Geldpolitik: EZB hebt Leitzinsen um weitere 0,75 Prozentpunkte an
Die Notenbank muss die Inflation in der Euro-Zone eindämmen.
Foto: dpaFrankfurt, Düsseldorf. Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht die Zinsen im Euro-Raum weiter. Sie hebt den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf zwei Prozent an. Der zurzeit noch wichtigere Zins, den Banken für ihre Einlagen bei der EZB bekommen, steigt von 0,75 auf 1,5 Prozent. Das gab die Notenbank am Donnerstagnachmittag bekannt.
Bereits im September hatte die EZB im selben Umfang die Zinsen angehoben. Dies ist jeweils die größte Anhebung in der Geschichte der Notenbank, wenn man von einer technischen Anpassung in den Wochen kurz nach Beginn der Währungsunion absieht. Der Zinsschritt fällt damit so aus wie erwartet. Die Märkte hatten dies in den vergangenen Wochen bereits zunehmend eingepreist.
Mit ihren Beschlüssen reagiert die EZB auf den weiteren Anstieg der Inflation im Euro-Raum, die im September auf einen Rekordwert von 9,9 Prozent gestiegen ist. Eigentlich strebt die Notenbank einen Wert von zwei Prozent an. „Die Inflation ist nach wie vor deutlich zu hoch und wird für längere Zeit über dem Zielwert bleiben“, betonte die EZB.
Außerdem beschloss die EZB Änderungen für Banken bei den Langfristkrediten TLTRO III. Die Zinsen für diese Kredite werden ab dem 23. November 2022 angepasst und den Banken zusätzliche Möglichkeiten zur Rückzahlungen eingeräumt. Zudem werden die Vergütungen der Mindestreserven angepasst auf das Niveau des Einlagenzinses. Weitere Details dazu sollen am Nachmittag bekanntgegeben werden.
Ab 14:45 Uhr äußert sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Rahmen einer Pressekonferenz zu den neuen Beschlüssen. Diese können Sie in unserem Newsblog verfolgen.
Im Vorfeld hatten sich mehrere EZB-Ratsvertreter für eine weitere deutliche Straffung der Geldpolitik ausgesprochen. So forderten die Notenbankchefs aus den Niederlanden und Lettland zwei weitere starke Zinserhöhungen. Auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sprach sich unlängst für einen robusten Zinsschritt aus, ohne eine konkrete Zahl zur Stärke des Schritts zu nennen.
Die Befürworter starker Zinserhöhungen verweisen vor allem auf die hohe Inflation im Euro-Raum. Auffällig war im September der Anstieg der Kerninflation, aus der besonders schwankungsanfällige Preise für Lebensmittel und Energie herausgestrichen werden. Sie stieg von 4,3 auf 4,8 Prozent. Offenbar schlagen die höheren Öl- und Gaspreise zunehmend auch auf die Preise anderer energieintensiver Güter durch.
Inflation: Neue Daten am Freitag und Montag
Am Freitag veröffentlicht das Statistische Bundesamt neue Zahlen zur Inflation in Deutschland im Oktober. Ökonomen erwarten hier einen erneuten Anstieg der Inflationsrate von 10,0 auf 10,1 Prozent. Am Montag folgen dann die Zahlen für den gesamten Euro-Raum.
Die US-Bank Goldman Sachs erwartet, dass die Inflation dort erst im Januar mit 11,7 Prozent ihren Höhepunkt erreichen wird. Vieles hängt dabei von der Politik ab. In Deutschland hat die Bundesregierung Preisbremsen für Strom und Gas angekündigt. Goldman Sachs geht in seiner Prognose davon aus, dass die Gaspreisbremse im März 2023 eingeführt wird. Im Gespräch ist aber auch ein früherer Starttermin.
Wie es mit der Inflation in den kommenden Monaten weitergeht, ist vor allem wichtig für die Frage, wie weit die EZB die Zinsen noch anhebt. Goldman Sachs erwartet, dass der Höhepunkt beim Einlagenzins im März 2023 bei 2,75 Prozent erreicht wird. Sie rechnet mit weiteren Erhöhungen im Dezember und im Februar um jeweils einen halben Prozentpunkt sowie im März um einen viertel Prozentpunkt. Die US-Bank Morgan Stanley erwartet für März ein Niveau von 2,5 Prozent für den Einlagenzins im Euro-Raum.