Große Nachfrage nach Geldspritze Banken lechzen nach EZB-Geld

Zunächst lief das Programm schleppend an, doch nun übertrifft die Nachfrage der Banken die Erwartungen der Experten sogar: Die Institute rufen 97,8 Milliarden Euro ab – ein Zeichen, dass die Kreditwirtschaft sich erholt.
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Er stand zuletzt im Zentrum der Kapitalismuskritik, dabei versucht Mario Draghi mit der EZB, die europäische Wirtschaft mit Geldspritzen und Anleihenkäufen in Gang zu bringen. Er zeichnet erste Erfolge. Quelle: Reuters
Ein Lächeln zur Eröffnung der neuen EZB-Zentrale in Frankfurt: EZB-Chef Draghi

Er stand zuletzt im Zentrum der Kapitalismuskritik, dabei versucht Mario Draghi mit der EZB, die europäische Wirtschaft mit Geldspritzen und Anleihenkäufen in Gang zu bringen. Er zeichnet erste Erfolge.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Banken in der Euro-Zone haben deutlich mehr billiges Geld bei der EZB abgerufen als von Volkswirten erwartet. 143 Geldhäuser sicherten sich bei der dritten längerfristigen EZB-Kreditlinie, die im Fachjargon TLTRO genannt wird, insgesamt 97,8 Milliarden Euro, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich mit 40 Milliarden Euro gerechnet. Die Währungshüter hatten im Juni 2014 beschlossen, das Finanzsystem mit mehreren dieser größeren Geldsalven in Schwung zu bringen.

Die hohe Nachfrage nach den TLTRO-Geldspritzen signalisiert Volkswirten zufolge, dass sich die Konjunkturerholung in der Euro-Zone auch langsam auf die Kreditwirtschaft auswirkt. „Die Daten legen nahe, dass die Bereitschaft zur Kreditvergabe wächst“, kommentierte James Knightley vom Bankhaus ING die Zahlen. Zwar gebe es noch keinen deutlichen Anstieg der Kreditvergabe, die Verfügbarkeit und die Nachfrage nach Krediten verbessere sich jedoch. Christian Lips, Volkswirt bei der Nord-LB sprach von einem verhalten positiven Signal. „Viel entscheidender ist aber der Erfolg des Staatsanleihen-Kaufprogramms der EZB.“ Denn dadurch komme Monat für Monat verlässlich und planbar Liquidität in den Markt.

So hilft die EZB den Schuldenmachern
Italien profitiert
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Die EZB hat Anfang März ihr neues Anti-Krisen-Programm gestartet. Sie „druckt“ frisches Geld und kauft damit Wertpapiere. Fachleute nennen dies quantitative Lockerung oder schlicht „QE“ („Quantitative Easing“). EZB-Präsident Mario Draghi hatte die Märkte seit Monaten darauf vorbereitet. Im Januar gab der EZB-Rat mit breiter Mehrheit grünes Licht – gegen den Widerstand etwa von Bundesbankpräsident Jens Weidmann und dem deutschen EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger. Seitdem preisen die Märkte das „QE“. Die Rendite für italienische zweijährige Staatsanleihen ist seit Jahresbeginn deutlich gefallen.

Rendite (Jahresbeginn): 0,53 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,29 Prozent
Quelle: Bloomberg

Langfristig günstiger
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Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen ist ebenfalls zurückgegangen. Italien kann sich damit deutlich günstiger Geld am Markt leihen. Das Land fiel während der Krise 2012 nicht nur wegen seiner Schulden, sondern auch wegen politischer Querelen auf. Die Zinsen lagen dementsprechend 2011/2012 bei fast sieben Prozent. Rund drei Jahre später sind die heutigen Zinsen für das Land deutlich niedriger.

Rendite (Jahresbeginn): 1,89 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,37 Prozent
Quelle: Bloomberg

Starkes Portugal
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Am stärksten profitierten in der ersten Woche der EZB-Geldflut portugiesische Staatsanleihen. Die Rendite der 30-jährigen Anleihen aus Portugal fiel die sechste Woche in Folge und erreichte Mitte März ein Rekordtief. Auch für zweijährige Staatsanleihen ging es bei der Rendite deutlich abwärts. Zu Krisenzeiten lag die Rendite hier noch über 20 Prozent. Heute liegt sie nahe Null.

