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Geldpolitik „Wichtiges Treffen“ – Auf diese drei Punkte kommt es bei der EZB-Sitzung an

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont die Bedeutung des Treffens am Donnerstag. Im Mittelpunkt stehen vor allem der geldpolitische Ausblick und die Anleihekäufe.
22.07.2021 - 04:04 Uhr 1 Kommentar
Die EZB-Präsidentin hat die Erwartungen für die Ratssitzung am Donnerstag hochgeschraubt. Quelle: Bloomberg
Christine Lagarde

Die EZB-Präsidentin hat die Erwartungen für die Ratssitzung am Donnerstag hochgeschraubt.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Eigentlich hatten viele Experten erwartet, dass die EZB-Ratssitzung am Donnerstag eine langweilige Routineveranstaltung wird. Das hat sich geändert, seit EZB-Präsidentin Christine Lagarde von einem „wichtigen Treffen“ gesprochen hat, bei dem es „einige interessante Variationen und Veränderungen“ geben werde.

Laut Lagarde wird der EZB-Rat bei dem Treffen über den geldpolitischen Ausblick diskutieren – die sogenannte Forward Guidance. Aus ihrer Sicht muss diese an die kürzlich festgelegte neue Strategie der EZB angepasst werden.

Der geldpolitische Ausblick ist das wichtigste Mittel der EZB, um die Erwartungen der Märkte über ihre künftige Geldpolitik zu steuern. Er enthält Aussagen zum voraussichtlichen Ende der Notfall-Anleihekäufe und dazu, unter welchen Bedingungen die Zinsen künftig wieder steigen werden.

Durch die neue Strategie der EZB ergeben sich aber auch noch andere Änderungen. Auf welche Punkte es bei der EZB-Sitzung ankommt.

1. Wie ändert die EZB ihren geldpolitischen Ausblick?

Die Mitglieder des EZB-Rats haben sich bereits auf eine neue Strategie und die Anpassung ihres Inflationsziels auf glatt zwei Prozent geeinigt. Laut Frederik Ducrozet, Ökonom des Schweizer Vermögensverwalters Pictet, stehen ihnen nun aber kompliziertere Themen bevor: „Die Debatte über Kommunikation und Politikänderungen wird schwieriger sein als die Einigung auf ein symmetrisches Inflationsziel von zwei Prozent.“

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg gab es zu Beginn der Woche im Rat noch Unstimmigkeiten über zirkulierende Entwürfe zu Änderungen des geldpolitischen Ausblicks. Die Verfechter einer lockeren und einer strafferen Geldpolitik streiten, wie die neue Strategie in der aktuellen Geldpolitik zu berücksichtigen ist.

Derzeit lautet die Formulierung im Ausblick: Die Zinsen bleiben „auf dem gegenwärtigen oder niedrigeren Niveau, bis sich die Inflationsaussichten auf ein Niveau nahe, aber unter zwei Prozent angenähert“ haben.

Die offensichtlichste Änderung betrifft die Neudefinition des Inflationsziels. Gemäß ihrer neuen Strategie strebt die EZB mittelfristig nicht mehr eine Inflation von „unter, aber nahe“, sondern von glatt zwei Prozent an.

Spannender ist, ob sie im Ausblick andeutet, dass sie künftig Inflationsraten von über zwei Prozent toleriert. In ihrer neuen Strategie betont die EZB, dass „besonders entschiedene oder anhaltende geldpolitische Maßnahmen nötig sind, wenn die Zinsen nahe an der Untergrenze sind“. Auch wenn ihr Inflationsziel künftig symmetrisch ist, will sie damit auf Abweichungen nach unten stärker reagieren als nach oben.

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Dahinter steht die Logik, dass sich die Zinsen nicht beliebig senken lassen und es irgendwann einen Punkt gibt, wo eine weitere Senkung die wirtschaftliche Entwicklung eher bremst als fördert. Aus Sicht vieler Ökonomen liegt der entscheidende Einlagenzins im Euro-Raum mit minus 0,5 Prozent nahe an dieser Grenze. Dies könnte sich im überarbeiteten geldpolitischen Ausblick widerspiegeln. Die Ökonomen der britischen Großbank Barclays erwarten, dass die zentrale Botschaft sein wird, dass die Geldpolitik längere Zeit locker bleibt.

Pictet-Experte Frederik Ducrozet verweist auf jüngste Äußerungen von EZB-Direktorin Isabel Schnabel. Sie hatte gesagt, dass sich „höhere Inflationsaussichten sichtbar in der tatsächlichen Inflationsdynamik widerspiegeln müssten, bevor dies eine grundlegende Neubewertung der Inflationsaussichten rechtfertigt“.

Commerzbank-Ökonom Michael Schubert deutet Schnabels Äußerungen so, dass die Löhne stärker steigen müssten und sich dies in einem nachhaltigen Anstieg der Inflationsrate auf zwei Prozent oder darüber niederschlagen müsste. Diese Auslegung wäre nicht so weit vom neuen Inflationsziel der US-Notenbank Fed entfernt, die explizit Inflationsraten über zwei Prozent tolerieren will, wenn die Teuerungsrate zuvor lange Zeit darunter lag.

2. Was passiert mit den Anleihekäufen?

Ein weiterer Streitpunkt im EZB-Rat ist die Frage, wie es künftig mit den Anleihekäufen weitergeht. Momentan ist das Notprogramm PEPP das wichtigste Instrument der Notenbank. Dieses ist mit besonderer Flexibilität ausgestattet. Es beläuft sich auf 1,85 Billionen Euro und ist bis Ende März 2022 befristet. Zudem läuft parallel das klassische Kaufprogramm APP im Umfang von monatlich 20 Milliarden Euro.

