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Geldpolitik Investoren im Bann der Notenbanken: Gibt es neue Zins-Signale?

Die US-Notenbank Fed entscheidet am Mittwoch über die Zinspolitik. Zudem treffen sich die Entscheider der EZB zur Konferenz in Sintra. Von beiden Ereignissen könnten wichtige Signale für Investoren ausgehen.
1 Kommentar
EZB & US-Notenbank Fed: Investoren im Bann der Notenbanken Quelle: Bloomberg
Mario Draghi

Der EZB-Präsident hat zuletzt eine Lockerung der Geldpolitik angedeutet.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Wenn Mario Draghi am Dienstag auf der EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra spricht, sollten Investoren auf der Hut sein. Vor zwei Jahren hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank mit seiner Rede dort für heftige Reaktionen an den Märkten gesorgt. Vor allem der Euro legte kräftig zu, denn Draghis Worte damals waren als Signal für eine Wende hin zu einer Normalisierung der Geldpolitik aufgefasst worden.

Inzwischen hat sich die Stimmung gedreht. Zuletzt haben sowohl EZB-Präsident Draghi als auch der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Jerome Powell, eher wieder eine Lockerung der Geldpolitik angedeutet. Vor allem für die USA erwarten Investoren bereits Zinssenkungen in diesem Jahr.

Aber auch Mario Draghi hat bei den Anlegern Fantasie auf eine Lockerung der Geldpolitik geweckt. So hat er auf seiner Pressekonferenz Anfang Juni gesagt, dass im Rat auch über noch niedrigere Zinsen oder höhere Käufe von Anleihen diskutiert wurde, zurzeit werden nur auslaufende Zinspapiere ersetzt. Er nannte diese Diskussion als Beleg dafür, dass die Notenbank im Zweifel alle verfügbaren Mittel einsetzen werde.

Auf Nachfrage stellte er zudem klar, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung als nächsten Schritt nicht größer sei als die einer Senkung. Zuvor hatte er außerdem gesagt, dass die Notenbank mögliche Entlastungen der Banken bei den Minuszinsen prüft. Derzeit zahlen Banken, die überschüssige Liquidität bei der EZB halten, einen Minuszins von 0,4 Prozent.

Ein großer Sorgenfaktor für Draghi und seine Kollegen aus dem EZB-Rat sind derzeit die sehr niedrigen Inflationserwartungen. Sprich: Investoren gehen davon aus, dass die Inflation im Euroraum auch in den kommenden Jahren sehr niedrig bleibt – und die EZB ihr Ziel einer Inflation von knapp unter zwei Prozent auf Dauer verfehlen wird.

Sendet die US-Notenbank neue Signale?

Die Gefahr ist, dass solche Erwartungen eine Abwärtsdynamik anstoßen. Wenn beispielsweise die Tarifparteien von einer sehr niedrigen Inflation ausgehen, könnte das zu geringeren Lohnabschlüssen führen und so die Inflation noch weiter drücken.

Der österreichische Notenbankchef Ewald Nowotny sagte im Handelsblatt-Interview, dass die Inflationserwartungen langfristig gesunken seien. Er fordert, dass dies in die Langfriststrategie der Notenbanken eingehen sollte.

Die US-Notenbank Fed ist derzeit dabei, ihre geldpolitische Strategie zu überprüfen. Einen ähnlichen Schritt erwartet Nowotny auch demnächst von der EZB. Möglicherweise wird es auch dazu in Sintra Hinweise geben.

In den USA richten sich die Blicke zunächst auf die Zinssitzung der Fed und die darauffolgende Pressekonferenz von Notenbankchef Jerome Powell am Mittwoch. Dabei geht es vor allem darum, ob das Institut die Zinsen senkt oder einen solchen Schritt in Aussicht stellt.

Investoren spekulieren seit Längerem darüber. Für die Sitzung am Mittwoch rechnen sie zwar nicht damit. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Fed-Sitzung im Juli dazu kommt, taxieren sie aber auf rund 90 Prozent.

Die Fed könnte in dieser Woche aber zumindest ihre Kommunikation anpassen. Die Erwartungen der Märkte und die Einschätzungen der Notenbank gehen derzeit noch stark auseinander. Die Führungsmitglieder der Notenbank gehen bislang mehrheitlich noch von keinem Zinsschritt in diesem Jahr und einer Zinserhöhung im kommenden Jahr aus.

Dagegen werden an den Märkten schon Zinssenkungen für dieses Jahr eingepreist. Daher dürften die Märkte am Mittwoch sehr sensibel auf jegliche Andeutungen zur Zinspolitik reagieren.

Die Deutsche Bank beispielsweise hat vor Kurzem ihre Prognose so angepasst, dass sie von drei Zinssenkungen in diesem Jahr ausgeht, jeweils um 25 Basispunkte im Juli, September und Dezember. Aktuell liegt der geldpolitische Schlüsselsatz in der Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Dagegen erwartet der Chefökonom von Goldman Sachs, Jan Hatzius, in diesem Jahr keine Zinssenkung.

Auch Notenbanken in London und Tokio tagen

Eine wichtige Rolle für den weiteren Kurs der Fed spielt die Frage, wie sich der Handelskonflikt der USA mit China entwickelt. Im Falle einer weiteren Eskalation würden Zinssenkungen in den USA wahrscheinlicher. Möglicherweise will die Fed vor einem möglichen Zinsschritt das geplante Treffen von US-Präsident Trump mit dem chinesischen Präsidenten Xi abwarten.

Ein anderer Faktor ist der politische Druck für eine Zinssenkung, den US-Präsident Donald Trump auf die Notenbank aufgebaut hat. Er hat wiederholt eine baldige Zinssenkung gefordert. Das könnte einen solchen Schritt für die Fed letztlich schwerer machen, weil so der Eindruck politischer Einflussnahme entstehen könnte.

Neben der EZB-Konferenz in Sintra und der Fed-Sitzung tagen diese Woche auch die britische und die japanische Notenbank. Bei der Sitzung der Bank von England am Donnerstag wird erwartet, dass die Notenbanker vor einer endgültigen Entscheidung über die Art des Brexit die Füße stillhalten. Auch die japanische Notenbank wird am Donnerstag ihren Leitzins wohl nicht antasten.

Mehr: Schwache Nachfrage, wenig Investitionen, geringes Wachstum – das führt dazu, dass Zinsen niedrig bleiben. Warum sogar weitere Zinssenkungen möglich sind.

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1 Kommentar zu "Geldpolitik: Investoren im Bann der Notenbanken: Gibt es neue Zins-Signale?"

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  • Ich bitte Sie, kennen Sie denn nicht Mario Draghis Lieblingslied?

    https://www.youtube.com/watch?v=gOsM-DYAEhY

    "Whatever it takes" - das geht halt solange, bis ihm der Euro um die Ohren fliegt.
    Dann MÜSSEN die Zinsen hoch, sogar innert kürzester Zeit. Die BoE weiß davon ein trauriges und ein gewisser George Soros ein fröhliches Lied zu singen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Mittwoch

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