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Geldpolitik Warum die Inflation so niedrig ist

Für Ardo Hansson, Chef der Notenbank von Estland, haben die derzeit niedrigen Inflationsraten ganz einfache Gründe.
9 Kommentare
Der Gouverneur der Notenbank von Estland rät zur Geduld. Quelle: Reuters
Ardo Hansson

Der Gouverneur der Notenbank von Estland rät zur Geduld.

(Foto: Reuters)

FrankfurtIn der Geldpolitik gibt es zwei Arten von Geduld. Einmal die, um die regelmäßig Mario Draghi bittet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Er ist der Meinung, dass die EZB sehr, sehr vorsichtig bei ihrem Kurs zur Normalisierung der Geldpolitik sein sollte, um das Erreichen des Inflationsziels von knapp zwei Prozent nicht zu gefährden.

Eine andere Art von Geduld forderte Ardo Hansson, der Gouverneur der Notenbank von Estland, bei einem Vortrag in der Frankfurter Uni. Seiner Meinung nach ist die Inflation aufgrund von vorübergehenden Faktoren so niedrig. Er findet daher, die EZB sollte sich nicht zu sehr davon beirren lassen, dass die Inflation deutlich unter dem Ziel liegt und „geduldig“ abwarten, bis sie sich von allein dorthin bewegt.

Auf Nachfrage sagte er: „Das kann ein bisschen schnelleres Tempo bei der Normalisierung bedeuten.“ Zugleich betonte er aber, grundsätzlich hinter dem vorsichtigen Kurs von Mario Draghi zu stehen. Weil Estland den Euro eingeführt hat, ist Hansson Mitglied im EZB-Rat, wo er tendenziell als Verfechter einer harten Linie gilt.

Einige der häufig genannten Faktoren für die niedrige Inflation wie etwa die Globalisierung streifte Hansson nur am Rand. Statt dessen stellte er deutlich heraus, dass vor allem die Preise für Energie und bis zu einem gewissen Grad auch die für Lebensmittel Ursache für die schwache Entwicklung sind. Während bei einem früheren Aufschwung von 2004 bis 2007 diese Bereiche den Preisaufstieg beschleunigten, wirken sie zurzeit eher bremsend.

Nach Hanssons Berechnung hätte die Kern-Inflation, bei der Energie und Lebensmittel ausgeklammert werden, in der Euro-Zone in den vergangenen drei Jahren bei rund 2,6 Prozent liegen müssen, damit die gesamte Preissteigerung sich bei 1,9 Prozent eingependelt hätte, was im offiziellen Zielbereich liegt. „Tatsächlich lag die Kerninflation nur halb so hoch“, sagte er.

Weil Energie und Lebensmittel weitgehend von Weltmarkt bestimmt werden, ist das Ziel seiner Meinung nach daher kurzfristig kaum zu erreichen. Aber diese Weltmarktpreise werden sich nicht immer so schwach entwickeln, glaubt er. „Das sind keine zyklischen, aber auch keine immerwährenden Trends“, sagt er, „deswegen müssen wir einfach etwas Geduld haben.“

Hansson hat ein weiteres Problem identifiziert. „In der Euro-Zone werden die Preise für das Wohnen in der eigenen Immobilie nicht erfasst“, sagt er. Berechnungen der EZB zeigen, dass die Einbeziehung dieser Größe auf lange Sicht keinen Unterschied ergeben hätte. „Aber in den letzten drei Jahren hätte die Einbeziehung zu rund einem halben Prozentpunkt mehr an Inflation geführt, und damit wären wir fast am Ziel“, sagt er. Zurzeit liegt die offizielle Preissteigerung laut Eurostat bei 1,3 Prozent.

Die EZB hält ihren Leitzins bei null Prozent, den Zins für Bankeinlagen sogar bei minus 0,4 Prozent, und sie kauft nach wie vor für 30 Milliarden Euro pro Monat Zinspapiere an – alles um die Wirtschaft zu unterstützen und die Inflation nach oben zu bringen. Nach heutigen Erwartungen dürfte sie für den Zeitraum Oktober bis Dezember ihr Kaufprogramm weiter kürzen und es per Jahresende auslaufen lassen, um denn etwa Mitte 2019 zum ersten Mal die Zinsen anzuheben.

Hansson beschäftigte sich in seinem Vortrag auch mit den Nebenwirkungen dieser lockeren Geldpolitik. Risiken für die finanzielle Stabilität im Euro-Raum sieht er allenfalls in den hohen Preisen für Gewerbe-Immobilien, während Wohn-Immobilien und Aktien noch nicht durchgängig zu teuer seien. In den letzten Jahren hat die Geldpolitik im Durchschnitt die Refinanzierungskosten der Euro-Staaten entsprechend 0,75 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandprodukts gedrückt.