Schon auf der Junisitzung argumentierten Verfechter einer strafferen Geldpolitik für eine Senkung der PEPP-Käufe und verwiesen dabei auf die verbesserten Wachstums- und Inflationsperspektiven. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sprach sich im Interview mit dem Handelsblatt für ein baldiges Ende des PEPP-Programms aus. „Wenn der Notfall vorüber ist, für den das PEPP geschaffen wurde, muss es beendet werden“, sagte er.

Die Voraussetzung für eine Normalisierung der Geldpolitik sieht er erfüllt, wenn es eine gefestigte wirtschaftliche Erholung gibt und die wesentlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auslaufen. Damit rechnet er 2022.

Andere Ratsmitglieder wie Portugals Notenbank-Chef Mario Centeno oder der Gouverneur der Banca d‘Italia, Ignazio Visco, wollen dagegen die aktuelle ultralockere Linie möglichst lange beibehalten. Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat betont, dass es aus ihrer Sicht noch zu früh sei, um über einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik zu sprechen.

Gleichzeitig sagte sie aber, dass die Anleihekäufe nach März 2022 in ein neues Format überführt werden könnten. Frederik Ducrozet erwartet, dass die EZB ab März 2022 anstelle von PEPP das klassische Anleihekaufprogramm APP aufstockt und flexibler gestaltet.

Die Ratsmitglieder dürften über dieses Thema intensiv diskutieren. Höchstwahrscheinlich werden sie aber noch keine Entscheidung treffen. Auch deshalb, weil es durch die Delta-Variante Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie und die weitere Beeinträchtigungen der Wirtschaft gibt. Ducrozet rechnet im September oder sogar erst im Dezember mit einer Entscheidung.

3. Was ändert sich durch die neue Strategie sonst?

Auch das Format der Pressekonferenz wird sich ändern. Bislang war es so, dass Christine Lagarde genauso wie ihr Amtsvorgänger Mario Draghi zunächst ein vorgefertigtes langes Statement vorgelesen hat. Dieses war stets sehr ähnlich. Notenbank-Kenner haben oft Wort für Wort mit dem Statement in der Pressekonferenz sechs Wochen zuvor verglichen und aus einzelnen Änderungen Rückschlüsse auf die Geldpolitik abgeleitet.

Dieses sogenannte Eingangsstatement soll nun laut Lagarde „kürzer, knackiger und wahrscheinlich mehr auf den Punkt und mit weniger Fachausdrücken ausfallen“. Erklärtes Ziel der EZB ist es, ihre Geldpolitik auch für die breite Bevölkerung verständlicher zu machen.

Dies dürfte für die Juristin Lagarde eine Herausforderung werden. Zumindest die Märkte haben sich an die verklausulierte Sprache der Geldpolitik gewöhnt. Zudem hat sich Lagarde bisher in ihren Pressekonferenzen sehr eng an ihr Eingangsstatement gehalten und immer wieder daraus vorgelesen. Mit inhaltlichen Aussagen hat sie sich dagegen sehr zurückgehalten

Ihr Vorgänger Mario Draghi hat oft auch in längeren Exkursen die Argumente für den geldpolitischen Kurs der EZB erklärt und ist auf unterschiedliche Standpunkte dazu im Rat eingegangen.

Mehr: EZB startet Großprojekt: Der digitale Euro soll kommen

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1 Kommentar zu "Geldpolitik: „Wichtiges Treffen“ – Auf diese drei Punkte kommt es bei der EZB-Sitzung an"

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  • Es kommt nur auf eines an: die Märkte müssen unbedingt weiter glauben, dass unter gar keinen Umständen die Leitzinsen schnell angehoben werden, weil der massive Anstieg der Preise nur "temporär" sei.
    Hier ist alles gesagt, was dazu zu sagen ist:


    "Da die US-Staatsschulden nicht zurückgezahlt werden, steigt dieses Ding hier...
    https://fred.stlouisfed.org/series/GFDEBTN
    .... exponentiell an, nach der Formel:

    K(n) = K(0) x ((p/100) +1)^ n
    wobei
    K(0) = "Anfangskapital" (hier die Anfangsverschuldung)
    K(n) = "Endkapital" + Zinsen nach n Jahren (hier die Endverschuldung + Zinsen nach n Jahren)
    n = Anzahl der Jahre
    p = Zinssatz

    Das "Problem", das (nicht nur) Powell hat, ist nun (im wahrsten Sinne des Buchstabens) p.
    Setzen Sie für K(0) nun 28 Billionen USD ein (der aktuelle Stand der US-Staatsverschuldung), nehmen wir für n einmal einen Zeitraum von 5 Jahren an, und setzten Sie dann für p 1% und "alternativ" 5% oder gar 10% ein - und berechnen dann, was dabei herauskommt!!!
    Nun wissen Sie, warum Powell und die Fed insbesondere die Bondmärkte sedieren unhd einlullen müssen mit "Anstieg der Inflation ist nur temporär", "ein Sondereffekt" usw. usf. Wollen die Bondmärkte nämlich den Inflationsausgleich durch steigende Marktzinsen, dann würde es für Powell nämlich sehr schnell heißen: "Game over!" oder für Madame Lagarde auf Französisch: "Les jeux sont faits!" !!! "
    https://www.handelsblatt.com/finanzen/geldpolitik/geldpolitik-fed-chef-powell-haelt-kurs-blackrock-chef-zeigt-sich-besorgt/27420240.html





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