Geldpolitik Fed denkt über Lockerungen nach

Das Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung spricht eine deutliche Sprache. Eine Reihe von Mitgliedern halten eine weitere Lockerung der Geldpolitik „ziemlich bald“ für nötig, sollte die Konjunktur weiter lahmen.
Update: 22.08.2012 - 21:57 Uhr 17 Kommentare
US-Zentralbankchef Ben Bernanke. Quelle: dapd

US-Zentralbankchef Ben Bernanke.

(Foto: dapd)

WashingtonDie US-Notenbank Federal Reserve wird der lahmen US-Wirtschaft voraussichtlich schon "ziemlich bald" mit einer weiteren Geldspritze auf die Sprünge helfen. Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll der vergangenen Sitzung des für die Geldpolitik verantwortlichen Ausschusses hervorging, halten die meisten Notenbanker einen solchen Schritt für nötig, falls sich die Wirtschaftslage nicht abrupt verbessert.

Die Währungspolitiker sprachen von einer ganzen Reihe von Gefahren, der die ohnehin lahme Wirtschaft ausgesetzt ist - etwa die europäische Schuldenkrise. Viele Ausschussmitglieder plädieren deshalb dafür aus, den Finanzmärkten die Fortsetzung der Nullzinspolitik über den bisher genannten Zeitpunkt Ende 2014 hinaus zuzusagen.

"Viele Mitglieder waren der Ansicht, dass eine zusätzliche monetäre Lockerung wahrscheinlich ziemlich bald angebracht sein wird, falls nicht neue Informationen auf eine substanzielle und nachhaltige Beschleunigung der wirtschaftlichen Erholung hinweisen", heißt es in dem Protokoll von der Sitzung vom 31. Juli bis zum 1. August.

Volkswirte fühlten sich durch das Protokoll in ihrer Ansicht bestärkt, dass die Fed schon bald ein neues Programm zum Kauf von Anleihen startet und so weitere Milliarden in den Wirtschaftskreislauf pumpen wird. "Ein solches Programm könnte unmittelbar bevorstehen", sagte etwa Joe Manimbo von Western Union Business Solutions.

Mehrere Experten zeigten sich jedoch etwas verunsichert, weil seit der Fed-Sitzung eine Reihe unerwartet guter Konjunkturdaten veröffentlicht wurden. So fielen etwa Daten zu den Einzelhandelsumsätzen, zur Industrieproduktion oder vom Arbeitsmarkt besser aus als erwartet. Auch Zahlen vom krisengeschüttelten Immobilienmarkt, dem Ausgangspunkt der schweren Finanzkrise 2008, zeichneten zuletzt ein etwas freundlicheres Bild. Die Ökonomen waren jedoch mehrheitlich der Ansicht, dass die Daten die Notenbank nicht von einer weiteren Lockerung der Geldpolitik abhalten werden.

Im Sitzungprotokoll hieß es, dass sich die ökonomische Aktivität in den vergangenen Monaten abgeschwächt habe. Die Stellenzuwächse am Arbeitsmarkt seien nach wie vor nur moderat, und die Arbeitslosenquote immer noch zu hoch. In den kommenden Quartalen dürfte das Wachstum moderat bleiben und sich danach nur geringfügig beschleunigen, erwarten die Notenbanker.

An den Finanzmärkten sorgte das Sitzungsprotokoll für deutliche Bewegung: Während der Dollar belastet wurde, stieg der Euro erstmals seit Anfang Juli über die Marke von 1,25 Dollar. Amerikanische Staatsanleihen erhielten Zulauf. Auch die Reaktion am US-Aktienmarkt fiel positiv aus. Dort wurden die Verluste spürbar eingedämmt.

Der Offenmarktausschuss der Fed entscheidet das nächste Mal Mitte September über den Leitzins für die USA. Notenbank-Chef Ben Bernanke hatte kürzlich erklärt, er halte den ultraniedrigen Leitzins in den USA von 0 bis 0,25 Prozent bis auf weiteres für unabdingbar.

Außerdem soll das "Operation Twist" genannte Programm zum Umtausch von kurzfristigen Staatsanleihen in Papiere mit längerer Laufzeit bis Jahresende fortgeführt werden. Dadurch sollen die Zinssätze weiter gedrückt und Kredite für Unternehmen und Haushalte billiger gemacht werden.

  • rtr
  • afp
  • dpa
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17 Kommentare zu "Geldpolitik: US-Zentralbank kann sich mit weiterer Lockerung anfreunden"

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  • Die Amerikaner lernen aus ihren Fehlern nicht.

    Früher oder später wird auch deren Geldsystem implodieren, wenn China noch stärker wird und deren Anleihen gefragter werden, wenn sich Europa stabilisiert und wenn in den USA noch mehr Produktion wegbricht.

  • Fazit: die EZB wird nachziehen und Euro Spielgeld drucken!
    Also lieber weiterhin Gold kaufen in physischer Form (kein Papiergold!),und abwarten. Jede neue Gelddruckaktion wird den Goldpreis weiter steigen lassen.

  • Hoffentlich realisieren das die Asiaten.
    Haben sie längst und kaufen in riesigen Mengen Gold.

