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Geldpolitik Schweden verabschiedet sich von den Minuszinsen

Die schwedische Reichsbank war eine der ersten großen Notenbanken der Welt, die Minuszinsen eingeführt hat. Nun beendet sie das Experiment wieder.
19.12.2019 Update: 19.12.2019 - 13:49 Uhr Kommentieren
Vor etwa fünf Jahren hatte die Riksbank den negativen Leitzins eingeführt. Quelle: dpa
Schweden

Vor etwa fünf Jahren hatte die Riksbank den negativen Leitzins eingeführt.

(Foto: dpa)

Stockholm Vor knapp zehn Jahren war die schwedische Notenbank eine der ersten weltweit, die ihre Zinsen unter die Schwelle von Null senkte. Damit ist nun Schluss. Wie die Reichsbank am Donnerstag in Stockholm mitteilte, steigt ihr Leitzins von minus 0,25 Prozent auf null Prozent.

Der Schritt kam nicht überraschend – die Notenbank hatte ihn schon seit längerem vorbereitet. Die schwedische Reichsbank begründete die Entscheidung damit, dass die Inflation seit Anfang 2017 nahe dem angestrebten Ziel der Notenbank von zwei Prozent sei und gute Aussichten bestünden, dass dies auch so bleibe. Sie geht davon aus, dass der Zins „in den kommenden Jahren“ bei null Prozent bleibt.

„Nach einer Fünfjahresperiode lassen wir die Minuszinsen hinter uns“, sagte Reichsbankchef Stefan Ingves. „Es ist aber noch zu früh für eine Bilanz, doch im Großen und Ganzen hat es gut funktioniert“. Die Arbeitslosigkeit sei gesunken, die Inflation nahe am Zwei-Prozent-Ziel.

Weltweit schauen Notenbanken darauf, wie der Kurswechsel in Schweden gelingt. Nach der Finanzkrise haben mehrere große Notenbanken die Zinsen unter Null gesenkt, darunter die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Notenbanken in Japan, Dänemark und der Schweiz.

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    Sie halten bislang daran fest und haben es sich noch nicht getraut umzusteuern. Auch anderswo sind die Minuszinsen aber höchst umstritten.

    Aber auch den Kurswechsel der schwedischen Notenbank halten Experten für riskant. Karolina Ekholm, die fünf Jahre lang stellvertretende schwedische Zentralbankchefin war, kritisiert den Zeitpunkt der Entscheidung. „Wenn man die Negativzinsen so lange beibehalten hat, ist es schwer zu verstehen, warum sie gerade jetzt erhöht werden“, sagte sie der Zeitung „Svenska Dagbladet“.

    Probleme der Minuszinsen

    Auch andere Ökonomen sind skeptisch, ob der Schritt am Ende eines Konjunkturzyklus richtig ist. „Das große Risiko besteht darin, dass die Märkte ihr Vertrauen in die Reichsbank verlieren“, sagte Peder Beck-Friis, Kapitalverwalter bei der US-Investmentgesellschaft Pimco.

    Grafik

    Die Entscheidung der schwedischen Notenbank wird als Zeichen gesehen, dass Minuszinsen über einen längeren Zeitpunkt zu Problemen führen. „Der Eindruck ist, dass die Notenbank die Zinsen auf Null erhöht, um Risiken durch zu lange negative Zinsen zu mindern,“ schreibt der Chef-Analyst der Nordea Bank, Torbjörn Isaksson, in einem Kommentar.

    Die Analysten der niederländischen ING schreiben, zuletzt habe sich gezeigt, dass die Entscheidungsträger der Notenbank „zunehmend auf negative Zinssätze und die möglichen Auswirkungen auf die Erwartungen der Menschen bedacht sind.“

    Im Euroraum hat die EZB den entscheidenden Einlagenzins im September von minus 0,4 auf 0,5 Prozent sogar noch weiter gesenkt. Die Minuszinsen sind aber umstritten.

    Vor allem die Banken befürchten negative Folgen für den Finanzsektor. Viele Institute verdienen vor allem am Zinsgeschäft, dessen Margen durch niedrige Zinsen sinken.

    Ökonomen halten Schweden allerdings auch nur bedingt mit der Eurozone vergleichbar. Ein wichtiger Faktor für die vergleichsweise höhere Inflation dort ist die Abwertung der heimischen Währung. Die schwedische Krone hat in den vergangenen fünf Jahren um etwa zehn Prozent gegenüber dem Euro abgewertet und sogar um über 18 Prozent im Vergleich zum US-Dollar.

    Ein schwächerer Wechselkurs macht Importe aus dem Ausland teurer und erhöht so die Inflation. In kleineren Ländern spielt der Wechselkurs jedoch eine größere Rolle für die Inflationsentwicklung als in größeren Wirtschaftsräumen wie der Euro-Zone.

    Mehr: Wenn Banken Negativzinsen verlangen wollen, sollten Kundengelder als Sondervermögen gelten. Es muss Waffengleichheit zwischen Kunde und Bank herrschen. Lesen Sie hier den ganzen Kommentar.

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