Griechenland-Haircut EZB hat Anleihen bereits getauscht

Mit einem Trick entzieht sich die Europäische Zentralbank der Gefahr, an einem Schuldenschnitt in Griechenland beteiligt zu werden. Den notwendigen Schritt dazu hat sie wohl bereits heute vollzogen.
Update: 17.02.2012 - 17:24 Uhr 32 Kommentare
Quelle: dpa - picture alliance
(Foto: dpa - picture alliance)

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will sich an einem Schuldenschnitt für Griechenland nicht beteiligen. Zur Vermeidung von möglichen Verlusten haben die Euro-Zentralbanken ihre griechischen Anleihen in neue Papiere getauscht. Davon betroffen sind nach Informationen aus Notenbankkreisen vom Freitag Staatsanleihen, die die EZB über die nationalen Notenbanken seit Mai 2010 auf dem Sekundärmarkt gekauft hat.

Mit dem Schritt wollen die Notenbanken Nachteile für den Fall vermeiden, dass die griechische Regierung die Anleihebedingungen per Gesetz ändert. Athen könnte sogenannte Collective Action Clauses (CAC) einführen, falls bei dem Schuldenschnitt nicht genügend private Gläubiger wie Banken und Versicherungen mitziehen. Dann stünde auch eine Beteiligung von öffentlichen Gläubigern wie der EZB im Raum. Der EZB-Rat habe entschieden, die Zentralbanken gar nicht erst in eine solche prekäre Lage kommen zu lassen, hieß es am Freitag in den Kreisen.

Schließlich seien die Anleihen von Pleitekandidaten wie Griechenland nicht aus Investitionsgründen, sondern zur Stützung der Geldpolitik gekauft worden. „Das Eurosystem ist mehrheitlich zu der Auffassung gelangt, dass man aus geldpolitischen Operationen keine Verluste nehmen sollte.“ Die getauschten neuen Anleihen seien identisch mit den alten, was Laufzeit und Konditionen angehe, sie trügen lediglich eine andere Kennnummer. Der Austausch werde auf der Grundlage von Verträgen mit der griechischen Regierung abgewickelt.

Die Sonderbehandlung birgt jedoch Risiken, wird auch in den Notenbank-Kreisen eingeräumt. „Am Ende des Tages geht es um die Frage, ob ich als Emittent einzelne Gläubiger besserstellen kann. Alles, was in diese Richtung deutet, ist rechtlich kritisch zu bewerten.“ Es bestehe zudem die Gefahr, dass das Vertrauen von Anlegern auch in anderen Euroländer leide. Denn ein Investor könnte befürchten, dass die Zentralbank auch bei Zahlungsproblemen etwa Portugals außen vor bleiben und er bei einem Forderungsverzicht umso stärker zur Kasse gebeten würde.

Bundesbank stimmte gegen Umtausch-Beschluss
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Griechenland-Haircut - EZB hat Anleihen bereits getauscht

32 Kommentare zu "Griechenland-Haircut: EZB hat Anleihen bereits getauscht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Solange es unterschiedliche Schuldnerqualitäten gibt, gibt es auch unterschiedliche Zinssätze. Sie sind Ausdruck des Ausfallrisikos.
    Auch auf der Gläubigerseite gibt es unterschiedliche Qualitäten im Rang der Forderung. Das ist marktwirtschaftlichter Alltag - vom Grundbucheintrag bis zur Nachranganleihe.
    Hier stellen sich offenbar einige dumm, die sich verspekuliert haben, als sie Griechenlandanleihen zum Schrottpreis erworben haben, um sich dann vom Steuerzahler "retten" zu lassen.




  • Ich bin mächtiger als Du !
    Ich bestimme die Gesetze !

  • Nach der Staatsschuldenkrise wird als nächstes die Geldwertkrise kommen. Man konnte sich noch vor einigen Jahren nicht vorstellen, dass Staaten im Euro Raum pleite gehen könnten. Und man konnte sich bis vor kurzem auch nicht vorstellen, dass die EZB von südländischen Mafiosi dominiert wird. Das Vertrauen ist dahin. Und mit jeder Schweinerei schwindet das Vertrauen. Und was ist ohne Vertrauen der Euro? Richtig - bedrucktes Papier.

  • Dafür gibt es nur ein Wort: Kriminell. Draghi und Co. gehären alle ins Gefängnis.

  • Sämtliche Privatanleger, also auch alle privaten Finanzinstitute sollten gewarnt sein, wenn es um den Erwerb irgendwelcher Staatsanleihen geht.

    Die Macht liegt in den Händen der Regierungen - und in den Händen der von Politikern gesteuerten Institutionen wie auch die EZB. Und dort wird man die Macht rücksichtlos zum eigenen Vorteil nutzen, auch zu Lasten von Gläubigern.

  • Ich habe meine griechischen Anleihen natuerlich auch nur deshalb gekauft, weil ich an Europa und die Griechen glaube. Da ist es nur fair, wenn ich auch vom Haircut ausgenommen werde. Einen eventuellen Gewinn würde ich natürlich Griechenland für Aufbaumassnahmen zur Verfügung stellen.

  • Ich kann mir niemanden vorstellen, der nach dieser Aktion wieder europäische Staatsanleihen kaufen könnte. Somit kommen nur noch institutionelle Käufer in Frage, die fremde Gelder verwalten und diese auf diese Art und Weise dann auch vernichten.

  • "... verloren geht und eitretende Begleitumstände von Generation zu Generation neu erfahren und erlitten werden müs..."

  • Du wirst ja wissen, dass wir zwar eine gemeinsame Wirklichkeit, aber keine gemeinsame Wahrheit haben, weswegen es ein Irrtum ist, in der Schule Geschichte zu unterrichten, wie ja der ständig wiederkehrende Umstand beweist, dass alles Wissen bezüglich der Gefahren, die auf unser Leben einwirken - besonders, wenn es um Betrug geht, meine ich damit -, immer wieder verloren gehen und von Generation zu Generation neu erfahren und erlitten werden müssen, weshalb ich mir keine Sorgen darüber zu machen brauche, dass die Leute längerfristig ihre Finger von Staatsanleihen lassen werden, wobei es besser wäre, überließe überhaupt niemand mehr sein Geld den Politikern, Bankern, Versicherern ...

    Bürgen, werdet mündig!

  • Nur, wer ausser der EZB wird jetzt jemals wieder Staatsanleihen anfassen? Er muss immer befürchten, ein Anleger 2.ter Klasse zu sein.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%