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GeldpolitikSorge vor Lohn-Preis-Spirale: Schweizer Notenbank verdoppelt den Leitzins

Die Währungshüter in Zürich heben die Zinsen zum dritten Mal in Folge an. Auch weitere Zinserhöhungen schließt die SNB nicht aus.Jakob Blume 15.12.2022 - 11:33 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Notenbank hat die Leitzinsen erneut erhöht.

Foto: imago images/Andreas Haas

Zürich. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhöht wegen des andauernden Inflationsdrucks das dritte Mal in Folge die Zinsen. Der SNB-Leitzins werde um 0,5 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent angehoben, wie die Notenbank am Donnerstag mitteilte. Gleichzeitig signalisierte die Zentralbank, dass weitere Zinserhöhungen nötig sein könnten, um mittelfristig Preisstabilität zu gewährleisten. Um für angemessene monetäre Bedingungen zu sorgen, will die SNB zudem bei Bedarf am Devisenmarkt intervenieren.

Notenbankchef Thomas Jordan sagte: „Die Inflation ist seit August etwas zurückgegangen.“ Derzeit notiert die Teuerungsrate in der Schweiz bei drei Prozent. „Diese Entwicklung ist zwar erfreulich; für eine Entwarnung ist es jedoch zu früh“, stellte Jordan klar. Die Inflation liege immer noch deutlich über dem Niveau, das die SNB als Preisstabilität definiert. Die eidgenössische Notenbank hat sich einen Zielkorridor von null bis zwei Prozent verordnet.

Der am Donnerstag verkündete Zinsschritt fällt nicht ganz so stark aus wie im September: Damals hatte die SNB die Zinsen um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Dennoch hatten einige Ökonomen im Vorfeld angesichts fallender Inflationsraten einen Zinsschritt von lediglich 0,25 Prozentpunkten erwartet.

Jordan begründete die jüngste Zinsanhebung mit der Gefahr sogenannter Zweitrundeneffekte. Darunter verstehen Ökonomen beispielsweise höhere Lohnforderungen als Reaktion auf höhere Lebenshaltungskosten. Dies ist der erste Schritt zu einer Lohn-Preis-Spirale. Jordan sagte: „Die erneute Straffung unserer Geldpolitik ist notwendig, um sicherzustellen, dass die Inflation in der mittleren Frist in den Bereich der Preisstabilität zurückkehrt.“

Ökonom: SNB am Ende des Zinserhöhungszyklus angelangt

Zudem verwies Jordan auf den Inflationsdruck aus dem Ausland. Im Euro-Raum lag die Teuerungsrate zuletzt bei über zehn Prozent. Dies mache stärkere geldpolitische Reaktionen von ausländischen Notenbanken nötig, sagte der SNB-Chef. Er will mit frühen Zinserhöhungen und durch Interventionen am Devisenmarkt zur Stärkung des Franken verhindern, dass die Schweiz die höheren Inflationsraten importiert.

Aus Sicht von Jörg Angelé, Ökonom beim Vermögensverwalter Bantleon, hat die SNB mit der jüngsten Anhebung den Erhöhungszyklus weitgehend abgeschlossen. „Die sich abkühlende wirtschaftliche Entwicklung wird die Inflationsgefahren ebenso eindämmen wie der starke Wechselkurs des Franken.“

Möglich sei noch eine Erhöhung: „Die hohen Inflationsraten in den ersten Monaten des nächsten Jahres könnten die Währungshüter zum Anlass nehmen, im März einen finalen Zinsschritt auf 1,25 Prozent vorzunehmen.“ Ob es dazu kommt, hänge von der globalen Konjunktur und der Entwicklung der Energiepreise ab, so Angelé.

Die SNB geht vorerst von einem erhöhten Teuerungsniveau aus. Wie bereits im September rechnet sie im kommenden Jahr mit einer Inflation von 2,4 Prozent. 2024 wird dann mit 1,8 Prozent ein Rückgang in die angestrebte Zielspanne erwartet. Im laufenden Jahr dürften die Verbraucherpreise um 2,9 Prozent steigen.

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