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Geldpolitik Weg zur Zinswende wird für EZB-Chef Draghi steiniger

Eigentlich drängt die Zeit für die EZB, die ultralockere Geldpolitik zu normalisieren. Doch auf dem Weg dorthin tauchen immer mehr Stolpersteine auf.
23.04.2018 Update: 23.04.2018 - 11:42 Uhr 14 Kommentare
Zentrale in Frankfurt am Main: Der Zollstreit zwischen der EU und den USA besorgt die Währungshüter zunehmend. Quelle: dpa
Europäische Zentralbank

Zentrale in Frankfurt am Main: Der Zollstreit zwischen der EU und den USA besorgt die Währungshüter zunehmend.

(Foto: dpa)

Frankfurt Auf dem Weg Richtung Zinswende tauchen für EZB-Chef Mario Draghi immer mehr Stolpersteine auf. So haben sich die jüngsten Stimmungsbarometer für die Wirtschaft im Euro-Raum nach einem starken Jahresauftakt zuletzt tendenziell abgeschwächt. Die Inflation ist aus EZB-Sicht noch immer zu niedrig, trotz des kräftigen wirtschaftlichen Aufschwungs. Außerdem bereitet der von US-Präsident Donald Trump entfachte Handelsstreit Sorgen. Viel Gesprächsstoff also, wenn die Währungshüter am Donnerstag in Frankfurt die nächsten geldpolitischen Schritte abstecken.

„Der Handelskonflikt ist sicher die größte Sorge aus Sicht der Zentralbank“, sagt NordLB-Ökonom Christian Lips. Vor allem über einen Stimmungsumschwung könnte die Konjunktur kippen. Die europäischen Dienstleister blicken bereits pessimistischer in die Zukunft. Laut Lips wird die EZB über negative Effekte des Streits hinwegsehen, solange er nicht zu einem Handelskrieg eskaliert.

Die EZB muss demnächst entscheiden, wie es mit ihren auf 2,55 Billionen Euro angelegten und bis mindestens Ende September geplanten Anleihenkäufen weitergehen soll. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass das seit drei Jahren laufende Programm, das vor allem in Deutschland umstritten ist, bis Ende 2018 eingestellt wird. Als wahrscheinlichste Variante gilt bisher, dass die Käufe noch einmal verlängert werden und bis Jahresende dann schrittweise auslaufen. Konkrete Beschlüsse dazu werden am Donnerstag allerdings noch nicht erwartet. Hier dürften die Ratstreffen am 14. Juni in Riga und am 26. Juli in Frankfurt entscheidend werden.

Die Leitzinsen, die seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegen, dürften zunächst nicht angetastet werden. Experten rechnen hier erst im Jahresverlauf 2019 mit der Wende, zumeist in der zweiten Hälfte. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte die Erwartung, dass die Zinsen erstmals Mitte 2019 angehoben werden könnten als „nicht ganz unrealistisch“ bezeichnet. Die EZB hinkt damit anderen Notenbanken wie der Fed deutlich hinterher. In den USA steigen die Zinsen bereits seit Ende 2015 wieder.

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    Investoren an der Börse dürften Draghis Aussagen auf der Pressekonferenz vor allem nach Signalen abklopfen, wann die großen Beschlüsse gefällt werden. Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert zufolge könnte eine Rolle spielen, welche Bedeutung Draghi den im Juni anstehenden neuen Wachstums- und Inflationsprognosen der hauseigenen EZB-Ökonomen beimisst. „Betont er deren Bedeutung, wäre dies ein Signal für bald anstehende Entscheidungen.“

    Die Grundvoraussetzung für das Ende der Anleihenkäufe hatte der italienische EZB-Präsident zuletzt in einer Grundsatzrede genannt. Die Notenbank müsse eine nachhaltige Veränderung der Inflation in Richtung ihres Ziels von knapp zwei Prozent erkennen. Diese als Idealwert für die Wirtschaft angestrebte Marke verfehlen die Währungshüter seit Jahren. Im März lag die Teuerung zum Beispiel nur bei 1,3 Prozent. Für das Jahr 2020 erwartet die EZB momentan 1,7 Prozent.

    „Es gibt wenig Anzeichen dafür, dass die Kluft zwischen Wunsch und Realität sich bald ändern wird“, sagt Chefvolkswirt Carsten Brzeski vom Bankhaus ING-Diba. Zwar sei die EZB weiter zuversichtlich, dass der Preisauftrieb mit der Zeit zunehme. „Die harten Daten erzählen aber eine andere Geschichte.“

    Brzeski hält es daher für möglich, dass die Europäische Zentralbank auch nach Dezember noch Anleihen kaufen wird. Die Experten der Danske Bank haben ihre Zinsprojektionen schon revidiert. Sie glauben, dass die EZB-Ökonomen im Juni ihre Konjunkturprognosen senken werden. „Wir schieben unsere Prognose für die erste Zinsanhebung nach hinten auf Dezember 2019 von Juni 2019.“

    Mit Material von Reuters

    • HB
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    14 Kommentare zu "Geldpolitik: Weg zur Zinswende wird für EZB-Chef Draghi steiniger"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Es ist für mich auch keine Gleichgültigkeit, sondern skrupellose Rücksichtlosigkeit .."

    • Herr Metz,

      dass kann man sicher so sehen, ist aber, wie ich finde verniedlichend. Es ist für mich auch keine Gleichgültigkeit, skrupellose Rücksichtlosigkeit – im besonderen auch unserer Volksverträter.

      Der Bürger ist für die nur zum zahlen von Abgaben da. Was interessiert denn dieses „Polit-Pack“ schon, ob die dämlichen „Wähler“ zusätzlich noch geschädigt und enteignet werden - Hauptsache es werden Zinsen gespart und die Staatsschulden werden durch Inflation entwertet.

