Geldpolitik Japans Notenbank bleibt bei ultra-lockerer Geldpolitik

Lange Zeit war Japan in einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale gefangen. Doch die lockere Geldpolitik zeigt mittlerweile Wirkung. Die Notenbank bleibt deshalb dabei.
Update: 15.06.2018 - 10:48 Uhr Kommentieren
Die Bank of Japan belässt den Strafzins auf Einlagen von Finanzinstituten bei 0,1 Prozent. Quelle: dpa
Japans Notenbank

Die Bank of Japan belässt den Strafzins auf Einlagen von Finanzinstituten bei 0,1 Prozent.

(Foto: dpa)

TokioTrotz des strafferen geldpolitischen Kurses in den USA bleibt Japans Notenbank ihrer ultra-lockeren Geldpolitik treu. Sie entschied am Freitag, den Strafzins auf Einlagen von Finanzinstituten bei 0,1 Prozent zu halten. „Ich denke nicht, dass wir unsere Politik derzeit überdenken müssen“, sagte Zentralbankchef Haruhiko Kuroda. Die Währungshüter in Tokio versuchen seit Jahren mit Wertpapierkäufen in großem Stil, die Konjunktur anzukurbeln und die als zu niedrig betrachtete Inflation anzuheizen. Laut Kuroda sollte die Notenbank dabei bleiben, geduldig kräftige Geldspritzen zu vergeben. Sie sei weiterhin ihrem Ziel verpflichtet, die angestrebte Inflationsmarke von zwei Prozent so schnell wie möglich zu erreichen.

Die Notenbank versucht seit Jahren mit Wertpapierkäufen in großem Stil, die Konjunktur anzukurbeln und die als zu niedrig eingeschätzte Inflation anzuheizen. Eine Spirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und stockenden Investitionen hatte das Land lange Zeit gelähmt. Die Japaner schoben Käufe auf in der Hoffnung auf immer niedrigere Preise.

Noch immer ist das Inflationsniveau relativ niedrig: Der Anstieg der Verbraucherpreise bewege sich in einer Spanne von 0,5 bis ein Prozent, erklärte die Notenbank. Diese Einschätzung fällt etwas niedriger aus als im April bei der vorherigen Zinsentscheidung. Damals hatte die Notenbank erklärt, die Teuerung bewege sich um ein Prozent. Angesichts des absehbar weiter hohen Abstands zum Inflationsziel sei eine Debatte über einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik verfrüht, sagte Kuroda.

In den USA ist die Zentralbank (Fed) hingegen mitten in einer Phase der Zinserhöhungen, da die Wirtschaft rundläuft und die Inflation anzieht. Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell strafften die Zügel daher am Mittwoch weiter: Das Zinsniveau liegt nun in einer Spanne zwischen 1,75 und 2,0 Prozent. Eine Zwei vor dem Komma hatte es zuletzt vor zehn Jahren gegeben und damit vor dem Höhepunkt der Finanzkrise.

Mit der Zinsanhebung wird der Standort USA für Kapitalanleger immer attraktiver, während aus Schwellenländern wie der Türkei und Brasilien Geld abfließt. Laut Kuroda wird die US-Zinserhöhung per se jedoch nicht dazu führen, dass in den betroffenen Ländern die Volkswirtschaften insgesamt Schaden nehmen werden.

Nach Ansicht von LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert wird die Bank of Japan (BoJ) ihren geldpolitischen Kurs dieses Jahr beibehalten: „Die aktuelle Entwicklung der Handelsstreitigkeiten der EU und Chinas mit den USA dürfte ein weiterer Punkt sein, der aus Sicht der BoJ für eine Beibehaltung der ultraexpansiven geldpolitischen Ausrichtung spricht. Und dies zumal niemand weiß, ob und wann es US-Präsident Donald Trumps Bewusstseinsschwelle erreicht, dass auch Japan sehr hohe Handelsüberschüsse mit den USA erzielt.“ 

  • rtr
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