Wie andere Kritiker bemängelt er, dass diese Erleichterung praktisch vollständig in höhere Ausgaben oder niedrigere Steuern umgesetzt worden ist, und zwar auch von hoch verschuldeten Staaten, wobei er als rühmliche Ausnahmen Irland und Belgien nennt. Wenig Fortschritte habe es auch bei den Reformen von Institutionen, etwa im Justizwesen, gegeben.

Dagegen haben einige Staaten ihre Arbeitsmärkte deutlich liberalisiert. Außerdem erkennt Hansson an, dass vor allem kleinere Staaten zum Teil zusätzliche Kapitalpuffer von ihren Banken verlangen, um eine Überhitzung der Märkte zu verhindern. Alles in allem also eine gemischte Bilanz.

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9 Kommentare zu "Geldpolitik: Warum die Inflation so niedrig ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • .... uebrigens was immer wieder vergessen:

    auch die gefakten Teuerungsraten von stets < 2.0 % machen ueber die letzten 12 Jahre bei Zinseszinz-Betrachtung eine STEIGERUNG von

    ~ 24 % vom Prixindex 1.0 aus bei durchschnittlich 1.82 %

    beim Bierpreis fuer ein Pils in der Stammkneipe trifft dies auch zu:

    waeherend man 2007 noch 1.3 Euro pro 0.2 l Pils zahlte, muss man heute schon
    1.60 Teuro hinlegen... ....

  • „Einige der häufig genannten Faktoren für die niedrige Inflation wie etwa die Globalisierung streifte Hansson nur am Rand. Statt dessen stellte er deutlich heraus, dass vor allem die Preise für Energie und bis zu einem gewissen Grad auch die für Lebensmittel Ursache für die schwache Entwicklung sind.“

    Wie der Preis für eine Handelsware am Weltmarkt zustande kommt (und die Preisentwicklung macht schließlich die Inflation aus) ist letztlich eine Frage der „Be-wertung“ des betreffenden Handelsguts – letztlich durch die Gesamtheit aller Marktteilnehmer (also jedes einzelnen Marktteilnehmer).

    Und diese Preise spiegeln aus meiner Sicht aufgrund von Markteingriffen (bzw. der Einflussnahme) einzelner, politisch (über-)mächtiger Marktakteure, die zuvorderst egoistische (also eigene bzw. Klientelinteressen) verfolgen, allzu oft NICHT den unter ethischen (also auch ökologischen) Gesichtspunkten angemessenen Wert des Handelsguts wider.

    So gesehen besteht durchaus ein Zusammenhang zwischen niedriger Inflation und Globalisierung:
    Ein Einkommensungleichgewicht zulasten der Bevölkerung der Entwicklungs- und Schwellenländer, deren Wirtschaft hauptsächlich auf der Produktion und dem Export von Primärrohstoffen, also wenig be- bzw. unverarbeiteten Gütern – u.a. insbesondere Lebensmittel und Erdöl – beruht. Und auf einer extrem unfairen „Bewertung“ des Faktors Humankapital und dort insbesondere den Faktor Arbeit (also Niedriglöhne bis hin zur Ausbeutung).

    „In den letzten Jahren hat die Geldpolitik im Durchschnitt die Refinanzierungskosten der Euro-Staaten (…) gedrückt. (…) Erleichterung praktisch vollständig in höhere Ausgaben oder niedrigere Steuern umgesetzt worden, (…) auch von hoch verschuldeten Staaten, (…) Ausnahmen Irland und Belgien. Wenig Fortschritte (…) bei den Reformen von Institutionen, etwa im Justizwesen.“

    Gegen schlechte politische Führung (die ist das Problem!) sind die Zentralbanken nicht nur machtlos, sie fördern sie offenbar noch mit einer "lockeren" Politik.

  • Allein schon die Mehrwertsteuer ist eine permanente Inflation von 19% die jeder außer Unternehmen zu tragen hat, von der Inflation der Löhne für Arbeiter u. Rentner seit Einführung des Euros braucht man nicht nachdenken. Hauptsache die Mehrwertsteuerprodukte können über endlose Finanzierung u. Target 2 an EU-Partner vertrieben werden, bevor sie auf den Müll landen, wegen fehlender Nachfrage

  • Auf die Inflation haben heute ganz andere Faktoren Einfluß, als noch vor ein paar Jahrzehnten. Draghi will das nicht zur Kenntnis nehmen. Mit seinen angeblichen geldpolitischen Maßnahmen, die aber hauptsächlich Staatsfinanzierung sind, kann er die Inflation nur gering beeinflussen. Außerdem ist eine Inflation von 2 % auch Preissteigerung. Wenn ich mir die Preise von den Dingen anschaue, die ich öfters kaufe, weil ich sie brauche, dann sind die 2 % längst überschritten. Die ganze Rechnerei ist nur Augenwischerei.

