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Geldsysteme Was Gold und Target-2-Salden miteinander zu tun haben

Um die Verrechnungssalden zwischen nationalen Notenbanken und EZB dreht sich ein absurder Streit. Der fußt auch auf einem Missverständnis über unser Geldsystem.
5 Kommentare
Was Gold und Target-2-Salden miteinander zu tun haben Quelle: picture alliance/AP Photo
Goldbarren der Bundesbank

Um eine auf Buchgeld basierende Währung wie den Euro abzusichern, braucht man das Edelmetall eigentlich nicht.

(Foto: picture alliance/AP Photo)

FrankfurtDie Deutsche Bundesbank weist in ihrem sogenannten Target-2-Saldo eine fast eine Billion Euro schwere Forderung gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Das führt seit Langem zu einer konfusen Diskussion: Die eine Seite, angeführt von dem Ökonomen Hans-Werner Sinn, beschwört große Gefahren. Die andere Seite, zu der zum Beispiel der Ökonom Marcel Fratzscher gehört, hält diese Salden für mehr oder minder bedeutungslos. Und EZB-Präsident Mario Draghi wirft den Kritikern des Targetsystems vor, sie seien in Wahrheit Gegner des Euro.

Manche Kritikpunkte sind in der Tat so absurd, so dass die Frage aufkommt, wieso sie eigentlich überhaupt auf Zustimmung stoßen. Möglicherweise ist eine Erklärung dafür, dass das Verständnis des Geldsystems häufig immer noch von Vorstellungen geprägt wird, die eigentlich zu einer mit Gold gedeckten Währung passen und nicht zu unserer heutigen „Fiat“-Währung, die durch nichts gedeckt ist.

„Fiat Lux“ steht in der lateinischen Version der Bibel für „Es werde Licht“. In der Ökonomie steht es für Geld, das allein durch offizielle Anerkennung, in der Regel durch den Staat und besonders durch die Steuerbehörden, seinen Wert erhält. Der deutsche Philosoph Johann Gottlieb Fichte hat eine derartige „Landeswährung“, wie er es nannte, schon im Jahr 1800 vorgeschlagen. Durchgesetzt hat sie sich aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem seit den 1970er-Jahren.

Die Target-2-Salden entstehen dadurch, dass Geld von einer nationalen Euro-Notenbank zu einer anderen geschickt wird. Bei der sendenden Notenbank führt das zu einem Minus auf dem Verrechnungskonto mit der EZB, bei der empfangenden zu einem Plus – und damit entsprechenden negativen oder positiven Salden. Je nach dem, in welche Richtung mehr Geld fließt, sammelt sich bei manchen Notenbanken, etwa der Bundesbank, netto ein hoher positiver Saldo an. Bei anderen, zum Beispiel der italienischen Notenbank, entsteht dagegen ein negativer Saldo.

Sicheres Geld besichern?

Ein absurder Vorschlag lautet, diese Salden sollten besichert werden. Die italienische Notenbank sollte also der EZB Sicherheiten stellen, weil ihr Saldo negativ ist. Die EZB würde wiederum der Bundesbank Sicherheiten für deren positiven Saldo stellen. Absurd ist der Vorschlag deswegen, weil sich die positiven Salden durch Geld der EZB, der Zentralbank, ergibt. In einem System mit Fiat-Geld aber ist Zentralbankgeld bereits die sicherste Form des Geldes. Denn in diesem Fall besteht Geld nur aus Buchungssalden – wenn man vom Bargeld absieht.

Genauso wie ja das Geld auf der Sparkasse auch nur aus einer Buchung der Sparkasse zu Gunsten des Kunden besteht – oder, umgekehrt, auf einer Forderung des Kunden gegenüber der Sparkasse. Nur, dass das Sparkassengeld eben von der Sparkasse und der dahinter stehenden Organisation abgesichert wird, der Target-2-Saldo aber von der EZB, die als Schöpferin des Euro per Definition nicht pleite gehen kann.

Wie aber soll man Geld in seiner sichersten Form noch einmal besichern? Mit Staatsanleihen, die durch eine Umschuldung oder Kursbewegungen an Wert verlieren können? Das ergibt absolut keinen Sinn.

Anders sähe es aus, wenn wir von einem mit Gold unterlegten Geldsystem sprächen. Dann wäre Buchgeld, also Geld auf Konten oder Buchungssalden, im Grunde nur eine Ableitung der wirklichen Währung, dem Gold. In diesem Fall würde es auch einen gewissen Sinn ergeben, Target-2-Salden „nur“ als eine Art Kredit anzusehen, so lange bis die Zahlung mit echtem Geld, also dem Gold, erfolgt ist. Es wäre daher auch möglich, sie mit Gold zu besichern.

