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Historischer Kurswechsel Bank of England hebt Leitzins auf 0,5 Prozent an

Die britische Notenbank hat ihren Leitzins erhöht - zum ersten Mal seit der Finanzkrise. Doch Entwarnung geben die Währungshüter noch nicht, die Brexit-Risiken bleiben präsent. Das Pfund gab nach.
Update: 02.11.2017 - 14:57 Uhr 1 Kommentar
Der Chef der Bank of England hatte eine Zinserhöhung schon mehrfach aufgeschoben. Quelle: Reuters
Mark Carney

Der Chef der Bank of England hatte eine Zinserhöhung schon mehrfach aufgeschoben.

(Foto: Reuters)

London Diesmal hat sich die Bank von England getraut: Die britische Notenbank erhöhte am Donnerstag ihren Leitzins von 0,25 Prozent auf 0,5 Prozent. Es ist die erste Zinserhöhung seit 2007.

Die britische Notenbank befindet sich damit in guter Gesellschaft. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte bereits 2015 den Schalter umgelegt, der US-Leitzins liegt inzwischen bei einer Spanne von 1 bis 1,25 Prozent. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat kürzlich ein Ende des billigen Geldes signalisiert: Sie hat zwar die Zinsen noch nicht erhöht, aber ihre Anleihenkäufe zurückgefahren.

Doch sofort kam bei Anlegern die Frage auf, wie nachhaltig diese Zinswende ist. Nach der Finanzkrise hatte die Bank of England den Leitzins auf 0,5 Prozent gesenkt, um die Konjunktur anzukurbeln. Nach dem Brexit-Referendum 2016 hatte sie ihn noch weiter auf 0,25 Prozent gesenkt. Es war eine Vorsichtsmaßnahme, um die Märkte zu beruhigen.

Nun hat sie diese Brexit-Versicherung wieder kassiert. Es ist ein vergleichsweise kleiner Schritt, und die Bank bleibt vorsichtig. In den kommenden drei Jahren plant sie zwei weitere Zinsschritte von je 0,25 Prozent, so dass der Leitzins am Ende bei einem Prozent liegen würde. Man gehe ein bisschen vom Gas, sagte Notenbankchef Mark Carney. Die Geldpolitik bleibe aber stimulierend.

Von einer Normalisierung kann also noch keine Rede sein. Die Währungshüter betonen, dass aufgrund des Brexit große Unsicherheiten bleiben und sie bereit stehen zu reagieren. Das heißt: Notfalls können sie den Zins auch wieder senken. Das Pfund gab prompt nach, zu unschlüssig schien die Bank den Anlegern.

Der Anlass für die jetzige Erhöhung ist die Inflation. Sie liegt mit drei Prozent deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Zentralbank. Dabei räumen die Notenbanker selbst ein, dass die Preissteigerungen vor allem extern bedingt sind: Weil das Pfund gegenüber Dollar und Euro seit dem Brexit-Votum stark eingebrochen ist, sind Importe teurer geworden. Das wirkt sich auf die Preise in Großbritannien aus. Dieser Effekt habe jedoch seinen Höhepunkt schon erreicht und werde in den kommenden Monaten nachlassen, erklärte die Bank.

Als Hauptbegründung des Zinsentscheids führt die Bank an, dass die britische Wirtschaft an ihre Kapazitätsgrenze stoße. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 4,3 Prozent auf einem historischen Tiefstand. Das hat bislang nicht zu höheren Löhnen geführt, doch die Währungshüter warnen vor Inflationsrisiken.

Einen richtig zwingenden Grund konnte Carney für die Erhöhung nicht nennen. So zog er sich auf seinen formalen Auftrag zurück: Es sei der Job der Notenbank, die Inflation zurück auf den Zielwert zu bringen, sagte er. Da nun der Brexit bevorstehe, wolle man den Märkten versichern, dass sie sich um die Inflation keine Sorge zu machen brauchen.

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