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Geldpolitik Großbritanniens Notenbank reagiert auf die Coronakrise und senkt den Leitzins

Die britischen Geldpolitiker folgen der US-Zentralbank und versuchen, mit Zinssenkungen die Auswirkungen der Virusepidemie zu mildern. Der Pfund-Kurs sinkt.
11.03.2020 Update: 11.03.2020 - 09:32 Uhr Kommentieren
Die Notenbanker fürchten, dass sich die wirtschaftliche Aktivität in Großbritannien in den kommenden Monaten deutlich abschwächen wird. Quelle: Bloomberg
Fußgänger vor der Bank of England in London

Die Notenbanker fürchten, dass sich die wirtschaftliche Aktivität in Großbritannien in den kommenden Monaten deutlich abschwächen wird.

(Foto: Bloomberg)

London Die britische Notenbank senkt angesichts der Coronavirus-Epidemie ihren Leitzins. Er werde von 0,75 auf 0,25 Prozent gesenkt, teilte die Bank of England (BoE) am Mittwoch in London mit. Die Entscheidung des geldpolitischen Ausschusses fiel einstimmig bereits in einer Sondersitzung am Dienstag.

Die Zentralbank lockerte auch die Auflagen für Banken, so dass sie leichter Kredite an Unternehmen vergeben können. Insgesamt könnten so 190 Milliarden Pfund an zusätzlichen Krediten bereitstehen.

Eine Zinssenkung war seit Tagen erwartet worden – spätestens zur nächsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses am 26. März. Dass die Notenbank sie nun vorgezogen hat, unterstreicht, wie akut der Handlungsbedarf in der Coronakrise ist.

Die Notenbank wollte in einer konzertierten Aktion mit der Regierung ein Zeichen setzen. Heute legt Finanzminister Rishi Sunak auch seinen Haushalt vor, in dem er Hilfen für Unternehmen ankündigen will. 

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    Der scheidende Notenbankgouverneur Mark Carney und sein designierter Nachfolger Andrew Bailey, der in fünf Tagen übernimmt, erklärten die Entscheidung in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Durch die Ankündigung am Haushaltstag habe man die Wirkung der Zinsentscheidung maximieren wollen, sagte Carney.

    Die wirtschaftliche Aktivität in Großbritannien werde sich in den kommenden Monaten wahrscheinlich „deutlich abschwächen“, erklärte die Bank. „Der ökonomische Schock wird sowohl Nachfrage als auch Angebot treffen.“ Lieferketten würden gestört, der Cashflow insbesondere kleinerer Unternehmen beeinträchtigt.

    Carney wiederholte seine Einschätzung von vor einer Woche, dass der Schock groß ausfallen könne, letztlich aber temporär sei. Auch betonte er, dass die Banken ausreichend kapitalisiert seien, um den Schock auszuhalten. Anders als in der Finanzkrise 2008 seien die Banken diesmal nicht das Problem, sondern Teil der Lösung, sagte er.

    Notenbanken unter Druck

    Das Pfund verlor nach der Entscheidung zunächst um rund einen Cent auf 1,2836 Dollar. Anschließend ging es ein wenig aufwärts. Aktuell steht das Pfund bei 1,2870 Dollar und damit 0,3 Prozent unter seinem Vortagesschluss.

    Vor der Entscheidung der Bank of England hatten bereits andere Zentralbanken ihre Geldpolitik gelockert, darunter die US-Notenbank Fed. Sie hatte bereits am Dienstag vergangener Woche überraschend die Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte auf eine Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent gesenkt. Die Europäische Zentralbank entscheidet am Donnerstag über ihren Kurs.

    Die heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten setzen die Geldpolitiker zunehmend unter Druck. Am Montag gingen die Weltbörsen auf Talfahrt, viele lagen zeitweise mehr als 20 Prozent unter ihren Höchstständen. An der Wall Street wurde der Handel kurzzeitig vom Handel ausgesetzt – ein deutliches Alarmzeichen.

    Seit Tagen richten Anleger ihr Augenmerk daher auf die Notenbanken, zweifeln aber offenbar daran, dass die Instrumente der Geldpolitik ausreichen, um Wirtschaft und Finanzmärkte mit Maßnahmen wie Anleihekäufen oder Zinssenkungen zu stützen. So war die US-Zinssenkung an den Märkten weitgehend verpufft.

    Ayush Ansal, Chef-Anlagestratege bei Crimson Black Capital, bezeichnete die Zinssenkung als „massiven Präventivschlag“ der Bank of England. Der Schritt könne sich am Ende aber als überflüssig erweisen. Immerhin habe sich die Notenbank zur Vorsicht entschieden. Die meisten Beobachter würden dies als die richtige Entscheidung sehen. Die Sorge sei aber, dass die Zinssenkung die Panik an den Märkten noch verstärken könne.

    Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe blickt auf die EZB: „Nun war der Druck auf den Geldpolitischen Rat der Bank of England doch zu groß, um das Maßnahmenpaket gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise erst auf der nächsten regulären Sitzung zu schnüren. Nach der Not-Zinssenkung der Fed hat sie lange gewartet. Morgen dürfte die EZB ihr Paket vorstellen.“

    Viele Ökonomen warnten bereits vor zu hohen Erwartungen an die Geldpolitik. Die Notenbanken sollten offen bekennen, was sie tun können und was nicht, fordert etwa eine Studie der Deutschen Bank und kommt mit Blick auf die anstehende EZB-Zinsentscheidung zum Schluss: „Eine aggressive Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) in dieser Woche würde mehr Schaden als Nutzen anrichten.“

    Mehr: Die amerikanische Zentralbank will die Wirtschaft in der Coronavirus-Krise unterstützen und setzt dabei auf die Mithilfe der Banken.

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