Saldenausgleich ergibt wenig Sinn

Ähnlich sieht es mit der Forderung aus, die nationalen Notenbanken sollten die Salden regelmäßig „ausgleichen“, ähnlich wie es die regionalen Notenbanken in der USA unter einander tun. Tatsächlich hat dieser Ausgleich in den USA anfangs mit Gold stattgefunden, dann mit Gold-Zertifikaten und noch später mit Staatsanleihen.

Aber Sinn ergibt so ein Ausgleich nicht, wenn die Grundlage, das Gold, fehlt. In der Euro-Zone würde so ein Saldenausgleich darauf hinauslaufen, dass zum Beispiel die italienische Notenbank italienische Staatsanleihen abgibt, die im Endeffekt dann zum großen Teil in der Bilanz der Bundesbank landen würden, um deren Target-2-Saldo zum Teil zu ersetzen. Genau das will aber in Deutschland niemand, und die Bundesbank am allerwenigsten.

Der deutsche Standpunkt war immer, dass jede nationale Notenbank ihre nationalen Staatsanleihen behält und für deren Risiken verantwortlich ist. Ganz anders wiederum sähe das bei einer Goldwährung aus. In einem solchen System könnte man überlegen, Salden durch die Zuschreibung von Goldbesitz zu ersetzen – das Gold hätte dann ja auch einen festen Preis.

Eine Form von Idealismus

Die Liste der Absurditäten lässt sich noch verlängern. Manchmal heißt es, die italienische Notenbank werde nie mehr in der Lage sein, ihren negativen Saldo zu „bezahlen“. Tatsächlich ist der Saldo dadurch entstanden, dass sie Zahlungen geleistet hat – und im Fiat-System werden Zahlungen auch nur auf diese Weise geleistet.

Ebenso absurd ist es, den positiven Saldo der Bundesbank als eine Art Kredit an andere Notenbanken aufzufassen. Bei Krediten zahlt ja üblicherweise der Kreditgeber Geld und erwartet die Rückzahlung. Der positive Saldo der Bundesbank ist aber entstanden, weil sie Geld bekommen hat, nicht weil sie welches vergeben hat. Auch diese Absurdität löst sich auf, wie bereits angemerkt, wenn man den Saldo quasi nur als Vorabbuchung einer Zahlung in Gold, sozusagen in „richtigem“ Geld ansieht. Aber in unserer Fiat-Welt ist der Saldo schon das richtige Geld, auch wenn das nicht so recht eingängig erscheint.

Nach Jahrtausenden mit Geld, das durch Edelmetalle gedeckt war, widerspricht es immer noch der Intuition, dass wir in einem System leben, in dem Geld tatsächlich überwiegend aus reinen Buchungsvorgängen und zu einem kleineren Teil aus bedrucktem Papier besteht. Aber genau das ist der Fall.

Die Bundesbank besitzt zwar einen gewaltigen Goldschatz, der zu einem guten Teil noch in New York, aber mittlerweile überwiegend in Frankfurt lagert. Dieser Schatz hat aber wirtschaftlich keinerlei Funktion. Würde er sich durch die Einwirkung außerirdischer Wesen plötzlich in Luft auflösen, dann wäre damit in Deutschland kein privates Vermögen, kein Arbeitsplatz, kein Einkommen, auch nicht der Staathaushalt gefährdet. Es gäbe allenfalls einen großen Schrecken und anschließend ein paar Buchungsprobleme, wenn das Malheur bekannt wird.

Johann Gottlieb Fichte, der vor über 200 Jahren schon das Fiat-Geld vorgeschlagen hat, wird dem Idealismus zugerechnet. In gewisser Weise sind wir heute alle Idealisten: Wir glauben an Geld, das ohne jede materielle Grundlage und gewissermaßen als Idee existiert. Nur haben wir das zum Teil noch gar nicht richtig begriffen.

