1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Geldpolitik
  4. Schweizer Notenbank erhöht Leitzins um 0,75 Prozentpunkte – und gibt Negativzinsen auf

GeldpolitikSchweizer Notenbank erhöht Leitzins um 0,75 Prozentpunkte – und gibt Negativzinsen auf

Die Notenbank hebt ihren Leitzins erneut an. Damit sind die Negativzinsen der SNB nach beinahe acht Jahren Geschichte. 22.09.2022 - 15:16 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die SNB geht vorerst von einem erhöhten Teuerungsniveau aus.

Foto: dpa

Zürich. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hebt ihren Leitzins weiter an und gibt als eine der letzten Zentralbanken die Negativzinsen auf. Angesichts eines erneut gestiegenen Inflationsdrucks wird der SNB-Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent angehoben, teilte die SNB am Donnerstag mit.

Und Notenbankchef Thomas Jordan stimmte die Finanzmärkte auf weiter anziehende Zinsen ein. „Wenn sie unsere neue bedingte Inflationsprognose betrachten, sehen sie, dass es am Ende des Prognosehorizonts eine Dynamik gibt, die nach oben zeigt“, sagte Jordan am Donnerstag. „Dies deutet klar darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Geldpolitik weiter gestrafft wird.“

Die Schweizer Währungshüter folgen mit ihrem Vorgehen anderen wichtigen Zentralbanken: Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) hatten wegen der hartnäckigen Teuerung zuletzt stark an der Zinsschraube gedreht. Die japanische Zentralbank hielt am Donnerstag an ihrem Zielzins von minus 0,1 Prozent fest.

Es sei nicht auszuschließen, dass weitere Zinserhöhungen nötig sein werden, um die Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewährleisten, erklärte die SNB weiter. Um für angemessene monetäre Bedingungen zu sorgen, will die Notenbank bei Bedarf am Devisenmarkt eingreifen. Die SNB hatte 2021 für 21,1 Milliarden Franken Fremdwährungen gekauft.

Mit der jetzigen Zinserhöhung sind die Negativzinsen der SNB nach beinahe acht Jahren Geschichte. Die Notenbank hatte diese am 18. Dezember 2014 eingeführt, zuerst mit einem Zins von minus 0,25 Prozent. Im Januar 2015 wurde der Leitzins mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses auf das rekordtiefe Niveau von minus 0,75 Prozent gesenkt.

Im Juni hatte die SNB dann nach mehr als sieben Jahren geldpolitischem Beharrens den Leitzins auf minus 0,25 Prozent angehoben. Seither ist die Teuerung in der Schweiz weiter gestiegen und auch der Druck auf das dreiköpfige SNB-Direktorium, sich der steigenden Inflation in der Schweiz entgegenzustemmen, hatte zuletzt zugenommen. Für August wiesen die Statistiker eine Inflation von 3,5 Prozent aus.

Im Vergleich zu mehr als acht Prozent in den USA und mehr als neun Prozent in der Euro-Zone ist die Teuerung vergleichsweise moderat, sie zieht seit mehreren Monaten aber stärker an als von der Notenbank angepeilt, die zwischen null und zwei Prozent anstrebt.

Und Notenbankchef Jordan warnte vor Zweitrundeneffekten wie einem Aufschaukeln von Preisen und Löhnen und ausufernden Inflationserwartungen. Preiserhöhungen würden verstärkt auf Waren und Dienstleistungen übergreifen, die nicht direkt vom Krieg in der Ukraine oder von den Pandemiefolgen betroffen sind, erklärte er.

Im laufenden Jahr rechnet die SNB nun mit drei Prozent Inflation, nachdem sie im Juni noch 2,8 Prozent veranschlagt hatte. Im kommenden Jahr werden 2,4 Prozent erwartet und 2024 dann 1,7 Prozent.

Zum Umfang oder zum Zeitpunkt künftiger Zinsschritte wollte sich Jordan nicht äußern. Um eine übermäßige Auf- oder Abwertung des Frankens zu verhindern, will die SNB bei Bedarf am Devisenmarkt eingreifen. Der Notenbankchef räumte ein, dass der stärkere Franken den Preisauftrieb in der Alpenrepublik dämpft. Ein Wechselkursziel verfolge die Notenbank nicht.

Seit dem Zinsschritt im Juni kostet die Hauptexportwährung Euro deutlich weniger als einen Franken. Ein starker Franken macht Schweizer Waren im Ausland teurer und damit weniger konkurrenzfähig - eine Gefahr, die bei der SNB inzwischen weniger stark gewichtet wird als ausufernde Preise. Im Anschluss an den von Ökonomen mehrheitlich erwarteten 0,75-Prozent-Zinsschritt gab die Landeswährung nach. Euro und Dollar verteuerten sich auf 0,9695 beziehungsweise 0,9825 Franken.

Verwandte Themen
Schweizerische Nationalbank
Fed
EZB
Schweiz
Ukraine
Inflation

Die Schweizer Wachstumsaussichten schätzt die SNB etwas pessimistischer ein als im Juni. Sie rechnet 2022 nun mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um rund zwei Prozent nach bisher rund 2,5 Prozent.

rtr, dpa
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt