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Geldpolitik US-Notenbank Fed tastet Leitzins nicht an

Der Leitzins in den USA bleibt in der Spanne von 1,75 bis zwei Prozent. Grund ist die robuste wirtschaftliche Lage.
Update: 01.08.2018 - 20:51 Uhr Kommentieren
Die Notenbank lässt den Leitzins unberührt. Quelle: Reuters
Federal Reserve in Washington

Die Notenbank lässt den Leitzins unberührt.

(Foto: Reuters)

New York/FrankfurtDie US-Notenbank lässt die Zinsen stabil und beugt sich in Zukunft nicht dem Druck der Politik. Das sind die zwei Botschaften, die die Federal Reserve am Mittwoch dem Markt mitgegeben hat. Denn sie lässt den Leitzins unverändert bei 1,75 bis zwei Prozent.

Die Begründung: Die Wirtschaft wachse so schnell, und die Arbeitslosigkeit sei „niedrig geblieben“. Das bedeutet, dass die Fed auch an den in Aussicht gestellten Zinserhöhungen festhält.

Die Fed hatte den Leitzinssatz im Juni auf eine Spanne zwischen 1,75 und 2,0 Prozent angehoben. Es war der zweite Zinsschritt in diesem Jahr um jeweils einen Viertelprozentpunkt. Die meisten Beobachter erwarten nach der Verschnaufpause am Mittwoch noch zwei weitere derartige Schritte bis Ende 2018 – und dann noch mehr Anhebungen im folgenden Jahr. Das haben auch die Prognosen nahegelegt, die die Entscheidungsträger der Fed selbst einmal im Vierteljahr abgeben, zuletzt im Juni.

Auch wenn die Zinsentscheidung wie erwartet verlief, war sie dennoch mit Spannung erwartet worden. Schließlich hatte die Politik die Fed zuletzt stark unter Druck gesetzt. US-Präsident Donald Trump persönlich hatte sich gegen mögliche Zinserhöhungen ausgesprochen. „Unsere Schulden werden fällig, und wir heben die Zinsen an – echt jetzt?“, hatte Trump getwittert.

Fed-Chef Jerome Powell muss nun zeigen, wie unabhängig die Fed von politischer Einflussnahme ist. Indem die Fed exakt die gleichen Worte gewählt hat wie im Juni, um ihre geplanten Zinsschritte zu erklären, hat sie klar signalisiert, dass sie von ihrem Kurs nicht abkehren wird.

Weitere graduelle Zinserhöhungen „werden konsistent sein mit der anhaltenden Expansion der Wirtschaft, den starken Arbeitsmarktbedingungen und der Inflation in der Nähe des symmetrischen Zwei-Prozent-Ziels des Ausschusses“, heißt es dort.
Marktteilnehmer achten auf die Nuancen im Text von Zentralbanken, um herauszufinden, in welche Richtung die Reise geht.

Auch die Ökonomen von Brown Brothers Harriman schreiben, dass die Worte fast identisch seien. „Am wichtigsten ist, was nicht drinstand“, kommentieren sie die Fed-Entscheidung. „Es gab keinen Bezug zur Schwäche des Immobilienmarkts“, bemerken die Ökonomen. Und „es gab auch keinen speziellen Hinweis auf die Gefahr durch die Handelspolitik“.

Nach Ansicht von Sophia Ferguson, leitende Portfoliomanagerin Active Fixed Income and Currency bei State Street Global Advisors, bleiben die wirtschaftlichen Aussichten im Rahmen der datenabhängigen Politik optimistisch genug, um „eine – wenn auch allmähliche – Fortsetzung der begonnenen Anhebungen zu rechtfertigen“. Die nächste Zinserhöhung erwarte sie für September, die Entwicklung der Zukunftsprognosen aus dem Sitzungsprotokoll von August werde sie aber aufmerksam verfolgen.

Während sie langsam die Zinsen wieder anzieht, lässt die Fed gleichzeitig ihre Bilanzsumme allmählich abschmelzen, indem sie auslaufende Anleihen in ihrem Bestand nicht ersetzt. Die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen will erst Ende des Jahres den Aufbau ihrer Bilanzsumme stoppen und frühestens im kommenden Sommer zum ersten Mal die Leitzinsen anheben, die zurzeit bei null liegen.

Über die weitere Geldpolitik der Fed wird vor allem die Inflation entscheiden. Sie liegt jetzt nahe dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent. Dabei gilt als ausgemacht, dass die Fed nach dem langen Unterschreiten dieser Marke für eine gewisse Zeit auch eine etwas höhere Rate akzeptieren würde, während die EZB eine Preissteigerung „nahe zu, aber unter zwei Prozent“ anstrebt.

Unklar ist derzeit, ob in den USA eine höhere Inflation droht oder vielleicht doch eher eine Rezession. Zwar gibt es noch keine direkten Anzeichen für eine wirtschaftliche Schwäche, aber einige Volkswirte, wie etwa Joachim Fels von der Fondsgesellschaft Pimco, sehen die Nähe der kurz- und langfristigen Zinsen zueinander als schlechtes Zeichen an.

In der Vergangenheit zumindest galt eine inverse Zinsstruktur, bei der kurz laufende Papiere mehr Rendite abwerfen als Langläufer, als Vorzeichen einer Rezession. Denn diese Struktur zeigt an, dass die Investoren sinkende Zinsen erwarten. Fed-Chef Powell selbst hat sich bisher allerdings stets sehr optimistisch über die wirtschaftliche Entwicklung der USA geäußert.

Je nachdem, wie optimistisch sie ist, wird die Fed die Zinsen schneller oder langsamer anheben. Trump hatte sich vor Kurzem für niedrige Zinsen ausgesprochen. Die meisten Experten erwarten, dass die Fed sich davon nicht beeinflussen lässt.

Der bekannte Bankanalyst Dick Bove hat kürzlich seine Kritik erneuert, die Fed habe mit ihrer expansiven Geldpolitik in den vergangenen Jahren die Wirtschaft angeschoben und sie mit hohen Kapitalanforderungen an die Banken, die deren Kapazität zur Kreditvergabe einschränken, gleichzeitig abgebremst.

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