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Geldpolitik Japans Notenbank wird größter Aktionär des Landes

Die Bank von Japan machte Aktienkauf zum Mittel der Geldpolitik. Nun wachsen die Sorgen über verzerrte Märkte und weniger Reformdruck auf Konzerne.
07.12.2020 - 15:22 Uhr Kommentieren
Die lockere Geldpolitik der Zentralbank verschiebt die Gewichte an den Märkten. Quelle: Reuters
Sitz der japanischen Notenbank in Tokio

Die lockere Geldpolitik der Zentralbank verschiebt die Gewichte an den Märkten.

(Foto: Reuters)

Tokio Die Bank von Japan ist schon lange ein Pionier beim Kauf von Aktien. Bereits 2010 begann sie, börsengehandelte Aktienfonds (ETFs) zu erwerben. Nun ist das passiert, was damals nur wenige wahrhaben wollten: Japans Notenbank könnte erstmals den nationalen Pensionsfonds GPIF als größten Anteilseigener an der japanischen Börse überholt haben.

Nach einer Schätzung von Shingo Ide, dem Chefstrategen des Wirtschaftsforschungsinstitut des Lebensversicherers Nippon Life, wuchs der Wert des Aktienportfolios der Bank von Japan bis Ende November auf 45,1 Billionen Yen. Dagegen landete der GPIF in Ides Kalkulation nur auf 44,8 Billionen Yen.

Damit ist der Wechsel an der Spitze der stabilen staatlichen Player am Tokioter Aktienmarkt zwar noch nicht offiziell. Aber die Zahlen verdeutlichen die Nebenwirkungen einer Geldpolitik, die nach Jahren der Nullzinspolitik in ihrer Not zu unkonventionellen Methoden greifen musste: Der GPIF und die Bank von Japan dürften inzwischen etwa 14 Prozent der Tokioter Börse kontrollieren.

Der wachsende Anteil der beiden Akteure schürt am Markt schon lange die Sorgen, erstens den Markt zu verzerren und zweitens den Reformdruck auf Unternehmen zu senken. Denn besonders die Notenbank kauft nur ETFs, die sich auf die großen Werte stützen. Immerhin waren die beiden Organisationen schon 2019 in mehr als 80 Prozent der Unternehmen an der Tokioter Börse einer der größten Aktionäre.

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    Schon vor der Coronakrise stellte eine Studie des halbstaatlichen Forschungsinstituts Rieti fest, dass die Aktienkäufe damit „beträchtliche Auswirkungen“ auf den Markt gehabt hätten. Und genau das hatten die Geld- und Währungshüter auch beabsichtigt, als sie 2010 ihre ETF-Käufe einführten.

    Ein Ausweg ist nicht in Sicht

    Die Notenbank versuchte damit, die Risikobereitschaft der Japaner anzuregen, um Japan aus der Deflation und dem Börsentief herauszuholen. Nur hat sie bisher keinen Ausweg aus dieser Politik gefunden. Mit jeder Krise erhöhte die Notenbank die ETF-Käufe. Auf dem Höhepunkt des Corona-Crashes im März verdoppelte sie die Maximalsumme ihres Kaufprogramms sogar von sechs auf zwölf Billionen Yen pro Jahr.

    Dies hatte zwar den gewünschten Erfolg: Der Markt drehte sich. Inzwischen erreicht der Nikkei-Index mit über 26.000 Yen wieder Werte von Mitte 1988, eineinhalb Jahre vor dem Platzen der enormen japanischen Spekulationsblase. Doch wird die Notenbank damit in immer mehr Firmen zum größten Einzelaktionär – und damit zu einem größeren Problem für gute Corporate Governance als der GPIF.

    Der GPIF übt wenigstens indirekt über seine beauftragten Fondsmanager Druck auf die Firmen aus, höhere Renditen zu erzielen. Die Notenbank ist dagegen ein extrem stiller Investor, der zudem seine ETF-Anteile nach Einschätzung von Experten noch lange halten wird. Denn ein Verkauf könnte die Aktienkurse abstürzen lassen.

    Die Sorge ist, dass sie damit die Erfolge der Regierung schmälert, durch Governance-Reformen den Aktionärsdruck auf Firmenführungen zu erhöhen. Und ihr Gewicht dürfte noch größer werden. Die Notenbank wird ihr jährliches Kaufziel zwar nicht ausschöpfen. Aber selbst bei dem jetzigen Tempo „wird die Lücke im Aktienbesitz zwischen der Bank von Japan und dem GPIF noch wachsen“, zitierte Bloomberg den Studienautor Ide.

    Mehr: Japans Zentralbank startet 2021 Tests zur digitalen Währung.

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