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Geldpolitik im Euro-Raum Höhere Inflation gibt Weidmann Rückenwind

Vor der wichtigen Ratssitzung der Europäischen Zentralbank am kommenden Donnerstag ist die Teuerungsrate im Euro-Raum auf 1,5 Prozent gestiegen. Das liefert den Befürwortern eines baldigen Kurswechsels Argumente.
Update: 31.08.2017 - 12:37 Uhr 19 Kommentare
Bundesbank-Chef Weidmann dringt auf ein Auslaufen der EZB-Anleihekäufe. Quelle: Reuters
Der Währungshüter

Bundesbank-Chef Weidmann dringt auf ein Auslaufen der EZB-Anleihekäufe.

(Foto: Reuters)

FrankfurtAm kommenden Donnerstag kommt es in der Europäischen Zentralbank (EZB) zum großen Showdown. Notenbankchef Mario Draghi, Bundesbankchef Jens Weidmann und ihre Kollegen aus dem EZB-Rat entscheiden dann über den weiteren Kurs in der Geldpolitik. Viele Analysten erwarten ein Signal für ein baldiges Auslaufen der billionenschweren Anleihekäufe der Notenbank. Weidmann hat sich bereits klar positioniert: Er sieht keinen Bedarf, die massiven Anleihekäufe der Notenbank 2018 fortzuschreiben. Doch ob am Donnerstag tatsächlich die Entscheidung fällt, die Käufe im nächsten Jahr herunterzufahren, ist längst nicht ausgemacht. Denn vielen Ratsmitgliedern bereitet vor allem der gestiegene Euro-Wechselkurs Sorgen.

Die aktuellen Inflationszahlen für den Euro-Raum verleihen jedoch Weidmann und anderen Ausstiegsbefürwortern etwas Rückenwind. Die Verbraucherpreise im Währungsraum stiegen im August um 1,5 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat in einer ersten Schätzung mitteilte. Im Juli lag das Plus bei lediglich 1,3 Prozent. Das mittelfristige Inflationsziel der EZB liegt bei etwa zwei Prozent.

Um dies zu erreichen, kauft die Notenbank seit März 2015 massiv Anleihen der Euro-Länder. Daher spielt die Preisentwicklung eine entscheidende Rolle bei der Frage über die Zukunft der billionenschweren Anleihekäufe. Die Notenbank hat eine Diskussion darüber für den Herbst angekündigt. Viele Experten gehen davon aus, dass die EZB die Käufe ab Januar 2018 schrittweise reduziert.

Allerdings hatten bereits auf der Juli-Sitzung der Notenbank einige Ratsmitglieder vor einem überschießenden Euro-Kurs gewarnt. Seit Jahresbeginn hat der Euro im Verhältnis zum Dollar schon mehr als 13 Prozent zugelegt. Ein höherer Wechselkurs wirkt sich ähnlich aus wie eine geldpolitische Straffung: Er macht Waren hiesiger Firmen auf dem Weltmarkt teurer und verschlechtert dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit - gleichzeitig macht er Importe billiger und drückt so die Inflation im Euro-Raum.

Noch sehen Ökonomen keinen Grund zur Panik und führen den Anstieg weitgehend auf fundamentale Gründe zurück, wie die geringere politische Unsicherheit im Euro-Raum. Wenn aber die rasante Entwicklung beim Wechselkurs so weitergeht, wird es für Unternehmen immer schwieriger, sich kurzfristig anzupassen.

Günstiges Gemüse, teure Flüge
Harmonisierter Verbraucherpreisindex
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Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (Harmonised Index of Consumer Prices, HICP) ist ein vom Statistischen Amt der Europäischen Union erhobener Index, mit dem die Preisniveau-Entwicklung von Verbrauchsgütern im Europäischen Wirtschaftsraum gemessen wird. Quelle: Eurostat – Statistisches Amt der Europäischen Union

(Foto: dpa)
Einheitlicher Warenkorb
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Die monatlichen Werte für den HICP werden von Eurostat immer drei Wochen nach Monatsende veröffentlicht. Ähnlich wie beim Einkaufen im Supermarkt füllt das Statistische Amt einen repräsentativen Warenkorb mit verschiedenen Gütern. Über den Zeitraum von einem Monat wird die Preisentwicklung beobachtet – und in ein Verhältnis zum Vorjahr gesetzt. Während die jährliche Gesamtinflation in der Euro-Zone bei konstanten 1,3 Prozent stagniert, haben sich die Warenpreise für einige Güter seit letztem Jahr verändert.

(Foto: dpa)
Telekommunikation
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Den größten Inflationsrückgang verzeichnen Dienstleistungen rund um Telefon und Internet. Die Preise sind im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent gefallen.

(Foto: dpa)
Obst
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Noch mehr sparen kann der Kunde 2017 beim Kauf von Obst. 1,7 Prozent weniger zahlen die Verbraucher im Vergleich zum Vorjahr.