  • Diese Endlosgelddruckerei der FED ist einfach unbegreiflich. Ausser dem Aufbau von gigantischen Bubbles wurde nichts erreicht. Eine riesige Gefahr fuer die Welt wurde hier geschaffen. Und der voellig konzeptlose Schuldenkoenig Obama verliert darueber kein Wort. Er fuerchtet sich vor Griechenland.

    Nun er braucht ja den Gelddrucker, um seine gigantischen Schulden zu ermoeglichen. Letztlich war er es, der die FED so ausgerichtet hat und auch weiterhin daran festhaelt.

    Bei der EZB soll wohl das gleiche Spiel gespielt werden. Nachteil bisher - es fehlt noch ein richtiger Obama. Aber der findet sich vielleicht noch, wenn der letzte deutsche Widerstand bricht.

  • Und nicht vergessen ein Lob an die Redaktion des Online-Handelsblatt. Die Fotoserie ist ziemlich gut in Wort und Bild, die zeigt, was gestern gespielt, was gestern verkündet, was gestern getan wurde, Cosmopolis lässt grüßen!

  • ...ein altes Sprichwort sagt; der Krug geht zum Brunnen bis er bricht! Dann ist schluss mit lustig.Wer es jetzt noch nicht begriffen hat, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.Die Akteure in Politik und Börse zeigen immermehr ihre Hilflosigkeit und ihre Unfähigkeit die Probleme zu lösen.So hoffen diese von einem Tag zum anderen, dass irgendwoher eine Entscheidung fallen wird die einem die eigene Verantwortung aus den Händen nimmt. Diese Entscheidung kommt mit jedem Tag näher und es wird für die Völker in Europa ein böses Erwachen geben. Die Krisen und Kriege in der Vergangenheit waren dagegen nur ein kleines Intermezzo.
    Die Folgen werden Kriege, Armut, Hunger usw.in Europa sein die, die Menschheit in den Abgrund reißen werden.
    Die Hintergründe unserer Probleme sind ausreichend diskutiert und bekannt.
    Nur, es ist niemand da der die Verantwortung übernehmen will. Alles was unsere zivilisierte Welt in Jahrhunderten aufgebaut hat wird in einem Nichts enden.Ich bin am Ende des zweiten Weltkrieges geboren.Habe als Kind den Aufbau
    unseres Landes erlebt und während meinem ganzen Leben mitgearbeitet und meinen Beitrag geleistet Deutschland mit
    aufzubauen und für mich und meinen Kindern Wohlstand zu ermöglichen. Habe mitgerabeitet den Frieden in Europa und besonders die Aussöhnung mit Frankreich zu ermöglichen.
    Jetzt muss ich aber mit ansehen, wie in kürzester Zeit alle diese Mühen sich in Luft auflösen, iniziiert durch unfähige Politiker in Deutschland und Europa und die immer mehr krasierente Gier von Bänkern und anoymen Finanzmärkten.
    Immermehr habe ich das Gefühl als wäre Europa im Kriegs u.
    Ausnahmezustand. Wütend macht es mich, dass ich als einfacher Mensch diesen Kräften hilflos ausgesetzt bin.
    Deshalb hoffe ich, so paradox es klingen mag, dass es endlich zu dem großen Befreiungsschlag kommen wird.
    gez.Walter Werner.de

  • Man schmiert bis zum Abschmieren.

  • immer dieses hyperinflationsdrama... gabs die bei QE1? gabs sie bei QE2? nein, also ruhig blut ;-) gemessen an ganz M2 ist ein einzelnes QE auch nicht so groß, als dass es eine große bedrohung der geldwertstabilität wäre.

  • Na, spätestens beim QE3 wird es definitiv Zeit, dass die Notenbanken Russlands und insbesondere Chinas endlich ihre immer schneller wertlos werdenden USD-Scheingeld-Devisenreserven im großem Stil in echtes Geld = Gold + Silber ummünzen. Sonst können sie sich für das Billionen-Dollar-Betrugsgeld in Bälde nur noch ein paar Big Macs kaufen. Hoffentlich realisieren das die Asiaten als ausgezeichnete Kaufleute auch und schicken die Grüne Grätze durch Abverkauf gegen Gold + Silber endlich zur Hölle.
    Von mir aus kann der Währungskrieg bald richtig schön heiß werden. Auf spannende Unterhaltung habe ich mich bereits mit Cola und Chips für schätzungsweise ein Jahr eingedeckt.

  • Was bringt die Weltwirtschaft so sehr in Bedrängnis, dass man sie mit Liquidität zuschütten muss? Orientierungsverlust, ausgelöst durch eine Währunkrise. Bis zum 12. September wird es keine QE geben, kurz davor wird man um Vertrauen kämpfen, wie von Draghi schon avisiert und dann, wenn das BVerfG den kleinen Rückwärtsgang (EuroWS statt ECUWS) eingelegt hat:
    Feuer frei! Wer dann allerdings noch immer auf seinen PO-sitionen sitzenbleibt und glaubt, es wird schon wieder werden, dem wird niemand mehr helfen können. Weshalb kommentiert Soros seine aktuellen Goldkäufe nicht mehr: Egal ob Deflation, Inflation, Stagflation oder was neues:
    Nur Werte o h n e Kontrahentrisiko zählen: Aktiengesellschaften werden auch insolvent.

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