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5 Kommentare zu "Geldsysteme: Was Gold und Target-2-Salden miteinander zu tun haben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Selbstverstaendlich handelt es sich bei den Target-2-Salden um Kredite,die aber leider nicht eingefordert werden koennen! Dadurch gelangt ein Nettobestand an Guetern und Vermoegenswerte von 1000 Milliarden Euro in auslaendische Hand, ohne dass wirkliche Substanz zurueckkam. Die Ansprueche der Bundesbank werden in der Zahlungsbilianzstatistik als Auslandsvermoegen der Bundesrepublik Deutschland verbucht und entsprechen der Haelfte des gesamten Nettoauslandsvermoegen.Wenn schon diese Target Salden notwendig sind, dann sollten diese wie Ueberziehungskredite-mit hohen Zinsen gehandhabt werden!!!Dieses System schadet Deutschland sehr und gewaehlte Abgeordnete sollten sich intensiv mit dem Target-System befassen ,damit die Deutschen wissen,was hier ablaeuft!!! Es erschuettert mich auch sehr,dass das Handelsblatt in den letzten Wochen laufend Artikel bringen,die dem deutschen Volk beweisen sollen,dass diese
    Target-Salden fuer Deutschland kein Risiko sind!

  • " In gewisser Weise sind wir heute alle Idealisten: Wir glauben an Geld, das ohne jede materielle Grundlage und gewissermaßen als Idee existiert." (Zitat Artikel 07.08.18 9.50 h)

    Nein, wir werden dazu GEZWUNGEN, daran zu glauben, weil keine andere Möglichkeit mehr zugelassen wird.

    Und der einzige Teil dieses Geldes, der materiell vorhanden ist und somit einer Gewissen Limitierung unterliegt (Bargeld), wird uns durch die permanente Gehirnwäsche der Politik und der nahgeschalteten Medien andauernd madig gemacht ("Bargeld fördert Terrorismus/Steuerhinterziehung/Kriminalität").

  • Dem Artikel von Herrn Wiebe, fehlt es an ökonomoischer Fundierung.
    Wenige Grundlagen zur Außen- und Bankwirtschaft würden schon helfen. Natürlich sind die Target2-Salden wirtschafftlich gesehen Kredite.
    Die Differenzen aus den Leistungsbilanzen und den Kapitlverkehrsbilanzen zwischen den Euro-Ländern werden u.a. damit finanziert. Der Überziehungskredit ist unbegrenzt.
    Über das Zahlungsystem Target 2 ist es den Zentralbanken möglich, Risiken aus den Bankenbereich an die EZB weiterzureichen.
    Ich empfehle dazu Markus Krall zu lesen, beispielhaft für Italien:
    "Es sind konkrete Forderungen der Italienischen Zentralbank an eine beliebige Italienische Geschäftsbank, die den Ausgangspunkt der Betrachtung bilden. Sie werden in der Bankbilanz gedeckt und damit „gesichert“ durch die Vermögensseite der Bilanz der gleichen Bank. Wenn aber dieses Vermögen verseucht ist durch ausgefallene Kredite und Kredite an Zombieunternehmen, die nur durch die Subvention des Nullzinses künstlich am Leben erhalten werden, dann ist diese Besicherung wertlos. Es beginnt also damit, dass die Banca d`Italia schon auf unbesicherten Forderungen sitzt, deren Erfüllung daran scheitert, dass die Geschäftsbanken bei korrekter Bilanzierung so ziemlich alle Pleite wären.
    Im zweiten Schritt reicht die Banca d`Italia das Risiko an die EZB weiter, die das Target-2 Guthaben in Rom mit einem Target-2 Defizit bei der Bundesbank finanziert. Nun findet sich in der Bundesbankbilanz ein „Vermögensposten“ von nunmehr einer Billion Euro namens Target-2 Forderung an die EZB. Womit hat die Bundesbank das finanziert? Mit den Einlagen der deutschen Banken und Sparkassen bei ihr, also mit Forderungen, die sie zu erfüllen hat, wenn diese Banken das Geld zurückfordern. Kann sie das nicht, weil die EZB ihr die Target-Guthaben schuldig bleibt, so verlieren die Geschäftsbanken in Deutschland ihre Guthaben und wären pleite. Der letzte in dieser Reihe ist dann der Inhaber der Sparkonten und der Schuldscheine der Banken..."

  • Komisch, meine Bank gibt mir keine Target 2 Saldo??? Wenn der Brexit durch ist und die Stimmverhältnisse in der EU sich ändern werden wir als deutsche in Zukunft sowieso gemolken.

  • Der Saldo zu gunsten der Bundesbank ist in kurzer Zeit um 200 Mrd Euro
    gestiegen. Mir persönlich fehlt hier ein Sicherungssystem für den Fall eine Austritts eines
    Mitgliedstaates aus dem Eurowährungsverbund.

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