Griechenland und Euro-Krise Zieht Draghi irgendwann den Stecker?

Ausgerechnet die Europäische Zentralbank hat das stärkste Druckmittel gegenüber Athen in der Hand. Von ihr hängt die Finanzierung der griechischen Banken ab. Das bringt EZB-Chef Mario Draghi in eine heikle Lage.
Update: 04.02.2015 - 20:49 Uhr 30 Kommentare
EZB-Chef Mario Draghi muss politische Entscheidungen treffen, ob er will oder nicht. Quelle: dpa
Alles hängt von der EZB und ihrem Präsidenten ab

EZB-Chef Mario Draghi muss politische Entscheidungen treffen, ob er will oder nicht.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat große Erwartungen an Mario Draghi. „Die EZB wird alles tun, was nötig ist, um die Mitgliedsstaaten der Euro-Zone zu unterstützen“, sagte er nach seinem heutigen Treffen mit dem EZB-Chef. Die eindringlichen Worte haben ganz praktische Gründe: Varoufakis ist auf das Wohlwollen der Europäischen Zentralbank (EZB) angewiesen. Denn davon hängt ab, ob sich die griechischen Banken weiter finanzieren können.

Angesichts der politischen Unsicherheit haben viele Griechen im Vorfeld der Wahlen ihr Geld von den Konten abgehoben. Das bringt die Banken in Bedrängnis: Laut der Nachrichtenagentur Reuters haben drei der vier Großbanken begonnen, Finanzhilfen der nationalen Notenbank zu nutzen. Bisher belaufe sich die abgerufene Summe der sogenannten Not-Liquiditätshilfen (Ela) auf rund zwei Milliarden Euro.

Die griechischen Banken hätten zuvor spürbare Abflüsse bei ihren Einlagen verzeichnet, berichtet Reuters unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Grundsätzlich wird Ela von den nationalen Notenbanken auf eigenes Risiko gewährt. So lange Griechenland im Euro bleibt, fällt dies nicht auf die anderen Euro-Länder zurück. Im Falle eines Euro-Austritts allerdings schon. Deshalb muss der EZB-Rat die Nothilfen absegnen.

Die EZB und ihr Chef Mario Draghi stecken dadurch in der Zwickmühle: Schiebt die EZB bei den Ela-Krediten einen Riegel vor, bringt sie die griechischen Banken in Gefahr – tut sie es nicht, geht sie Risiken ein. „Die EZB spielt eine politische Rolle, egal wie sie sich entscheidet. Sie kann dieses Dilemma nur entschärfen, indem sie neue Sonderregeln vermeidet“, sagt EZB-Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank.

Grundsätzlich gilt für Ela-Kredite, dass diese nur gegen ausreichend Sicherheiten gewährt werden dürfen. Momentan akzeptiert die EZB griechische Staatspapiere als Sicherheiten, obwohl diese eigentlich ein schlechtes Kreditrating haben. Dies ist an die Auflage gebunden, dass Griechenland am Hilfsprogramm teilnimmt und nicht mehr als 15 Milliarden Euro an kurzfristigen Geldmarktpapieren auf den Markt bringt.

Im Handelsblatt-Interview hatte Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel jüngst gewarnt, dass die EZB der Ela-Gewährung ansonsten widersprechen könnte. „Die Frage ist also, wie werthaltig griechische Staatsanleihen oder staatliche Garantien nunmehr sind, und das hängt für mich sehr eng damit zusammen, wie es die neue Regierung mit dem Hilfsprogramm und dem vereinbarten Reformkurs hält“, sagte Nagel.

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30 Kommentare zu "Griechenland und Euro-Krise: Zieht Draghi irgendwann den Stecker?"

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  • "Aber wenn man es mal runterbricht dann bleiben meiner Meinung nach nur 2-3 Optionen für Griechenland oder Euroländer in ähnlicher Situation."

    Naja es geht aber bei allen Besonderheiten der griechischen Misswirtschaft eigentlich um viel mehr: Der Kapitalismus als "The winner takes it all"-System, muss die mit zunehmender und zunehmend leistungsloser Umverteilung von unten nach oben sowie zunehemnder Sättigung vieler Wirtschaftsbereiche die Frage beantworten, was aus den Verlierern wird.

    Diese Frage ist alles andere als trivial und kann vermutlich nicht durch neue (intellektuelle) Systeme sondern nur durch kulturelles Wachstum in Freiheit beantwortet werden. Sie ist die eingebaute Systemtranszendenz, die uns Menschen zu neuen Ufern oder alten Abgründen führen wird. Diese Frage geht weit über Griechenland hinaus und wird entscheiden, ob das Endspiel auf dem Schlachtfeld ausgetragen wird oder es zur Abwechslung mal eine große Party gibt.