Rendite (Jahresbeginn): 0,42 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,11 Prozent
Quelle: Bloomberg

Rendite auf Vorkrisenniveau
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Auch bei der Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen ging es nach unten. Die Differenz zur Rendite der  Bundesanleihen sank auf 130 Basispunkte – die kleinste Differenz seit April 2010. Die Renditen zeigen auch sehr deutlich, warum am Aktienmarkt Kauflaune herrscht: Mit Staatsanleihen kann man kaum noch Rendite erwirtschaften. Zum Vergleich: Im Sommer 2012 zahlte Portugal für seine zehnjährigen Anleihen mehr als 17 Prozent Zinsen.

Rendite (Jahresbeginn): 2,69 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,75 Prozent
Quelle: Bloomberg

Spanien kommt günstiger an Geld
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Auch Spaniens Staatsanleihen sind seit Jahresbeginn beliebter. Die steigende Nachfrage ließ die Rendite konstant fallen. Zum Vergleich: Im Sommer 2012 forderten Anleger am Markt noch fast sieben Prozent Rendite für zweijährige spanische Staatspapiere.

Rendite (Jahresbeginn): 0,4 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,16 Prozent
Quelle: Bloomberg

Renditen weit unter Krisenniveau
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Im Sommer 2012 zahlte Spanien mehr als sieben Prozent Zinsen für seine zehnjährigen Staatsanleihen. Im Sommer 2012 kam dann Draghis Versprechen „alles zu tun, was nötig sei“, um den Euro zu retten. Seitdem ging es bei den Renditen der Staatsanleihen konstant abwärts. Anfang 2015 betrugen die Zinsen nur noch 1,6 Prozent und fielen als Folge des „QE“ der EZB noch weiter.

Rendite (Jahresbeginn): 1,6 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,34 Prozent
Quelle: Bloomberg

Deutschland: Geld leihen und dafür zahlen
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Eine besondere Situation zeigt sich bei den Bundesanleihen. Bei zweijährigen Staatspapieren der Bundesrepublik bekamen Anleger zu Jahresbeginn eine negative Rendite. Sprich: Investoren zahlen Geld, um Deutschland ihr Geld zu leihen. Durch die Staatsanleihekäufe der EZB ist die Rendite sogar noch weiter ins Minus gerutscht.

Rendite (Jahresbeginn): - 0,1 Prozent
Rendite (18.03.2015): - 0,23 Prozent
Quelle: Bloomberg

Die europäischen Währungshüter hatten Anfang vergangener Woche ihr über eine Billion Euro schweres Programm zum Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Länder gestartet. EZB-Chef Mario Draghi will damit die Konjunktur im Währungsraum ankurbeln und die Inflation wieder in Richtung der Zielmarke der Zentralbank von knapp unter zwei Prozent hieven. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg - lag doch die Teuerung in Februar noch bei minus 0,3 Prozent. Bis September 2016 plant die Zentralbank pro Monat Staatsbonds und andere Papiere im Volumen von 60 Milliarden Euro zu erwerben.

Das nun abgerufene TLTRO-Geschäft ist das dritte dieser Art. Im Dezember sicherten sich 306 Banken aus den Euro-Ländern rund 130 Milliarden Euro. Beim ersten Geschäft dieser Art im September waren es etwa 83 Milliarden Euro von 255 Banken.

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2 Kommentare zu "Große Nachfrage nach Geldspritze: Banken lechzen nach EZB-Geld"

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  • Viele brauchbare Informationen enthält der Beitrag nicht.
    Wenn die 306 Banken, die rund 310 Mrd. Euro von der EZB abgerufen haben, bei allen drei Aktionen, kommen also ca eine Milliarde Euro pro Bank. Wie sollte dadurch die Kreditvergabe spürbar angekurbelt werden? Das geht doch gar nicht! Das sagt auch der "Bankensprech" ganz deutlich. Was soll der Leser denn davon halten, wenn die zusätzliche Kreditvergabe zwar noch nicht messbar ist, aber Verfügbarkeit und Nachfrage nach Krediten würden sich verbessern, was der Chefvolkswirt der Nord LB als "verhalten positives Signal" bezeichnet. "Verhalten positiv" ist etwas, wenn es keine negative Wirkung gibt. Verhalten positiv ist nicht wirklich positiv!

  • Christian Lips, Volkswirt bei der Nord-LB sprach von einem verhalten positiven Signal. „Viel entscheidender ist aber der Erfolg des Staatsanleihen-Kaufprogramms der EZB.“ Denn dadurch komme Monat für Monat verlässlich und planbar Liquidität in den Markt
    Und da ist die Katze aus dem Sack. Also hat man dem Michel die Tasche vollgelogen, wo man ihm erklärte: Sei nötig um die Kreditvergabe zu stimmulieren.
    Schaun wir mal, ob die Vergabe in gleichen Umfang stattfindet, wenn überhaupt?

    Schönen Abend noch.

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