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Geldpolitik Zinssenkung der US-Notenbank verfehlt ihre Wirkung – Märkte brechen ein

Fed-Chef Powell hat auf der Pressekonferenz für neue Verunsicherung gesorgt, statt die Anleger zu beruhigen. Neuer Druck kommt auch von Präsident Donald Trump.
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Der Chef der Federal Reserve Bank lässt eine weitere Lockerung des Leitzins offen. Quelle: AP
Jerome Powell

Der Chef der Federal Reserve Bank lässt eine weitere Lockerung des Leitzins offen.

(Foto: AP)

New York Die Zinssenkung hatte Jay Powell frühzeitig signalisiert. Schon nach der Sitzung der US-Notenbank Mitte Juni deutete er den Schritt an, den er am Mittwoch schließlich vollzog. Doch die Senkung um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 2 bis 2,25 Prozent hatte nicht die gewünschte Wirkung. Während der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid gab der Leitindex Dow Jones um bis zu 478 Punkte nach und schloss 1,2 Prozent im Minus, statt die Märkte zu beflügeln. Auch der Dollar schoss in die Höhe.

Powell zufolge haben die Notenbanker gleich mehrere Gründe gesehen, die eine Zinssenkung rechtfertigen. Allen voran sorgen sich die Zentralbanker um den anhaltenden Handelsstreit mit China, der sich laut Powell negativ auf das Wachstum in den USA auswirkt. Auch sei das globale Wachstum schwächer und die Inflation weiterhin unter dem Ziel von zwei Prozent. „Es geht hier also um Risiko-Management“, sagte Powell. Die Fed sei fest entschlossen, den Aufschwung in den USA so lang wie möglich zu stützen. Die Zinssenkung „ist heute daher die richtige Entscheidung“, stellte Powell klar. Es ist die erste Zinssenkung seit Dezember 2008, mitten in der Finanzkrise.

Gerade der Handelskrieg stellt die Notenbanker vor neue Herausforderungen. Die Spannungen zwischen den USA und China „haben zunächst vor sich hin geköchelt, wären im Mai und Juni aber beinahe übergekocht“, sagte Powell. „Wir haben nicht viel Erfahrung damit, auf Spannungen im globalen Handel zu reagieren. Mit so etwas mussten wir uns noch nie auseinandersetzen. Das ist Learning by Doing.“ Der von Trump ernannte Notenbank-Chef sendete damit ein klares Signal an das Weiße Haus. Er wolle die Handelspolitik nicht bewerten. Doch er machte klar, dass die Fed den wirtschaftlichen Schaden, den die Regierung anrichtet, nicht ignorieren kann.

Präsident Donald Trump hat den Fed-Chef bereits vor einem Jahr zum Feind erklärt und hält mit immer neuen verbalen Angriffen auf Powell den Druck für Zinssenkungen aufrecht. Er hatte die Fed etwa als „völlig ahnungslos“, „verrückt“ und als „das hartnäckigste Problem“ der US-Wirtschaft bezeichnet. Noch am Dienstag hatte er die Notenbank angesichts der erwarteten leichten Senkung des Leitzinses zu einem größeren Einschnitt aufgefordert.

„Wie üblich hat uns Powell enttäuscht“

Powell sorgte auf der Pressekonferenz mit teils widersprüchlichen Aussagen für Verwirrung bei den Investoren. Er bezeichnete die Zinssenkung als „Anpassung mitten im Zyklus“. Es sei nicht der Beginn von einer ganzen Reihe von Zinsschritten, wie sie die Notenbank klassischerweise in einer Finanzkrise verfolgt. Die US-Wirtschaft sei schließlich nach wie vor robust. „Das wurde von den Händlern so verstanden, als sei diese Zinssenkung ein einmaliger Schritt, dem erst einmal keine weiteren folgen werden“, sagte der ökonomische Chefberater der Allianz, Mohamed El-Erian, dem Handelsblatt. Anfangs sei die Reaktion der Märkte noch verhalten gewesen. Doch mit der Pressekonferenz habe Powell wieder einmal für größere Volatilität gesorgt. „Investoren waren ursprünglich von zwei bis drei Zinssenkungen in den kommenden Monaten ausgegangen und hatten dies bereits eingepreist“, so El-Erian.

Die Entscheidung zur Zinssenkung war nicht einstimmig. Zwei Mitglieder des Zinsausschusses, Esther George, die Präsidentin der regionalen Fed in Kansas City und Eric Rosengren, Chef der Fed aus Boston, wollten die Zinsen lieber konstant halten. Es ist das erste Mal seit dem Powell im Februar 2018 die Führung der Notenbank übernahm, dass gleich zwei Mitglieder ihre Zustimmung verweigern. El-Erian zufolge sorgt das für zusätzliche Unsicherheit, was den weiteren Kurs angeht.

Powell schloss weitere Zinssenkungen nicht aus, wollte sich jedoch auch nicht festlegen. Schließlich wachse die US-Wirtschaft ja. Der Arbeitsmarkt sei mit einer Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent so stark, dass endlich auch einkommensschwache und benachteiligte Amerikaner solide Arbeitsplätze fänden.

Neuen Druck gab es am Mittwoch auch von US-Präsident Trump. „Die Märkte wollten von Jay Powell und der Fed hören, dass dies der Beginn einer längeren Phase von aggressiven Zinssenkungen ist, die mit China, der Europäischen Union und anderen Ländern mithalten können“, schrieb Trump eine Stunde nach dem Ende von Powells Pressekonferenz auf Twitter. „Wie üblich hat uns Powell enttäuscht.“

Mehr: Wie Trump vor dem Zinsentscheid den Druck auf die US-Notenbank erhöht hatte. Für den US-Präsidenten ist eine Senkung des Leitzinses um 0,25 Prozent nicht genug.

„Die mangelhafte Transparenz der Fed hat an der Wallstreet zu einem Abverkauf geführt“

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