Geldpolitik Wie die Fed 1,5 Billionen vernichtet

Wenn der Chef der US-Notenbank spricht, bewegen sich die Aktienmärkte. Meist nicht zur Freude der Anleger, wie eine Auswertung von JP Morgan zeigt.
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Wenn der Chef der US-Notenbank spricht, hören die Anleger ganz genau zu. Quelle: AL DRAGO/The New York Times/Redu
Jerome Powell

Wenn der Chef der US-Notenbank spricht, hören die Anleger ganz genau zu.

(Foto: AL DRAGO/The New York Times/Redu)

FrankfurtIst Donald Trump wirklich der mächtigste Mann der Welt? Gewiss, sein Wort zählt, selbst, wenn es über Twitter abgeschossen wird. Nach einer Auswertung der US-Bank JP Morgan spricht aber vor allem Jerome Powell, der Chef der US-Notenbank (Fed), bewegende Worte.

Dabei sind die jüngsten Marktturbulenzen noch gar nicht berücksichtigt, sondern die Zeit seit seinem Amtstritt im Februar bis zum 3.Oktober. In der Studie der Experten Marko Kolanovic und Bram Kaplan heißt es vorsichtig: „Wir geben zu, dass es unmöglich ist, die Wirkung jeder Rede auf die Märkte exakt zu ermitteln, aber ein simpler Überschlag zeigt an, dass rund 1,5 Billionen Dollar an Kapitalisierung im Aktienmarkt nach seinen Reden verloren gegangen ist.“

Die beiden Banker haben festgestellt, dass die Märkte nach allen drei Pressekonferenzen und nach fünf von neun anderen öffentlichen Auftritten jeweils negativ reagiert haben. Dabei haben sie besonders auf Wendepunkte der Aktienkurse geachtet, die augenscheinlich als Folge von Powells Äußerungen aufgetreten sind.

Ihre Vermutung ist, dass die Aktienmärkte, denen sie die „wahrscheinlich ausgeklügelste Schwarmintelligenz überhaupt“ zutrauen, in manchen Frage anderer Meinung sind als Powell, was zu entsprechenden Reaktionen führt.

So hat der Fed-Chef mehrfach geäußert, die Aktienmärkte seine sehr hoch bewertet. Laut JP Morgan liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis künftiger Gewinne aber nur bei 16,4 und damit im Durchschnitt der letzten 25 Jahren. Mit der mehrfachen Wiederholung seiner Einschätzung habe Powell möglicherweise die Sorge geweckt, die Fed könne einen Fehler machen, und damit eine neue Bewertung ausgelöst.

Die Studie, die offenbar auf den expliziten Wunsch von Kunden angefertigt wurde, sollte man nicht allzu ernst nehmen. Die komplizierte Erklärung für negative Reaktionen wegen unterschiedlicher Einschätzung ließe sich auch darauf verkürzen, dass Kurse eben reagieren, wenn Notenbanker vor zu hohen Kursen warnen.

Außerdem bedeutet eine unmittelbare Reaktion nach einer Rede ja nicht, dass danach die Bewertung auf Dauer niedrig bleibt. Und schließlich darf man nicht vergessen, dass amerikanische Geldpolitiker ebenso wenig hohe Aktienkurse als Mandat haben wie europäische Geldpolitiker ausreichend hohe Sparzinsen.

Immerhin bleibt aber der Befund: Großen Einfluss hat der Fed-Chef schon, und nicht jeder ist glücklich darüber. Donald Trump ja auch nicht, wie er in den vergangenen Tagen mit seiner Kritik an der Fed deutlich gemacht, die ihm die schönen Aktienkurse kurz vor der Parlamentswahl im November verdirbt.

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