoxon letztlich nicht aufzulösen ist." (Rahim Taghizadegan: Geld her oder es kracht!, Graz & Wien 2019, S. 59f.)
      Real haben wir zwar schon Negativzinsen, aber eben nicht NOMINAL. Tiefer als null ist jedoch nicht durchsetzbar, denn was würde dann passieren?
      "Während der Nullzins schon eine schwer vermittelbare Absurdität ist, durchbricht der Negativzins eine symbolische Schwelle: Dann bekommen Sparer keine Prämien mehr, sondern nur Schuldner." (R. Taghizadegan: ebd., S. 59)
      Die "kleinen" Sparer würden Konto-Giralgeld "abziehen" und Bargeld horten. Aber die sind nicht entscheidend, und daher wäre auch ein Bargeldverbot komplett zwecklos. Entscheidend sind auch hier die "Big Player", und die würden noch weitaus mehr als jetzt schon in hortbare Sachgüter gehen (Immobilien usw.). Aber dadurch käme eben erst recht der privatbankliche Geldschöpfungs- / Kreditmultiplikator unter die Räder.
      Kommen die Zentralbanken nicht mehr weiter, dann muss die Politik "handeln" - und dann kommen die üblen Sachen. Das Zeitspiel der Politik, "kicking the can down the road", endet dann.
      Die optimistischen unter den Austrians sehen aber eine Krise immer auch als eine große Chance. Insbesondere hoffen sie, dass die Menschen mehrheitlich trotz allem lernfähig sind. Zu diesen Optimisten gehört etwa auch Antony P. Mueller:
      "...which hopefully will serve as a wake-up call and alert the public and the policymakers about the need to reform the monetary system."
      https://www.zerohedge.com/personal-finance/weve-moved-beyond-disaster-stage-are-approaching-catastrophe

    • Diese Krise macht mehr als deutlich wie wichtig die EU und die EZB sind. Man stelle sich alternativ jede Menge kleine Piefstaaten vor. Es gibt zwar in der EU nicht immer eine Einheitlichkeit im Handeln, aber gewissermaßen doch einen "Common Sense" .
      Ein Blick auf das Vereinigte Königreich zeigt, daß dessen selbst gewählte Isolation nun ins Chaos führt. Das Land droht von den internationalen Lieferketten abgeschnitten zu werden. Es fehlt dort an allem und statt Konzepte zu präsentieren, beglückt POPO der Killerclown, die Nation mit immer neuen illegitimen Nachkommen.
      Ach ja, die Briten dürfen weiterhin in die USA einreisen, das ist ja wirklich ein gaaaanz besonderes Privileg zur Zeit.

    • Kleiner Hinweis: "...soll vorerst bei 0.5% bleiben" - das wäre schön, wir reden über Minus 0.5%.

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