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Geldpolitik Zinssenkung in Sicht: Rezessionsgefahr und Trump setzen Fed-Chef Powell unter Druck

Nicht nur Trump fordert ständig Zinssenkungen von der US-Notenbank, auch viele Investoren drängen darauf. Auf der Geldpolitik-Konferenz in Jackson Hole muss sich der Fed-Chef positionieren.
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Fed: US-Notenbankchef Powell steht vor schwierigen Entscheidungen Quelle: AP
Jerome Powell

Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) steht derzeit von mehren Seiten unter Druck.

(Foto: AP)

Frankfurt Noch bevor sich die Spitze der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und andere führende Geldpolitiker ab Donnerstag im amerikanischen Jackson Hole am Fuße der Rocky Mountains treffen, hat sich mal wieder US-Präsident Donald Trump zu Wort gemeldet. Die Notenbank solle den Leitzins rasch um „mindestens 1,00 Prozentpunkte“ senken, forderte er auf Twitter und brachte außerdem neue Anleihekäufe ins Spiel.

US-Notenbankchef Jerome Powell, der am Freitag auf der Konferenz sprechen wird, ist in einer schwierigen Lage. Nicht nur der amerikanische Präsident, auch viele Marktteilnehmer erwarten weitere Zinssenkungen.

Bereits auf ihrer Sitzung im Juli hat die Fed erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen gesenkt. Damals hatte Powell jedoch die Erwartungen auf weitere Schritte gedämpft. Er sagte, dass keine Ära weiterer Zinssenkungen zu erwarten sei – was für Unruhe an den Märkten sorgte.

Seither jedoch hat auch in den USA die Angst vor einer Rezession zugenommen. Viele Investoren erwarten daher, dass die Notenbank nun doch weitere Zinssenkungen in Aussicht stellt.

„Powell wird wahrscheinlich ein Signal für weitere Zinssenkungen geben,“ sagt Bernd Weidensteiner, US-Ökonom bei der Commerzbank. Ähnlich äußert sich auch Torsten Slok, Ökonom der Deutschen Bank in New York. Powell und der geldpolitische Ausschuss der Fed würden eine Zinssenkung anstreben, „um einen stärkeren Abschwung der US-Wirtschaft als Folge des Handelskriegs zu verhindern,“ sagt er.

Allerdings dürfte ein solcher Schritt für Diskussionen sorgen. Aus Sicht von Kritikern würde Powell wie ein Getriebener von Trump und den Märkten wirken. Commerzbank-Ökonom Weidensteiner sieht aber auch wirtschaftliche Gründe dafür, dass die Fed nochmal nachlegt. „Konjunkturelle Warnzeichen sind die inverse Zinskurve, die aktuelle Unsicherheit an den Finanzmärkten und schwächere Stimmungsindikatoren,“ sagt er.

Unterschiedliche Signale zur US-Wirtschaft

Mit einer inversen Zinskurve ist gemeint, dass in den USA derzeit zweijährige Staatsanleihen eine höhere Rendite abwerfen als zehnjährige. Dies war in der Vergangenheit ein guter Indikator für eine bevorstehende Rezession. Ob das auch dieses Mal gilt, ist aber umstritten, weil die langfristigen Zinsen auch durch die Anleihekäufe der Notenbanken stark gedrückt wurden.

Zur US-Wirtschaft gibt es derzeit unterschiedliche Signale. So sind einige zuletzt veröffentlichte Konjunkturdaten überraschend positiv ausgefallen. „Die neuesten Daten haben weiterhin positiv überrascht,“ sagt Torsten Slok. Als Beispiele nennt er die Zahlen zu den US-Konsumausgaben, die im Juli überraschend stark gestiegen sind und zur Inflation, die ebenfalls höher als erwartet ausgefallen ist.

Ein großer Sorgenfaktor ist nach wie vor der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Manche Ökonomen glauben allerdings, dass dieser der US-Wirtschaft weniger schadet als anderen Ländern, weil der Export für die US-Wirtschaft eine geringere Rolle spielt.

Zum Vergleich: In Deutschland machen Exporte etwa die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus und in China 20 Prozent – in den USA dagegen nur zehn Prozent. „Der Handelskonflikt an sich wird keine Rezession auslösen,“ sagt Bernd Weidensteiner. Er hält aber vor allem das erratische Vorgehen von Trump bei den Zöllen für ein Problem. „Das führt tendenziell dazu, dass Unternehmen Investitionen aufschieben.“

Der Commerzbank-Ökonom geht davon aus, dass die Fed in diesem Jahr noch zweimal die Zinsen senken wird. Auch Torsten Slok erwartet, dass die Fed aktiv wird. „Angesichts der größeren Unsicherheit über die Auswirkungen des langsameren Wachstums in Europa und Asien auf die US-Wirtschaft halten wir es dennoch für sinnvoll, dass die Fed die Zinsen im September und Dezember senkt.“

In den USA liegt der Leitzins derzeit in der Spanne von 2,00 bis 2,25 Prozent. Im Vergleich zur Eurozone, wo er bei null Prozent liegt, hat die Fed damit noch etwas Spielraum für weitere Senkungen, aber längst nicht so viel wie in der Vergangenheit.

Neue Ideen für die Krise

Im Euroraum erwägt die Europäische Zentralbank (EZB) sogar, den Einlagenzins von minus 0,4 Prozent noch weiter in den negativen Bereich zu senken. Von der EZB werden ihr neuer Chefvolkswirt Philip Lane sowie die Direktoren Sabine Lautenschläger und Benoit Coeure nach Jackson Hole reisen. EZB-Chef Mario Draghi, dessen achtjährige Amtszeit Ende Oktober abläuft, wird nicht erwartet.

Bei der Konferenz geht es unter dem Leitthema „Herausforderungen für die Geldpolitik“ auch um neue Ideen, wie die Notenbanken auf künftige Krisen reagieren können. Was genau auf dem Konferenz-Programm steht, ist wie jedes Jahr ein gut gehütetes Geheimnis und wird erst kurz vor Beginn des Treffens veröffentlicht.

Im Vorfeld haben aber der frühere Vize der Fed, Stanley Fisher, der frühere Schweizer Notenbankchef Philipp Hildebrand, der ehemalige Vize der kanadischen Notenbank Jean Boivin sowie die Ökonomin Elga Bartsch, die heute alle für den US-Vermögensverwalter Blackrock arbeiten, einen kontroversen Vorschlag gemacht.

Sie schlagen vor, die Notenbanken sollten im Krisenfall der Regierung und den Bürgern direkter Geld zur Verfügung stellen. Vor einigen Jahren wäre ein solcher Vorschlag belächelt worden. Doch seit der Finanzkrise hat sich das geldpolitische Umfeld komplett verändert. Für die Notenbanker in Jackson Hole bietet das viel Raum für kontroverse Debatten.

Mehr: Notenbanken sind mächtige Institutionen, die vor allem die Inflation steuern sollen. Inzwischen gibt es Zweifel, ob dies überhaupt noch möglich ist.

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