Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Geldpolitik in der Corona-Pandemie Die EZB justiert die Instrumente neu: Auf diese fünf Punkte kommt es heute bei der Ratssitzung an

Der EZB-Rat wird heute wohl ein großes Paket zur Lockerung der Geldpolitik beschließen. Was die zentralen Elemente sein dürften – und wozu Notenbankchefin Lagarde sich noch äußern könnte.
10.12.2020 - 09:37 Uhr Kommentieren
Die EZB-Chefin hat bereits im Vorfeld der Ratssitzung weitere Lockerungen der Geldpolitik in Aussicht gestellt. Quelle: Reuters
Christine Lagarde

Die EZB-Chefin hat bereits im Vorfeld der Ratssitzung weitere Lockerungen der Geldpolitik in Aussicht gestellt.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Unter Notenbankern galt lange die Maxime, sich nie zu sehr im Voraus festzulegen. Von dieser Devise ist EZB-Chefin Christine Lagarde vor der Ratssitzung am Donnerstag abgewichen.

In den vergangenen Wochen hat sie bereits sehr deutlich gemacht, dass sie die Geldpolitik weiter lockern will. Alle Instrumente müssten neu justiert werden – so ihr Tenor. So hob sie vor allem die Bedeutung von Anleihekäufen und günstigen Langfristkrediten für die Banken hervor.

Trotz dieser klaren Signale in Richtung einer nochmals gelockerten Geldpolitik hat der Wechselkurs des Euro im Vorfeld der Sitzung zugelegt. Dies ist deshalb bemerkenswert, weil der Markt die neuen Schritte der EZB zumindest teilweise schon vorweggenommen haben dürfte.

Neben Anleihekäufen, Entlastungen für die Banken und Bemerkungen zum Euro-Kurs wird Lagarde am Donnerstag außerdem die neuen Prognosen der EZB für das Wachstum und die Inflation im Euroraum vorstellen. Interessant wird zudem sein, wie geschlossen der EZB-Rat auftritt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Auf folgende fünf Themen kommt es an:

    1. Wie stark weitet die EZB die Anleihekäufe aus?

    Der wichtigste Hebel der EZB zur Lockerung ihrer Geldpolitik sind höhere Anleihekäufe. In der Corona-Pandemie hat sie das Notprogramm PEPP aufgelegt, das sich aktuell auf 1,35 Billionen Euro beläuft und bis Mitte 2021 befristet ist. Von diesem Volumen hatte sie bis Ende November rund 700 Milliarden Euro ausgeschöpft.

    Kauft sie im aktuellen Tempo von zuletzt durchschnittlich 15 Milliarden Euro pro Woche weiter, würde dies bis Herbst 2021 reichen. Um das Programm zeitlich zu verlängern, ist aber ein höheres Gesamtvolumen nötig.

    Grafik

    „Wird das Programm bis Juni 2022 verlängert, müsste das Gesamtvolumen bei dem aktuellen Kauftempo um 450 Milliarden Euro angehoben werden,“ erklärt der Analyst des Schweizer Vermögensverwalters Pictet, Frederik Ducrozet. Die meisten Ökonomen erwarten eine Erhöhung um mindestens 500 Milliarden Euro und Verlängerung bis Ende 2021 oder Mitte 2022.

    Zudem läuft bisher auch ein älteres Anleihekaufprogramm mit dem Kürzel APP über das die EZB monatlich für 20 Milliarden Euro Anleihen kauft. Es wird erwartet, dass dieses Programm mit offenem Ende verlängert wird.

    2. Entlastet die EZB die Banken?

    Zudem dürfte die Notenbank die Banken entlasten. Eine große Sorge ist, dass es im nächsten Jahr zu einer Insolvenzwelle kommt und die Institute wegen höherer Kreditausfälle in Bedrängnis geraten. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte zuletzt im Interview mit dem Handelsblatt gesagt, dass manche Banken laut Umfragen bereits die Kreditstandards verschärfen. Wichtig ist aus ihrer Sicht zu verhindern, dass der wirtschaftliche Abschwung durch den Bankensektor noch verschärft wird.

    Um den Instituten entgegenzukommen, könnte die EZB die Konditionen ihrer Langfristkredite für Banken – in der Fachwelt „TLTROs“ genannt – noch günstiger gestalten. „Eine Anpassung der TLTRO-Modalitäten würde zusammen mit anderen Maßnahmen dazu beitragen, die erwartete Straffung der Kreditbedingungen zu mildern“, urteilt Allianz-Ökonomin Katharina Utermöhl.

    Denkbar wäre, dass die EZB die Frist verlängert, in der Banken sich unter bestimmten Bedingungen zum günstigsten Zinssatz von minus ein Prozent Geld bei ihr leihen können. Pictet-Analyst Frederik Ducrozet rechnet mit einer Verlängerung bis Juni 2022. Zudem könnte das maximale Volumen erhöht werden, das eine einzelne Bank in Anspruch nehmen kann. Auch eine weitere Senkung des Zinses auf unter minus ein Prozent ist möglich.

