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Geldpolitik US-Notenbank Fed erhöht Leitzins auf 2,0 bis 2,25 Prozent – und trotzt damit Trump

Gegen den Wunsch des US-Präsidenten erhöht die Fed den Leitzins zum dritten Mal in diesem Jahr. Ein weiterer Schritt noch 2018 ist wahrscheinlich. Trump reagiert prompt.
Update: 27.09.2018 - 01:02 Uhr Kommentieren

„Die Zinsen sollen weiter steigen“ – US-Notenbank Fed bleibt ihrer Linie treu

New YorkDonald Trump hatte eigentlich gehofft, dass ihm die US-Notenbank Federal Reserve „etwas hilft“, hatte er Ende August klargestellt. Schließlich hat der US-Präsident gerade erst mit einer umfassenden Steuerreform die Wirtschaft befeuert. Steigende Zinsen wären da kontraproduktiv.

Doch die Fed scheint sich für die Wünsche des US-Präsidenten nicht zu interessieren. Am Mittwoch hob sie den Leitzins wie erwartet erneut an – auf die Spanne von 2 bis 2,25 Prozent. Und weitere Zinsschritte sollen folgen.

Trump reagierte umgehend. „Leider haben sie die Zinsen gerade wieder erhöht. Ich bin darüber nicht glücklich“, sagte er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz bei der Uno in New York. „Ich würde lieber Schulden abbezahlen oder andere Dinge tun, mehr Jobs schaffen.“

„Wir berücksichtigen keine politischen Faktoren“, betonte Fed-Chef Jerome Powell, der von Trump ernannt wurde und seit Februar im Amt ist, auf einer Pressekonferenz. Die US-Wirtschaft sei weiter „stark“. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei nur 3,9 Prozent, die Inflation sei nach einer längeren Schwächephase am Zwei-Prozent-Ziel angekommen. „Wenn man auf die vergangenen zehn Jahre zurückschaut, ist dies ein besonders guter Moment für die US-Wirtschaft“, sagte Powell.

Doch er machte auch Einschränkungen. „Die Vorteile der wachsenden Volkswirtschaft haben nicht alle Amerikaner erreicht“, gab Powell zu bedenken. So haben sich die sozialen Ungleichheiten in den USA nach der Finanzkrise noch weiter vergrößert.

Die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Anhebung im Dezember stieg, wie die Fed am Mittwoch ebenfalls mitteilte. Zwölf der 16 Notenbanker haben sich dafür ausgesprochen. Bei der letzten Prognose im Juni waren nur acht Währungshüter dafür. 2019 rechnet die Fed damit, drei Mal die Zinsen anzuheben.

Die Fed versuche mit der Zinspolitik eine schwierige Balance zu finden. Auf der einen Seite wolle sie den Aufschwung nicht zu früh durch steigende Zinsen abwürgen. Auf der anderen Seite müssen die Notenbanker verhindern, dass die Wirtschaft überhitzt.

Die Geldpolitiker haben die Wachstumserwartungen für dieses Jahr am Mittwoch zum dritten Mal angehoben. Sie rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt um 3,1 Prozent wächst, statt um 2,8 Prozent wie noch im Juni angenommen. Im kommenden Jahr werde die Wirtschaft nach den Prognosen der Fed um 2,5 Prozent wachsen, 2020 um zwei Prozent und 2021 noch um 1,8 Prozent.

Leitzins werde ab 2020 bei 3,4 Prozent liegen

Die Währungshüter müssen versuchen, eine sogenannte weiche Landung zu orchestrieren – dabei würden steigende Zinsen das Wirtschaftswachstum leicht bremsen und die Arbeitslosenquote leicht anheben, ohne die Wirtschaft jedoch in eine Rezession zu stürzen. Das ist der Fed in ihrer 104 Jahre alten Geschichte bislang erst einmal gelungen.

Peter Hooper, Chefökonom der Deutschen Bank, glaubt jedoch, dass die Chancen für eine weiche Landung dieses Mal vergleichsweise gut stehen. „In der Vergangenheit gab es neben einem heiß gelaufenen Arbeitsmarkt immer auch ein Überinvestment im Häusermarkt und damit verbundene Ungleichgewichte. Doch das sehen wir dieses Mal nicht“, sagte er.

In ihrem Statement am Mittwoch verzichtete die Fed zum ersten Mal seit Jahren auf die Feststellung, dass die Geldpolitik „zurückhaltend“ („accomodative“) sei. Ökonomen werten das als ein Zeichen, dass sie sich an den sogenannten neutralen Zinssatz annähert, bei dem die Wirtschaft weder wächst noch schrumpft. Der Wert liegt Powell zufolge bei um die drei Prozent, lässt sich jedoch nicht exakt bestimmen.

Die Notenbanker gehen davon aus, dass der Leitzins Ende 2019 bei 3,1 liegen wird und in den beiden Jahren danach bei 3,4 Prozent. Die Zinsen würden 2021 damit nicht mehr steigen.

Der von Trump angezettelte Handelsstreit mit China und Europa bereite der Fed nach wie vor Sorgen, sagte Powell. Zwar würden sich die Effekte noch nicht in den Daten widerspiegeln. Doch gerade die Chefs der regionalen Notenbanken, die einen guten Draht in die Wirtschaft pflegen, berichten von zunehmend besorgten Unternehmern. „Die Bedenken steigen an“, sagte Powell. Unternehmer würden steigende Kosten beklagen, ebenso wie Gefahren für ihre Wertschöpfungsketten.

Zu den verbalen Attacken von US-Präsident Trump wollte sich Powell indes nicht äußern. Trump hatte im Sommer mit der Tradition seiner Vorgänger im Weißen Haus gebrochen und sich bewusst in die Geldpolitik eingemischt. „Wir konzentrieren uns ausschließlich auf unsere Mission“, betonte Powell, und die bestehe darin, die Arbeitslosigkeit gering und die Inflation bei nahe zwei Prozent zu halten. „Politische Faktoren spielen dabei keine Rolle.“

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