  • ....genau, versprochen wird das Schlaraffenland, und wie schon bei Pinocchio - am Ende ist man der Esel............

  • Glaubt einer im Ernst der gute Herr Draghi würde hier nicht wieder mit Unsummen von Geld einspringen?
    Regeln, Abkommen, Verträge, Gesetze, die Verpflichtung wirtschaftlich verantwortlich zu Handeln haben ihn noch an nichts gehindert.

  • Es gibt viele verschiedene Sichtweisen, und Meinungen. Aber wenn man es mal runterbricht dann bleiben meiner Meinung nach nur 2-3 Optionen für Griechenland oder Euroländer in ähnlicher Situation.

    1. Griechenland steigt aus dem Euro aus, geht pleite, und startet mit eigener Währung, die der Wirtschaftsleitung angepasst ist neu. Könnte mit Starthilfe der EZB vielleicht wieder auf die Beine kommen (Exportwirtschaft, Tourismus...)

    2. Griechenland bleibt im Euro, und muss finanziert werden, da es nie in der Lage sein wird, die geforderte Wirtschaftsleitung dieser teuren Währung zu erbringen. Bei der Bevölkerung kommt dieses Geld leider nicht an.

    3. Der Euro wertet so weit ab, dass es auch für wirtschaftsschwache Länder möglich ist, schwarze Zahlen zu schreiben (bzw. das System zu bedienen). Dafür müsste er aber bestimmt 3/4 seines jetzigen Wertes einbüßen. (Riesige Inflation, Sparer verlieren einen Großteil ihres Geldes)

    Für welches Szenario entscheidet sich die Eurogruppe? Vielleicht für 3 ?
    1 Billionen für Anleihen, die nichts Wert sind soll die Inflation ankurbeln?
    Da unser Finanzsystem (und auch das der anderen) ein Schneeballsystem ist,
    das rechnerisch nicht für alle Zeit funktionieren kann, wird wohl alles daran gesetzt werden, dessen Laufzeit so lange wie möglich zu erhalten.
    Und jede Nation wird versuchen nicht die erste zu sein, die den Bach runter geht. Das bedeutet: Die Armen werden weiter immer ärmer, und die Reichen immer reicher. Und solange noch irgend etwas zu holen ist (bei wem auch immer) kann das System weiterhin funktionieren.............

  • Draghi hat doch immer behauptet, er mache keine Politik, dafür sei die EU zuständig! ha ha ha ha ha ha ha ha ha ................................................................

  • Wenn die EZB jetzt die griechischen Banken zwischenfinanziert, dann steigt ganz einfach das Erpressungspotential der Griechen.
    Man sollte sich in diesem Zusammenhang auch fragen, warum alle europäischen Nachrichtensender, die plötzliche Abkehr der griechischen Trickser von der Forderung des Schuldenerlasses hin zur Umschuldung, als ernsthafte Wende zur Vernunft darstellen, obwohl es doch dasselbe ist! Die Griechen drohen mit erschießen. Alle ergeben sich und sind froh, wenn sie nicht abdrücken. Wer ist da der Blödian?

  • Herr Niesslbeck: Kennen Sie einen Geschäftsmann der langfristig seine Umsätze nur mit Anschreiben macht. Die EU ist ein Schneeballsystem. Ist die Verschuldungskapazität eines neuen Mitglieds erschöpft, erlöscht das Strohfeuer der Umsätze für die Lieferanten von Konsum- und Investitionsgütern und ein neuer Mitspieler muss gefunden werden. Zur Not täte es auch die Ukraine…..

  • Etwas in dieser Qualität möchte ich gerne in ARD oder ZDF sehen und zwar zur besten Sendezeit (Tatort). Aber dann kommt sicher die Gedankenpolizei;–))

    http://www.arte.tv/guide/de/048762-000/staatsschulden-system-ausser-kontrolle?autoplay=1?autoplay=1

    Es lohnt sich die Zeit zu investieren sich eine Prise Adrenalin zu holen.

  • Herr C. Falk: Sie machen sich Gedanken um den Blick. Ophthalmologen kennen diesen Blick als Symptom des Hütchenspieler-Syndroms

  • Alles Theaterdonner! Draghi ist genau in der Lage, in der er sein möchte: Mit dem Feuerwehrschlauch das Geld der Deutschen nach Süd- und Osteuropa pumpen - ein Traum. Es gehört mit zum Spiel das Gesicht schmerzhaft zu verzerren und bis zum letzten Moment zu "kämpfen". Der Ausgang dieser Posse ist gewiss: Es muss Geld für Athen regnen, sonst kippen die EU, die Banken und die Russland-Sanktionen und alles dies auch noch simultan.

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