      Die Gleichgültigkeit, wenn nicht sogar Verachtung gegen der Bürger von denen sieht man am besten daran, dass weder über Gewalt und Kriminalität von „Neudeutschen“ geredet und auch nichts an den eigenen Grenzen gegen weiteren „Nachschub“ unternommen wird.

    • @ Peer Kabus
      "Wie an anderer Stelle zu lesen ist, haben die Euro-Länder 1,1 Bio. Euro an Zinsen seit der Finanzkrise 2008 durch Mafio Draghis Zins(Subvention)-Politik eingespart."

      Das bedeutet letztendlich nichts anderes als eine heimtückische Übervorteilung der Gläubiger. Die "eingesparten Zinsen" bekommen diese nämlich letztendlich weniger in Form von Betriebs- / Zusatzrenten, Lebensversicherungen usw., was u.a. zu steigender Altersarmut führen wird.

    • Wie an anderer Stelle zu lesen ist, haben die Euro-Länder 1,1 Bio. Euro an Zinsen seit der Finanzkrise 2008 durch Mafio Draghis Zins(Subvention)-Politik eingespart.

      Das sind nun 9 Jahre Zinspolitik, mit der Mafio Draghi angeblich den Südländern „Zeit“ für Reformen verschaffen wollte. Größter Profiteur ist Italien mit seinen horrenden Staatsschulden und ehemals hohen Zinsen. Jede Zinsanhebung macht Italien deshalb wieder zum Verlierer, denn außer marode Banken weiter dreist mit Steuergeldern zu „retten“, hat sich in Italien praktisch nichts zum Positiven entwickelt.

      Nun sind wir ja auch mit einem stattlichen Schuldenberg gesegnet und man muss sich fragen, was hat unsere „Polit-Elite“ eigentlich mit den durchschnittlich jährlich eingesparten Zinsen von 18 Mrd. €gemacht. Dazu die Mehreinnahmen aus steuerlicher Progression und Steuermehreinnahmen aus gut laufender Wirtschaft?

      Für nichts war Geld übrig – aber ab 2015 …….

      Und das über die Jahre trotz mehr verfügbarem Steuergeld. Stattdessen wurden weitere Einnahmequellen erschlossen.

      Es bleibt zu hoffen, dass Mafio Draghi bald dazu gezwungen wird, die Zinsen anzuheben, damit es überall zu Problemen kommt und dem einfachen Dummbürger dann einfach mal zu viel weggenommen wird.

    • Wenn nichts mehr taugt, muss irgendwann das schlechte Wetter herhalten, um den Leuten weiter falsche Gründe vorzugaukeln. Der einzige wirkliche Grund ist: Jede Zinserhöhung bringt den Super-GAU und Zusammenbruch der bis zum Stehkragen verschuldeten öffentlichen Haushalte und Privatwirtschaft. Period!

    • Herr Helmut Metz
      23.04.2018, 12:39 Uhr

      Es heißt nicht umsonst .. EUDSSR ;-)

    • Am Zins sieht man den inneren Wert des Euros nämlich Null.

    • Es wird keine nennenswerten Zinserhöhungen geben und dafür gibt es einen unwiderlegbaren Grund:

      Die Staaten Europas können dann ihre Kredite nicht mehr bedienen. Es würde sich für jeden offensichtlich zeigen, dass die ganze EU auf Krediten basiert, die niemals zurückgeführt werden. Mit Nullzins können die Staaten wie bisher weitermachen. Die Entschuldung erfolgt dann automatisch über die Inflationsrate.

      Erinnern wir uns an die Inflation in Deutschland zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Dort gab es eine Banknote mit 100 Billionen Mark! Da haben wir in Deutschland und der EU noch gewaltig Luft nach oben und können alle Staatsschulden auf einmal tilgen! Genau auf diesem Weg sind wir! Wie schützt man sich vor der Geldentwertung oder profitiert sogar? Sachwerte! Aktien und Gold!

    • ......ergänzend noch......von Unkenntnis zeugen....

    • ......und das soll so weitergehen?.....immer noch weiter billiges Geld.....zum Nutzen...der schwachen Länder....im Süden Europas....und auch noch woanders....wo man es überhaupt nicht vermutet....reinzupumpen?...
      ....der "hohe Priester" des Geldes....im Frankfurter Tower.....einfach weiter macht.....und seine Jünger....in der EZB....und Draußen in den Staaten....und deren Banken....nichts anderes übrig bleibt....als diese Konzeption weiterhin zu schlucken.....
      .....und die Literatur und die Bücher....der Volks- u. Betriebswirtschaft.....mit neuen Kapiteln erweitert werden müssen..
      ....um eines schönen Tages.....nach der Overtüre zur Oper.....DAS BILLIGE GELD + DIE FOLGEN DARAUS....im letzten Akt.....der unausweichliche Crash....die Folge sein wird.....von dem sich die Wirtschaft.....mit den angeschlossenen Institutionen...wie der Börse....lange nicht mehr erholen werden.....und einige Schlaumeier.....sagen werden.....hab ich doch gewußt.....
      ....solche Aussagen wenig hilfreich sein werden....und von Unkenntnis

      ...und statt dessen jetzt....zurückblickend und Vorausschauend.....die Weichen zu stellen....daß diese Währung....stabil erhalten bleibt....aber
      .....die führenden Wirtschafts-Wissenschaftler....in den USA.....schon bei Gründung der EU.....und der Währung.....seinerzeit in Maastricht.....nach Unterzeichnung der Verträge....dem "Laden Europa"....keine Überlebens-Chance....auf Dauer ausgesprochen.....

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