    Außerdem könnte die EZB den Banken bei den Minuszinsen entgegenkommen. Aktuell müssen die Institute für überschüssige Liquidität, die sie bei der Notenbank halten, einen Zins von minus 0,5 Prozent zahlen. Im vergangenen Jahr hat die EZB jedoch einen Freibetrag eingeführt. Ausgenommen von den Minuszinsen ist demnach das Sechsfache der Mindestreserven einer Bank. Die EZB könnte diesen Freibetrag nun erhöhen, zum Beispiel auf das Achtfache.

    3. Drückt Christine Lagarde den Euro-Kurs?

    Investoren werden außerdem darauf achten, ob sich EZB-Chefin Lagarde zum Wechselkurs des Euro äußert. Im Vorfeld der EZB-Sitzung ist dieser bis über die Marke von 1,20 US-Dollar gestiegen - das höchste Niveau seit April 2018.

    Für die Notenbank ist dies ein Problem. Denn dadurch werden einerseits Exporte aus Europa auf dem Weltmarkt teurer, was das Wachstum mindert, andererseits werden Importe billiger, was die Inflation drückt.

    Dies ist gerade zum jetzigen Zeitpunkt besonders unpassend, wo die Folgen der Corona-Pandemie auf der Inflation lasten und die Preise im Euro-Raum sinken. Bereits im September hatte der Euro die Marke von 1,20 US-Dollar übersprungen. Damals intervenierte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane, indem er sagte, der Euro-Kurs sei relevant für die Geldpolitik. Kurz danach äußerte sich auch Lagarde in ihrer Pressekonferenz dazu, wenn auch nicht ganz so deutlich.

    Grafik

    DZ-Bank-Analyst Christian Reicherter erwartet, dass sie dies nun noch einmal bekräftigt. „Im Zuge der Pressekonferenz dürfte Lagarde sicherlich anmerken, dass man die Währungsentwicklung und deren Auswirkungen auf die Teuerung genau im Blick habe“, sagt er.

    Lagarde kann den Euro-Kurs aber nicht nur mit Worten beeinflussen, sondern auch mit Taten. Da sie Lockerungen schon im Vorfeld angedeutet hat, dürfte der Markt viel vorweggenommen haben. Dennoch gibt es Überraschungspotenzial. Relevant für den Wechselkurs wären vor allem eine größer als erwartete Ausweitung der Anleihekäufe oder eine Zinssenkung. Beides würde den Euro-Kurs tendenziell schwächen.

    4. Passt die EZB ihre Prognosen für Wachstum und Inflation an?

    Die EZB legt außerdem neue Prognosen zur Wachstums- und Inflationsentwicklung im Euro-Raum vor. Die jüngste Euro-Aufwertung dürfte darin aber noch nicht vollständig berücksichtigt sein, weil sie Größtenteils nach dem Stichtag erfolgte. Dennoch gehen die meisten Ökonomen davon aus, dass die Notenbank die Prognosen für 2021 nach unten korrigieren wird.

    Pictet-Analyst Frederik Ducrozet sieht hier gegensätzliche Faktoren im Spiel. Einerseits gibt es durch die Corona-Impfstoffe nun Hoffnung auf eine Aufhellung der Weltwirtschaft. Andererseits belasten die schärferen Einschränkungen der Wirtschaft im vierten Quartal und der starke Euro das Wachstum. „Verschleppungseffekte wegen des schwachen Wachstums im vierten Quartal und der niedrigen Inflation werden wahrscheinlich zu einer Herabstufung für 2021 führen“, erwartet Ducrozet.

    Die Ökonomen des vom Handelsblatt moderierten EZB-Schattenrats erwarten für nächstes Jahr ein Wachstum von 4,4 Prozent und eine Inflation von 0,9 Prozent – die EZB selbst ging in ihren Prognosen im September noch von einem Wachstum von 5 Prozent und einer Inflation von 1,0 Prozent aus.

    5. Wie geschlossen handelt der EZB-Rat?

    Interessant wird zudem, wie geschlossen der EZB-Rat bei seinen Entscheidungen agiert. Als die Notenbank im Frühjahr die historische Entscheidung für das Notfallprogramm PEPP traf, gab es innerhalb des Gremiums zwar unterschiedliche Positionen über die Ausgestaltung, diese wurden aber nicht an die Öffentlichkeit getragen.

    Nach der September-Sitzung hatten einzelne Mitglieder vermehrt unterschiedliche Auffassungen über den weiteren Kurs geäußert. Zuletzt war es wieder ruhiger geworden. Nach der Sitzung wird sich zeigen, ob das so bleibt.

    Mehr: Der starke Euro zwingt die EZB zum Handeln - nun droht ein versteckter Währungskrieg

    Startseite
    Mehr zu: Geldpolitik in der Corona-Pandemie - Die EZB justiert die Instrumente neu: Auf diese fünf Punkte kommt es heute bei der Ratssitzung an
    0 Kommentare zu "Geldpolitik in der Corona-Pandemie: Die EZB justiert die Instrumente neu: Auf diese fünf Punkte kommt es heute bei der Ratssitzung an"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%