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GeldpolitikEZB-Rat: 4-Prozent-Zins möglich, wenn Inflation stark bleibt

Ein Zinsniveau von 4 Prozent sei „nicht ausgeschlossen“, sagt EZB-Rat Pierre Wunsch. Ausschlaggebend ist die Entwicklung der Kerninflation. 03.03.2023 - 09:23 Uhr Artikel anhören

Die EZB-Räte konzentrieren sich bei der Festlegung ihres geldpolitischen Kurses zunehmend auf die Entwicklung der Inflation, die Posten wie Energie und Nahrungsmittel ausklammert. Die Kernteuerung im Euroraum hat entgegen der Erwartung der Volkswirte im Februar einen Rekordwert von 5,6 Prozent erreicht, obgleich die Gesamtinflation leicht zurückging.

Foto: IMAGO/Belga

Brüssel, Frankfurt. Der belgische EZB-Rat Pierre Wunsch hat Marktwetten bestärkt, dass die Leitzinsen der Europäische Zentralbank ihr Gipfelniveau bei 4 Prozent erreichen werden, sollte der Preisdruck bei der Kerninflation bestehen bleiben. 

Wie weit die Zinskosten angehoben werden müssen „hängt sehr stark von der Entwicklung der Kerninflation ab“, sagte der Chef der belgischen Notenbank am Donnerstag. „Wenn wir keine klaren Signale erhalten, dass die Kerninflation zurückgeht, werden wir mehr tun müssen.“

Ein Zinsniveau von 4 Prozent wäre damit „nicht ausgeschlossen“, so Wunsch. „Ich möchte aber betonen, dass ich kein Urteil darüber abgeben werde, wohin die Zinsen gehen müssen, ohne die Entwicklung der Kerninflation zu berücksichtigen.“

Die EZB-Räte konzentrieren sich bei der Festlegung ihres geldpolitischen Kurses zunehmend auf die Entwicklung der Inflation, die Posten wie Energie und Nahrungsmittel ausklammert. Die Kernteuerung im Euroraum hat entgegen der Erwartung der Volkswirte im Februar einen Rekordwert von 5,6 Prozent erreicht, obgleich die Gesamtinflation leicht zurückging.

Den europäischen Daten vom Donnerstag vorausgegangen waren bereits nationale Inflationszahlen, die über den Erwartungen lagen. Sie schürten am Geldmarkt erstmals die Erwartung, dass das Maximalniveau der EZB-Leitzinsen im Zyklus bei 4 Prozent liegen dürfte. 

Ökonomen folgen diesem Argument. Barclays, BNP Paribas, Danske Bank und Morgan Stanley gehen nun alle davon aus, dass der Einlagensatz letztendlich dieses Niveau erreichen wird, und teilen weitgehend die Auffassung von Wunsch.

„Ein viel späterer Höhepunkt der Kerninflation ist der Katalysator für weitere EZB-Erhöhungen in den kommenden Monaten“, so Ökonomen von Morgan Stanley unter der Leitung von Jens Eisenschmidt am Freitag in einer Kundenmitteilung. „Unser neuer Inflationspfad sieht die EZB auf der Mai-Sitzung mit einer steigenden Kerninflation konfrontiert.“

EZB besorgt um Folgen einer möglichen Lohn-Preis-Spirale

Die Zentralbanker sind besorgt, dass ein solch hartnäckiger Preisdruck die Arbeitnehmer dazu veranlassen könnte, höhere Gehälter zu verlangen, was eine weitere Runde von Preissteigerungen auslösen und die Aufgabe erschweren könnte, die Inflation auf das 2-Prozent-Ziel zu drücken.

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Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll diskutierten die Notenbanker das Thema auf ihrer letzten Zinssitzung im Februar ausführlich. Einige warnten davor, sich zu sehr auf die zugrundeliegende Messgröße zu konzentrieren und sagten, dass sich Elemente der Kerninflation recht schnell ändern könnten.

Die Zentralbanker sind besorgt, dass ein solch hartnäckiger Preisdruck die Arbeitnehmer dazu veranlassen könnte, höhere Gehälter zu verlangen, was eine weitere Runde von Preissteigerungen auslösen und die Aufgabe erschweren könnte, die Inflation auf das 2-Prozent-Ziel zu drücken.

Foto: IMAGO/Panama Pictures

Analysten der Danske Bank erhöhten diese Woche ihre Prognose für den Gipfel des Einlagensatzes der EZB auf 4 Prozent und führten eine robuste Wirtschaft und eine hartnäckige Kerninflation als Gründe dafür an, die Kreditkosten „länger im restriktiven Bereich“ zu halten. Derzeit liegt der Satz bei 2,5 Prozent.

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