(Foto: dpa)
Gemüse
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Gute Nachricht für Fans gesunder Lebensmittel: Auch Gemüse ist günstiger geworden. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank der durchschnittliche Preis um 1,4 Prozent.

(Foto: Jens Büdpa)
Urlaub wird teurer
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Der kurze Trip nach Mallorca hingegen kommt die Menschen im Euroraum immer teurer zu stehen. Die Preise für Pauschalreisen sind um satte 4,5 Prozent angezogen.

(Foto: dapd)
Hotelbranche
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Draufzahlen muss man auch im Hotelgewerbe: Ganze fünf Prozent höher liegen die Preise für Zimmervermittlung und Unterkünfte in diesem Jahr.

(Foto: dpa)

Bereits ein sich andeutender geldpolitischer Kurswechsel kann zu stärkeren Bewegungen am Devisenmarkt führen, denn Wechselkurse reagieren weniger auf Ist-Zustände als vielmehr auf eine sich ändernde Geldpolitik. Steigen die Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum, wird es für Investoren attraktiver, ihr Geld im Euro-Raum statt in anderen Währungsräumen wie den USA anzulegen – und es entsteht Aufwertungsdruck beim Euro. Der Wechselkurs reagiert daher auf geldpolitische Signale sehr schnell.

Auch wenn ein stärkerer Euro kein Grund zur Panik ist, könne er den Zeitplan der EZB beim Herunterfahren der Anleihekäufe beeinflussen, schreibt ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Auch daher dürften die neuen Inflationszahlen bei Ausstiegsbefürwortern wie Jens Weidmann sehr willkommen sein.

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19 Kommentare zu "Geldpolitik im Euro-Raum: Höhere Inflation gibt Weidmann Rückenwind "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Für eine Fliege extra Insektenspray kaufen? Das wertet die doch geradezu inflationär auf.

    Dazu noch der Aufwand, die später zu suchen, um die zu entsorgen. Ab und zu mal mit dem Finger schnippen, wenn die zu lästig wird und ansonsten konsequent ignorieren, reicht völlig – meine ich jedenfalls.

    Inzwischen ist mir klar geworden, warum Herr Nampf für sein belegtes Brötchen 8 % mehr bezahlen muss – dort, wo er es kauft, wird eindeutig nicht an dem Butteraufstrich gespart.

  • Eigentlich ist für die Arbeit das Volontariat zuständig. hat man Insektenspray verwendet oder wurde die Fliege entsorgt ?

  • Damit ich nicht ganz abschlaffe, arbeite ich doch ein ganz klein wenig.

    100 % Butterpreissteigerung pro Jahr entsprechen je Monat dito 8 %Inflation.

    Jetzt ist aber genug gearbeitet für Heute:)

  • @ G. Nampf

    Wolltwe mich gerade dazu aufraffen und mal tatsächlich arbeiten:)

    Aber wie ich in diesem Stadium noch gerade rechtzeitig feststellen konnte, hat der liebe Herr Spiegel schon ganze Arbeit geleistet.

    Manche halten einen wirklich von der Arbeit ab -(

  • Der Preis für ein Päckchen Markenbutter hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Und ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht. Bäcker und Nudelfabrikanten schlagen bereits Alarm.

    https://www.welt.de/wirtschaft/article165382260/Butter-ist-in-Deutschland-so-teuer-wie-nie-zuvor.html

  • @Peer Kabus 31.08.2017, 15:00 Uhr

    "Wollen wir das mal mit der Butter probieren? :)"

    Falls Sie die Butterpreise so exakt verfolgen wie ich meine Brötchenpreise:

    An die Arbeit Herr Kabus..... ;-)

  • @G. Nampf

    Ein gut gelungener Versuch.

    Wollen wir das mal mit der Butter probieren? :)

  • @ Peer Kabus31.08.2017, 14:02 Uhr

    "Ihnen geht es ja richtig gut, ..."

    Richtig, normalerweise gehe ich mittags richtig essen...;-)


    Aber als Beispiel für wirkliche und proklamierte Inflation ( ist letztere eigentlich schon Fake-News, also bald strafbar?) taugen die Brötchen ganz gut

  • @Herr Frank Cebulla

    Wundert es Sie, dass Merkel und Schäuble nichts gegen die Inflation haben?

    Die brauchen doch die Inflation, damit die Staatsschulden rasant entwertet werden. Wenn die Quote unter 60 % fällt, ergeben sich, je höher die Inflation zu Buche schlägt, doch neue Spielräume, wenn mal Geld für neue Schulden gebraucht wird. Wie groß der „Spielraum“ ist, wenn statt der 60 % nur noch z. B. 50 % Staatschuldenquote erreicht ist, kann man sich bei 2.2 Bio. € Staatsschulden ganz gut ausrechnen.

  • @G. Nampf

    Sie haben binnen weniger Wochen 2 belegte Brötchen leisten können?

    Ihnen geht es ja richtig gut, wenn Sie 8 % Inflation so locker verfrühstücken können.

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