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Geldpolitik US-Notenbank Fed erhöht den Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr

Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve Jerome Powell betont seine Unabhängigkeit gegenüber dem US-Präsidenten. Die Märkte reagieren enttäuscht.
Update: 19.12.2018 - 21:50 Uhr Kommentieren
USA: Fed erhöht den Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr Quelle: AP
Jerome Powell

Der Fed-Chef hat erneut die Zinsen angehoben.

(Foto: AP)

New YorkDie US-Zentralbank hat die Zinsen in den USA um einen Viertelprozentpunkt auf 2,25 – 2,50 Prozent erhöht. Es ist die vierte Zinserhöhung in diesem Jahr. Für das kommende Jahr hat die Fed die Aussicht von drei weiteren auf zwei weitere Zinserhöhungen reduziert.

Damit hat sich der Fed-Präsident Jerome Powell nicht dem Willen des US-Präsidenten gebeugt, der einen deutlich vorsichtigeren Kurs bevorzugt hätte. Auch der Aktienmarkt reagierte eher enttäuscht auf die Nachrichten: Während die US-Börsen vor der Fed-Entscheidung klar im Plus lagen, rutschten sie danach deutlich ins Minus.

Es war ein Drahtseil-Akt für Fed-Chef Jerome Powell. Der Präsident der US-Zentralbank musste die Märkte beruhigen und gleichzeitig zeigen, dass er gegenüber Donald Trump nicht einknickt. Der US-Präsident hatte Powell in den vergangenen Monaten und Wochen immer wieder angegriffen und langsamere Zinserhöhungen gefordert.

Trump bezeichnete die Fed erst vor ein paar Wochen als „größeres Problem als China“. Am Dienstag dieser Woche hatte der US-Präsident fast flehentlich getwittert: „Habt ein Gefühl für den Markt, lasst euch nicht von nichtssagenden Zahlen leiten. Viel Glück!“

Trump hat Angst, dass Zinserhöhungen die boomende Konjunktur in den USA unnötig abwürgen könnten. Außerdem laufen die Märkte schon lange nicht mehr so wie von ihm gewünscht. In den vergangenen zwölf Monaten haben die US-Aktien mehr als drei Prozent verloren.

US-Notenbank auf Autopilot? Warum Fed-Chef Jerome Powell die Märkte enttäuscht hat

Powell betonte in seiner Pressekonferenz die Unabhängigkeit der amerikanischen Zentralbank: „Politische Erwägungen haben überhaupt keine Rolle gespielt”, stellte er klar. „Wir konzentrieren uns allein auf den Auftrag, den wir vom Kongress bekommen haben“, sagte er. Das heiße, die Entscheidungen müssten unpolitisch und rein datenbasiert sein.

Zu Trumps Aufruf, ein Gefühl für die Märkte zu zeigen, betonte Powell: „Wir folgen den Märkten, aber von einem makroökonomischen Standpunkt aus muss man sich alle Märkte anschauen“ – also nicht nur die Aktienmärkte. Manchmal habe ein wenig Volatilität auch keine Auswirkungen auf die Realwirtschaft, gab er zu bedenken.

Auf die Frage, ob er sich sorge, Trumps Tweets beeinflussten seine Kommunikation mit den Märkten, antwortete er mit Nein. Die Fed mache weiter wie bisher: „Wir holen die besten Köpfe, die besten Daten und Umfragen und basieren darauf unsere besten Entscheidungen“, erklärte er.

Die jüngste Zins-Erhöhung haben die Board-Mitglieder der Fed einstimmig getroffen. Bei den möglichen Zinsschritten im kommenden Jahr gehen die Meinungen dagegen noch auseinander.

Die Wirtschaft sei weiterhin stark und werde auch weiter wachsen, sagte Powell. „2018 war das stärkste Jahr seit der Finanzkrise“, betonte er. Für 2019 rechnet die Fed damit, dass die Arbeitslosigkeit auf 3,5 Prozent fällt. Die Inflation werde bei rund zwei Prozent bleiben. Aber es zeichne sich eine leichte Abschwächung im Wachstum gegenüber dem ab, was sich noch vor wenigen Monaten abzeichnete. Deshalb stellte Powell nicht mehr drei Zinsschritte in Aussicht, sondern zwei.

„Wir glauben, dass es wahrscheinlicher ist, dass die Wirtschaft in einem Rahmen wachsen wird, der nach zwei Zinsschritten ruft“, sagte er. Dabei hält er sich die Option offen, gegebenenfalls auf neue Daten aus der Wirtschaft zu reagieren.

Sorge wegen Unternehmen und Kunden

Zu den angespannten Handelsbeziehungen der USA mit anderen Ländern sagte Powell, Geschäftsleute und Investoren seien besorgt, nicht so sehr wegen der Zölle an sich, als ehr wegen der Auswirkungen auf die Stimmung von Unternehmen und Kunden.

Dass die Fed ihre Zinsen um einen weiteren Viertelprozentpunkt auf eine Spanne zwischen 2,25 und 2,50 Prozent anhebt, galt im Vorfeld als fast sicher. Entscheidend war der Ausblick für das nächste Jahr.

Da die Fed ihr Inflationsziel von rund zwei Prozent erreicht hat, erwarten alle Experten, dass sie künftig kurzfristiger auf wirtschaftliche Daten reagiert. Deswegen durfte sich Powell am Mittwoch auch nicht zu sehr festlegen.

„Er hat alles auf den Tisch gelegt, aber sich nicht festgelegt“, beschreibt Michael Farr vom Vermögensberater Farr, Millar & Washington den Ausblick von Powell für das kommende Jahr. „Das ist die perfekte Nachricht an den Präsidenten“, lobt Farr.

„Sie haben genau das richtige getan“, kommentierte auch der frühere Wells-Fargo-CEO Richard Kovacevich im Fernsehsender CNBC die Entscheidung der Fed. „Ich denke sie sollten nächstes Jahr im März und Juni noch zwei weitere Male die Zinsen erhöhen und dann sechs Monate abwarten, wie sich die Lage entwickelt“, sagte er.

Märkte reagieren enttäuscht

Für die Märkte waren die Nachrichten eher enttäuschend. Sie hätten einen Aufschub der Zinserhöhung bevorzugt. „Dies ist ohnehin ein sehr nervöser Markt“, sagt Alicia Levine, Chef-Markt-Strategin von BNY Mellon. „Und nach dieser Entscheidung wird es ein schwieriger Markt bleiben bis zum Jahresende“, ist Levine überzeugt.

„Im Moment sieht es so aus, als hätten die Investoren einen Wutanfall“, beschreiben die BNP-Paribas-Ökonomen die Reaktion der Börse. Phil Camporeale, Portfolio-Manager von JP Morgan Asset Management dagegen verteidigt die Fed: „Das sind keine Trader“, betont er.

Auch auf die Realwirtschaft wird sich der Zinsschritt auswirken. Der Chefökonom des Automobil-Instituts Cox Automotive, Jonathan Smoke, gab zu bedenken, dass die Zinsen für Autokredite schon jetzt auf einem Sieben-Jahres-Hoch seien. „Die Ära günstiger Autokredite ist definitiv vorbei“, kommentierte Smoke.

Ende November hatte Powell die Märkte bereits auf einen etwas weniger aggressiven Kurs eingestimmt. Er sagte in New York, die Zinsen seien „nur leicht unter“ dem, was für die Konjunktur neutral wäre, was sie also weder befeuern noch abwürgen würde. Anfang Oktober noch hatte er gesagt: „Wir sind an diesem Punkt wahrscheinlich noch weit von neutral entfernt.“

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