  • Also Senor Santos :
    Das der Atomausstieg uns abhaengiger vom Ausland macht, kann als sehr hypotetisch angesehen warden !

    Jedenfalls fuehrt der zu begruessende, leider etwas unkontrollierte Atomausstieg nicht zu weiteren Abhaengigkeiten von RUSSLAND noch von den immer noch funktionierenden Atom-Meilern die in der Ukraine stehen!
    --------------------
    Stromausfall im WW II in Berlin:

    Wenn die Bomben ueber Berlin flogen, dann konnte zwar Zarah Leander recht behahlten, dass davon die Welt nicht unterging!
    Wohl aber die el. Energie-Versorgung .....zusammenbrechen konnte, weil die Flak es, wie die Bundestags- Abgeordneten mit dem Anstand & Ziel bei den Diaeten & Bezuegen hielt:

    Immer daneben!

    Russen moegen dominant sein im Europa-Gasgeschaeft!
    wir haben zwar Gas Gerd als Polititischen Puffer-Speicher-Regulator zwischengeschaltet, aber einen Plan B:

    LPG kann auch z.B. ueber Wilhelmshavn aus anderen Bezugsquellen bezogen warden....

    damit nun Schluss mit Ihrer Gas-Nummer, deren Dichte ~ eher mit Luft geleichgestezt warden kann als mit z.B. Geist, ach so Himbeergeist....!

  • @ Herr Josef Hirsepp
    12.04.2018, 11:50 Uhr

    ..............................................

    Ihre Darstellung hat zu viel LUFT, in Schreibweise und Inhalt !

    Denn Sie übersehen daß gerade die Deutsche Bundeskanzlerin Angela merkel durch den Atomausstieg damit die DEUTSCHE NATION ENERGIE STRATEGISCH VOM AUSLAND ABHÄNGIG GEMACHT HAT !

    Lesen Sie in Geschichtsbücher nach wohin sowas führt !

    BERLIN UM DIE KRIEGSJAHRE DES ZWEITEN WELTKRIEGES :

    HEUTE STROM IM SEKTOR VON 10 bis 11 UHR !

    Und CHINA kauft sich immer mehr ein an den übrig gebliebenen Energie Quellen des GESAMTEN EUROPÄISCHEN KONTINENTS !

    RUSSLAND ist heute schon teilweise GAS-HERR über Europa !

    Wie soll es weiter gehen ?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Statistik..

    wir haben noch gelernt:
    a.) was ist die Steigerung der Luege: der Meineid
    b.) und was die Steigerung vom Meineid:

    DIE STATISTIK......
    und das lernen wir nun !


    also: INFLATION = teuerungsrate ueber Allem liegt momentan gweiss nicht < 2.0 % !

    ENERGIEKOSTEN_ El. Energie
    Zwangsabgaben - Gebuehren
    Service
    Bierpreise & Getraenke in Kneipen ..
    Kosten fuer Medizin,
    Stundensaetze in den Werkstaetten...
    Kosten im Baumarkt
    Reifen fuer Fahrzeuge ..
    Wohnen
    Wohnnebenkosten
    etc..
    ....
    ..
    .
    Weinger Netto vom Brutto...

    ------------------------------------------------

    wenn das alles so waere wie hier besprochen & dargestellt, dann sind die Diaetenerhoehungen & Bezuege fuer Beamte & Politiker unverschaemt ueberzogen, ja schon fast
    grenzend an VERUNTREUUNG von Volksvermoegen, wofuer derPutsch Daemon festsitzt !
    die 6 % Forderung der OETV gehen ebenfalls in diese Richtung !
    --------------------------------------------------------------------------------------------------------
    aber: diese Art der selktierten Statistik ist besser beschrieben mit :

    SCHOEN-RECHNEREI !

    oder feri nach Shakespeare : WIE ES UNS GEFAELLT !

    ach so: die Nahles hatte ja in ihrem Vortrag ihres Liedl's auch schon den Text in den mund genommen.....
    & die kennt sich aus.....

    keine Widerrede, sonst gibt's was .... esse !



  • Wo steht es eigentlich geschrieben, dass die Inflation zwei Prozent erreichen muss? Es galt die Regel, dass die zwei Prozent eine Obergrenze für die Inflation waren, die nicht überschritten werden sollte. Diese Neudeutung für die zwei Prozent ist nichts weiter als das Eingeständnis, dass unser Wirtschaftssystem ohne wenigstens zwei Prozent jährlicher Abwertung des Geldwertes von den gemachten Schulden jetzt schon überrollt werden und zusammenbrechen würde.