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Geldpolitik Negativrekord: Immer mehr Anleger zahlen dafür, dass man ihnen ihr Geld abnimmt

Die Menge der negativ verzinsten Anleihen erreicht einen Rekordwert, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mitteilt. Der Boom erscheint den Ökonomen suspekt.
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Die BIZ dient nicht nur als Zentralbank für Notenbanken wie die Bundesbank oder die amerikanische Fed, sondern auch als Koordinationsgremium. Quelle: picture alliance / Rolf Haid
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)

Die BIZ dient nicht nur als Zentralbank für Notenbanken wie die Bundesbank oder die amerikanische Fed, sondern auch als Koordinationsgremium.

(Foto: picture alliance / Rolf Haid)

Zürich Negative Zinsen galten lange als verpönt: Wieso sollte ein Gläubiger einen Schuldner dafür bezahlen, dass er ihm Geld abnimmt? Doch gut fünf Jahre, nachdem die Europäische Zentralbank als erste große Zentralbank Negativzinsen eingeführt hat, hat sich dieses Bild geändert. Das geht aus dem jüngsten Quartalsbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hervor.

Laut der „Notenbank der Notenbanken“ hat die Zahl der negativen verzinsten Anleihen einen Rekordstand erreicht. Demnach standen an den Finanzmärkten im August negativ verzinste Bonds über rund 17 Billionen US-Dollar aus. Der bisherige Höchststand von 12 Billionen Dollar aus dem Jahr 2016 wurde damit weit übertroffen. 

Mit den negativen Zinsen wollen Notenbanken wie die EZB, die Schweizer SNB oder die Bank of Japan dafür sorgen, dass mehr Geld investiert wird. Das soll für mehr Wirtschaftswachstum und eine höhere Inflation sorgen. Über Nutzen und Schaden der außergewöhnlichen Geldpolitik wird immer wieder diskutiert.

Was manche Analysten spöttisch als „New Normal“, also den neuen Normalfall bezeichnen, scheint der BIZ nicht ganz geheuer. „Für das Privileg, ihr Geld loszuwerden, sind immer mehr Anleger bereit, draufzuzahlen“, sagt Claudio Borio, der Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ. Selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise sei das noch undenkbar gewesen. „Es ist etwas beunruhigend, wenn das Undenkbare zum Normalfall wird.“

Vor den möglichen Nebenwirkungen für das Finanzsystem – etwa für die Profitabilität der Banken oder Marktverwerfungen – hatte die BIZ bereits in der Vergangenheit gewarnt.

Unklarheit über Zugehörigkeit der Papiere

Doch die These zum neuen Normalfall trifft zu. Laut der BIZ lautete zuletzt die Hälfte der negativ verzinsten Anleihen auf den Euro, weitere vierzig Prozent auf den japanischen Yen. Der Anteil des US-Dollar sei dagegen zu vernachlässigen. 

Auch die BIZ kann nicht genau sagen, wer die negativ verzinsten Papiere hält. Doch dürften neben den Notenbanken auch institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Versicherer dazugehören.

In ihrem Quartalsbericht widmen sich die Notenbanker aber auch den Firmen, die regelmäßig von Berufswegen über die Negativzinsen klagen, nämlich den Großbanken. Demnach sei das Risiko für das Finanzsystem durch die global systemrelevanten Banken („G-SIB“) gesunken. Zu dieser Gruppe der Banken-Schwergewichte zählen 29 Institute, darunter auch die Deutsche Bank

Der BIZ zufolge zeigen die neuen regulatorischen Rahmenbedingungen, die nach der Finanzkrise beschlossen wurden, ihre Wirkung. So seien die Eigenkapitalquoten der Großbanken gestiegen, zudem hätten die Institute stabilere Finanzierungsquellen erschlossen. 

Zugleich seien die „besonders wichtigen Institute“ nicht mehr so wichtig wie in der Vergangenheit: Ihre systemische Relevanz sei im Verhältnis zu anderen Banken gesunken, so die Experten aus Basel.

Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh. Vor allem die niedrige Profitabilität schränke den Spielraum der Institute ein, so die BIZ. Mancher Banker dürfte zustimmen – und auf die Negativzinsen verweisen, die laut Branchenvertretern an den Gewinnen nagen.

Mehr: Für Anleger funktioniert die klassische Aufteilung in Zins- und Dividendenpapiere nicht mehr. Die Lösung ist im Grunde simpel: So gehen Experten mit Niedrigzinsen um.

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