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Immobilienbesitzer Wie Wohnkosten die Inflation beeinflussen

Wohnkosten der eigenen Immobilie fließen bisher nicht in die Inflationsberechnung ein. Experten haben erhoben, wie sich eine Umstellung auswirken würde – auch auf die Geldpolitik.
17.02.2020 - 19:56 Uhr Kommentieren
Wird sich die Notenbank für eine Einbeziehung der Wohnkosten in die Inflationsberechnung entscheiden? Quelle: dpa
EZB-Zentrale in Frankfurt

Wird sich die Notenbank für eine Einbeziehung der Wohnkosten in die Inflationsberechnung entscheiden?

(Foto: dpa)

Frankfurt Deutschland ist Mieterland. Euro-Land ist dagegen eher Hausbesitzerland, viele Menschen wohnen in den eigenen vier Wänden. Die offizielle Inflationsmessung von Eurostat berücksichtigt nur die Mieten, und weil die europaweit nicht so ins Gewicht fallen, machen sie nur 6,5 Prozent des entscheidenden Preisindexes aus. Wie würde sich der Index verändern, wenn man die Kosten des Wohnens im Eigentum einbezieht?

Experten der US-Notenbank Goldman Sachs stellen in einer neuen Studie fest: Zurzeit läge die ausgewiesene Inflation höher. Nach der Finanzkrise wäre sie allerdings deutlich niedriger gewesen.

Übertragen auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bedeutet das: Zurzeit könnten die Notenbanker etwas entspannter agieren und müssten nicht so aggressiv versuchen, mit Minuszinsen und Anleihekäufen die ausgewiesene Inflation näher an das Ziel von knapp zwei Prozent heranzubringen.

Umgekehrt hätte die EZB nach der großen Krise 2008 deutlich schneller reagieren müssen. Über einen längeren Zeitraum gerechnet liegt die Inflation mit höherem Wohnkostenanteil leicht über dem Ergebnis ohne diesen Anteil.

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    Zugleich kommt Goldman aber zu dem Schluss, dass die Gefahr eines Abrutschens in eine Deflation, also eine Phase fallender Preise, niedriger wäre, wenn die EZB die Wohnkosten stärker berücksichtigt. Denn dann wäre sie gezwungen, in einer Krise schneller zu reagieren.

    Methodische Probleme

    Die Frage ist von grundsätzlicher Bedeutung. Viele Ökonomen haben der EZB ohnehin vorgeworfen, nach der Krise zu spät reagiert zu haben – auch wegen des politischen Widerstands in Deutschland gegen Anleihekäufe.

    Auf der anderen Seite gab es bei den Notenbankern selbst Zweifel, ob die letzte, im vergangenen September angeschobene Lockerung der Geldpolitik wirklich in dem Ausmaß nötig war. Isabel Schnabel, seit Anfang des Jahres neue EZB-Direktorin, hatte zum Beispiel damals Skepsis geäußert, obwohl sie grundsätzlich voll hinter der EZB-Politik steht.

    Hinzu kommt: Die EZB hat gerade eine grundlegende Diskussion ihrer Strategie begonnen. Die Einbeziehung von Wohnkosten wird neben einer klareren Definition des Inflationsziels dabei eines der Hauptthemen sein. Goldman weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass in der Euro-Zone Wohnkosten bisher weniger als in den anderen großen Ländern berücksichtigt werden.

    Die EZB war in der Vergangenheit vor allem aus methodischen Gründen skeptisch gegenüber einer Einbeziehung der Wohnkosten.

    Zum Teil können diese Kosten nur sehr grob geschätzt werden, zum Teil fehlen zeitnahe Daten. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat sich vor Kurzem aber trotz dieser Probleme grundsätzlich für eine stärkere Berücksichtigung ausgesprochen, EZB-Chefökonom Philip Lane ebenfalls.

    Drei rechnerische Ansätze

    Goldman hat drei verschiedene Ansätze zur Einbeziehung der Wohnkosten berücksichtigt. Version eins ist die Schätzung der Kostensteigerung nach der Veränderung der Hauspreise. Version zwei nimmt die laufenden Kosten zum Maßstab, unter anderem Hypothekenzinsen, Versicherungen und Abschreibungen.

    Version drei stützt sich auf Schätzungen, welche Miete Eigentümer für ihre Immobilien bekommen könnten, wenn sie die nicht selbst nutzen würden.

    Version eins würde zu den stärksten zusätzlichen Schwankungen der ausgewiesenen Inflation führen, Version drei, die unter anderem in den USA eine große Rolle spielt, zur schwächsten. Zurzeit würde die Inflation je nach Version zwischen 0,1 und 0,35 Prozentpunkten höher ausgewiesen als nach bisherigem Maßstab. Zuletzt lag die Inflation im Euro-Raum laut harmonisiertem Verbraucherpreisindex (HVPI/HICP) bei 1,4 Prozent.

    Früher an der Null-Linie

    Goldman hat auch ausgerechnet, wie die EZB in der Vergangenheit bei einer stärkeren Berücksichtigung der Wohnkosten reagiert hätte. Dabei stützt sie sich auf eine mathematische Formel der Ökonomen Athanasios Orphanides und Volker Wieland, die die Geldpolitik der EZB in Abhängigkeit von einem Set wirtschaftlicher Daten bisher relativ gut beschrieben hat.

    Das Ergebnis: Zurzeit lägen die Zinsen bis zu 0,2 Prozentpunkte höher als aktuell mit minus 0,5 Prozentpunkten der Fall. Im Jahr 2012 hätten sie aber auch bis zu 0,4 Prozentpunkten niedriger gelegen und wären so schon sehr nahe von oben an die Nulllinie herangerutscht.

    Die Goldman-Studie bestätigt frühere Kalkulationen, die auch die EZB selbst intern angestellt hat. Danach ist der Einfluss der Einbeziehung der Wohnkosten spürbar, aber begrenzt, außerdem ändert sie nicht den langfristigen Trend. Möglicherweise wird die EZB sich für eine Einbeziehung entscheiden, aber zugleich das Inflationsziel als symmetrisch bei zwei Prozent definieren statt als knapp zwei Prozent wie bisher.

    Damit würde die Inflation leicht höher ausgewiesen – das Ziel aber auch, sodass sich wenig Handlungsbedarf ergäbe. Trotzdem zeigt die Goldman-Studie, dass vor allem die frühere Reaktion in Krisenzeiten für eine bessere Einbeziehung der Wohnkosten spricht. Außerdem würde damit den Kritikern der Wind aus den Segeln genommen, die wegen der steigenden Hauspreise eine wesentlich höhere Inflation als ausgewiesen vermuten.

    Mehr: Was Anleger über die Richtungsdebatte der EZB wissen müssen.

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